| 22:30 Uhr

18-Jähriger verurteilt
Opfer in die Saar geworfen: Sieben Jahre Haft wegen Totschlags

Gestern fiel in Saarbrücken das Urteil gegen den 18-Jährigen.
Gestern fiel in Saarbrücken das Urteil gegen den 18-Jährigen. FOTO: picture-alliance/ dpa/dpaweb / Uli Deck
Saarbrücken. Bis zum Schluss hat der 18-jährige Angeklagte geschwiegen und damit auch zu einer Strafverschärfung beigetragen.

Ein 18-Jähriger, der einen 16-Jährigen bewusstlos geschlagen und in die Saar geworfen hatte, muss wegen Totschlags für sieben Jahre in Haft. Für das Saarbrücker Landgericht stand gestern außer Frage, dass der angeklagte Deutsche bei seiner Tat im vergangenen April erkannt hatte, dass sein Opfer regungslos und völlig wehrlos gewesen war, als er ihn über den Boden zum Ufer schliff.

„Wenn man einen solchen Menschen dann in ein Gewässer wirft, nimmt man zumindest billigend in Kauf, dass er ertrinkt und damit verstirbt“, sagte der Vorsitzende Richter. Der junge Pakistani war erst eine halbe Stunde nach dem Vorfall geborgen worden und einige Stunden später an Sauerstoffmangel im Gehirn gestorben. Der Anlass für die Tat sei ein „nichtiger“ gewesen: ein Streit um Haschisch unter mehreren Bekannten, in den sich Opfer und Täter eingemischt hatten.

Das Urteil nach Jugendstrafrecht lag über dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die sechseinhalb Jahre Jugendhaft für den Angeklagten beantragt hatte. Der Verteidiger des 18-Jährigen hatte die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge gewertet und eine Bewährungsstrafe gefordert.



Der Vorsitzende Richter hatte seine mündliche Urteilsbegründung ungewöhnlich begonnen: Er zitierte aus einem Brief, den der Angeklagte im Juli aus der JVA an seine Mutter geschickt und in dem er keinerlei Reue gezeigt hatte. Im Gegenteil: „Ich geh in den Knast, weil er nicht schwimmen konnte“, hatte er geschrieben und: „Frechheit, dass ich hier sitze.“ Richter Andreas Lauer kommentierte den Brief mit den Worten: „Wir hoffen, dass Sie inzwischen zu einer anderen Einsicht gelangt sind. Sie ist nämlich falsch.“

Strafverschärfend wertete das Gericht, dass der Angeklagte laut einer Zeugenaussage bei seiner Tat „Scheiß Araber“ gerufen haben soll und sich im gesamten Prozess nicht geäußert habe. Auch hatte er nicht die Gelegenheit genutzt, sich im letzten Wort bei der Mutter des Opfers zu entschuldigen. Gerade weil er selbst offenbar eine enge Beziehung zu seiner Mutter habe, hätte er sich in die Lage versetzen können, wie es einer Mutter gehe, „wenn sie ihren 16-jährigen Sohn auf solch eine Art und Weise genommen bekommt“, sagte der Richter.

Seine Mandantin habe „zweigespalten“ auf das Urteil reagiert, berichtete der Anwalt der Mutter, Khubaib-Ali Mohammed, der auch schon Opfer in den Prozessen um den Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz, um die NSU-Morde und das Loveparade-Unglück vertreten hat. Zum einen sei sie erleichtert, dass der Tod ihres Sohnes durch das Urteil gesühnt werde, zum anderen wisse sie, dass der Angeklagte nach sieben Jahren die JVA verlassen werde. „Aber ihr Sohn wird nicht wiederkommen.“

Weil es sich laut Mohammed bei diesem Fall um eine „besondere Dimension von unkontrollierter Jugendgewalt“ handelte, hatte er ein Strafmaß gefordert, das deutlich über dem Antrag der Staatsanwaltschaft liegen müsse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger sagte der Deutschen Presse-Agentur, „selbstverständlich“ in Revision gehen zu wollen.

(dpa)