| 22:52 Uhr

Bürgermeister bedroht
Schüler gedenken erstochener 15-Jähriger

Vor dem Drogeriemarkt in Kandel, wo eine 15-Jährige von ihrem Ex-Freund erstochen wurde, stehen unzählige Blumen und Kerzen.
Vor dem Drogeriemarkt in Kandel, wo eine 15-Jährige von ihrem Ex-Freund erstochen wurde, stehen unzählige Blumen und Kerzen. FOTO: Uli Deck / dpa
Kandel. Der Tod eines Mädchens in Kandel lässt die Menschen nicht los. Die Kommune wehrt sich mit Anzeigen gegen die Bedrohung ihres Bürgermeisters, der pauschale Aussagen über Flüchtlinge beklagt hatte.

Vor dem heutigen Trauergottesdienst für die in Kandel getötete 15-Jährige haben Schüler in der Südpfalz mit einer Gedenkminute an das Mädchen erinnert. Zu der Aktion gestern um 12 Uhr hatte die Kreisschülervertretung aufgerufen. Unterdessen hat die Verbandsgemeinde Kandel wegen Drohungen gegen den Bürgermeister nach Angaben eines Stadtsprechers Anzeige erstattet. „Das kann man so nicht auf sich beruhen lassen“, sagte der Mann auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Eine für den kommenden Sonntag geplante Menschenkette im Ort mit dem Motto „Kandel ist bunt“ wurde inzwischen abgesagt. Vertreter von Vereinen, Kirchen und Ratsfraktionen seien übereingekommen, die Aktion um etwa vier Wochen zu verschieben, sagte ein Vertreter der örtlichen Karnevalsgesellschaft. Er begründete das unter anderem mit der zeitlichen Nähe zum Trauergottesdienst und zur Beerdigung. Letztere soll zu einem anderen Termin im Kreis der engsten Angehörigen des Opfers und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Die 15-Jährige war am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt in Kandel erstochen worden. Dringend tatverdächtig ist ihr Ex-Freund, ein Flüchtling aus Afghanistan. Er ist nach offiziellen Angaben ebenfalls 15 Jahre alt und sitzt wegen Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft (wir berichteten).



Wie viele Schulen eine Gedenkminute für das Mädchen einlegten, ließ sich nicht genau klären. „Meines Wissens waren alle Schulen daran beteiligt, es kam von keiner Schule eine Absage“, berichtete der 18-jährige Michael Schnell von der Kreisschülervertretung. Nur die Grundschulen habe man außen vor gelassen, hieß es. Wie das Gedenken gestaltet wurde, habe man den Klassen und Kursen überlassen, sagte der Gymnasiast aus Germersheim. „Bei mir war es so: wir saßen da, waren eine Minute still und haben einfach an Mia gedacht.“

Auf der Homepage der Integrierten Gesamtschule Kandel war zu sanfter Musik eine brennende Kerze zu sehen, daneben stand der Text: „Der Tod ist wie eine Kerze, die erlischt, wenn der Tag anbricht. In tiefer Anteilnahme gedenken wir unserer früheren Schülerin Mia, die durch eine unfassbare Tat aus dem Leben gerissen wurde.“

Zu der Anzeige bei der Polizei wegen Drohungen gegen den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel sagte ein Sprecher der Kommune: „Das kann man so nicht auf sich beruhen lassen.“ Nach seinen Angaben waren die Drohungen, die offenbar von mehreren Personen stammten, per E-Mail eingegangen. Sie ließen allerdings keinen Schluss auf den Absender zu. Die Polizei müsse nun sehen, ob sie deren Identität ermitteln könne. Nach Angaben des Sprechers hat der Bürgermeister wegen negativer Kommentare auch seine persönliche Homepage geschlossen.

Der Bürgermeister hatte nach der Tat pauschale Forderungen nach einem härteren Umgang mit Flüchtlingen beklagt. Kurz darauf hatte die Gemeinde von negativen Kommentare berichtet. Auch die Karnevalsgesellschaft registrierte nach Angaben des Sprechers negative Kommentare und hat deshalb ihre Facebook-Seite gelöscht. „Das habe ich noch nie erlebt, dass Menschen solche Sachen loslassen“, sagte er. In einer Mitteilung der AfD-Bundestagsfraktion hieß es, die „Kandeler Buntheit“ sei „unerträglich“.

Die Leitende Oberstaatsanwältin in Landau, Angelika Möhlig, sagte, ihrer Behörde sei die Veröffentlichung eines Abgeordneten vorgelegt worden, in der namentlich bekannten Politikern eine Mitschuld am Tod des Mädchens gegeben werde. Da der Schluss nahe liege, dass das sogenannte Posting andernorts erstell worden sei, habe man den Fall an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. Weitere Anzeigen lägen ihrer Behörde nicht vor oder seien noch nicht eingegangen. Auch bei der Polizei könnten noch Anzeigen liegen.

Unterdessen rüstet sich Kandel für den Trauergottesdienst in der Protestantischen St. Georgskirche, zu dem viele Menschen erwartet werden. Damit solle den Angehörigen und jenen, die Anteil nehmen wollten, die Möglichkeit gegeben werden, Abschied von dem Mädchen zu nehmen. Die Predigt hält Pfarrer Arne Dembek, der das Mädchen Es war nach Angaben der Kirche im Frühjahr 2016 konfirmiert hatte. Die Kirche bat darum, „die Privatsphäre der Familie der Verstorbenen zu achten“.

(dpa)