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Krankenhäuser voll
Schon neun Grippetote in Rheinland-Pfalz

Die Grippe hat Rheinland-Pfalz fest im Griff. Die Krankenhäuser müssen ständig neue Patienten mit Influenza aufnehnen. Neun Menschen im Land sind seit Jahresbeginn an den Folgen der Krankheit gestorben.
Die Grippe hat Rheinland-Pfalz fest im Griff. Die Krankenhäuser müssen ständig neue Patienten mit Influenza aufnehnen. Neun Menschen im Land sind seit Jahresbeginn an den Folgen der Krankheit gestorben. FOTO: Maurizio Gambarini / picture alliance / Maurizio Gamb
Koblenz. Es wird allerorts gehustet, geschnieft und geschneuzt: Die Grippewelle geht um, von Woche zu Woche werden es mehr Kranke. Das bekommen auch die Krankenhäuser zu spüren.

Die Grippewelle steuert in Rheinland-Pfalz auf ihren Höhepunkt zu. Eine ganze Reihe von Krankenhäusern ist voll und stellt beispielsweise Zusatzbetten auf. Seit Jahresbeginn sind nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes (LUA) in Koblenz neun Menschen in Verbindung mit einer Grippe gestorben. Das waren zwar deutlich weniger als die im Vorjahreszeitraum von den Gesundheitsämtern gemeldeten 21 Opfer. Dafür liegt die Zahl der Erkrankten klar über dem Wert aus dem Vorjahr, wie das (LUA) jetzt mitteilte.

Laut Landesuntersuchungsamt wurden seit Anfang dieses Jahres 4537 Influenza-Fälle in Rheinland-Pfalz gemeldet – und damit deutlich mehr als die 3880 aus dem Vorjahreszeitraum. Die vergangene Woche habe mit allein 1746 Fällen einen neuen Rekord gebracht, teilte eine LUA-Sprecherin mit. Noch nicht berücksichtigt seien dabei die Fälle, in denen kein Arzt aufgesucht worden sei oder der Arzt auf einen Labornachweis verzichtet habe. „Die Dunkelziffer ist also entsprechend hoch.“ Die höchsten Influenza-Zahlen wiesen in der achten Kalenderwoche die Kreise Rhein-Lahn (281), Bad Dürkheim (274) und Mainz-Bingen (226) sowie die Stadt Ludwigshafen (244) auf.

Der Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses Pirmasens, Martin Forster, sprach von einem „sehr hohen Patientenaufkommen“. Es gebe alle paar Jahre starke Grippewellen. „Aber diejenige ist in den letzten zehn Jahren die heftigste.“ In Zimmern stünden Zusatzbetten, zudem könne es zu längeren Wartezeiten für nicht akut hilfebedürftige Patienten kommen. Die Notaufnahme für Schwerst- oder Akutkranke sei aber nichtsdestotrotz selbstverständlich offen, betonte Forster.



Im Zweibrücker Nardini-Klinikum werden derzeit über 120 Menschen mit Influenza stationär behandelt, wie Klinik-Sprecher Thomas Frank am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte (wir berichteten). Im Landstuhler Krankenhaus des Klinikums gebe es ebenfalls zahlreiche Influenza-Fälle, allerdings lange nicht so viele wie in Zweibrücken.

Auch aus dem Trierer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hieß es, Fälle von schwer an Grippe Erkrankten, die stationär aufgenommen werden müssten, häuften sich. „Besonders betroffen sind bekanntlich vor allem ältere und abwehrgeschwächte Menschen und Patienten mit bekannten chronischen Lungen- beziehungsweise Herzerkrankungen, die schwer durch Influenza erkranken können“, teilte ein Sprecher der Klinik mit.

Wegen des in diesem Jahr vor allem grassierenden Virustyps zeigten auch Patienten mit Grippeimpfung schwere Verläufe. Für Risikogruppen empfehle sich die Impfung aber dennoch. Für die Mitarbeiter des Zentrums für Notaufnahme sowie des Krankenhauses sei die Situation eine besondere Herausforderung, auch sie blieben von Erkrankungen nicht verschont. Weil Grippepatienten isoliert würden, beanspruchten sie zusätzlichen Platz auf den Stationen. Entsprechend hätten in den vergangenen Tagen fast alle Kliniken im Großraum Trier keine Kapazitäten mehr für internistische Notfälle gehabt – „hauptsächlich vor dem Hintergrund der aktuellen Grippewelle“, betonte der Sprecher.

Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, zu dem zwei Krankenhäuser in Koblenz sowie jeweils eines in Mayen, Boppard und Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis gehören, brauchte bislang zwar noch keine Zusatzbetten. Aber auch hier schwinden die Kapazitäten, wie der Ärztliche Leiter der Stabsabteilung für Krankenhaushygiene, Infektionsprävention und Infektiologie, Markus Kirsch, mitteilte. Seit Mitte Januar nehme die Zahl der Influenza-Fälle bei Patienten und Mitarbeitern zu. Schon bei der Aufnahme werde auf Grippesymptome geachtet, bei Anzeichen oder Zweifeln erfolge ein Schnelltest, bei einem positiven Ergebnis würden die Betroffenen isoliert stationär behandelt – solange es die räumlichen Kapazitäten zuließen.