| 23:16 Uhr

Das Hochwasser sinkt wieder
Schiffe fahren wieder auf Rhein und Mosel

Frachtschiffe stauen sich hinter der Moselschleuse in Koblenz. Die Schifffahrt hat wieder freie Fahrt.
Frachtschiffe stauen sich hinter der Moselschleuse in Koblenz. Die Schifffahrt hat wieder freie Fahrt. FOTO: Thomas Frey / dpa
Koblenz/Trier. Die meisten Anwohner von Rhein und Mosel sind mit einem blauen Auge davon gekommen: Das Hochwasser sinkt wieder, bevor es wirklich dramatische Pegelstände erreicht hat. Dennoch haben viele Schiffsführer lange warten müssen.

Nach mehrtägiger Zwangspause wegen Hochwassers läuft die Schifffahrt auf Rhein und Mosel langsam wieder an. Anwohner und Kommunen reinigten Keller und Straßen. In manchen Städten wie etwa Koblenz wurden gestern nach Angaben der Feuerwehr auch Stege in nicht mehr überfluteten Gebieten entfernt. Die Wasserstände sanken nach Auskunft der Hochwassermeldezentren weiter, auch bei Nebenflüssen wie Lahn, Nahe und Sieg. Der Deutsche Wetterdienst kündigte nur geringe Niederschläge für die kommenden Tage an.

Auf dem Oberrhein war die Schifffahrtssperre schon aufgehoben worden. Flussabwärts von Bingen sollten die erforderlichen Pegelstände auf dem Mittelrhein laut Prognose wohl gestern Nachmittag erreicht werden, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Koblenz mitteilte. Die Strecke könne aber nicht gleich freigeben werden. „Wir müssen erst noch eine Art Kontrolle machen, dass die Wasserstraße sicher benutzbar ist“, erklärte Amtsleiterin Mareike Bodsch. Somit wurden hier Schiffe erst heute erwartet.

Bereits gestern Mittag hatte die Schifffahrt auf der Mosel wieder zwischen Frankreich und Zeltingen-Rachtig freie Fahrt. Der Abschnitt flussabwärts bis Koblenz sollte nach der Begutachtung einzelner Schleusen folgen, wie Bodsch mitteilte. Wegen Hochwassers war die Schifffahrt im Bereich des Wasserstraßen- und Schifffahrtamtes Trier seit vergangenen Mittwoch gestoppt worden. Seit Donnerstag waren die letzten Moselstaustufen im Koblenzer Bereich geschlossen worden.



In Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, wurde laut Feuerwehr am Dienstag der dritte Abschnitt der fast vier Kilometer langen mobilen Hochwassermauer abgebaut. Für die kommenden Tage werde mit weiterer Entspannung gerechnet, obwohl die Pegelstände nur langsam sänken. Die evm Verkehrs GmbH in Koblenz informierte, dass Einstellungen von Buslinien wieder aufgehoben würden. Mehrere Strecken blieben allerdings auch gestern verkürzt.

Unterdessen teilte Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland mit, dass das Hochwasser an Flüssen das Verhalten rastender Wildgänse beeinflusse. Wenn ufernahe Auengebiete unter Wasser stünden, fänden die Vögel keine Nahrung mehr. „Bei großflächigen Überschwemmungen fliegen die Vögel auch mal weg.“

In der Regel bevorzugen die Tiere Hormann zufolge allerdings, direkt am Fluss zu lagern und auch auf dem Wasser zu ruhen: „Da besteht kein Feinddruck durch Wildschweine oder Füchse.“ Schnelle Reaktionen seien in den vergangenen Jahren bei rastenden Gänsen, Kranichen und anderen Zugvögeln auch nach plötzlichen Winteraufbrüchen festgestellt worden, erklärte Hormann. „Bei Schneelagen weichen sie aus und fliegen das Rheintal hinunter bis nach Frankreich.“

(dpa)