| 23:00 Uhr

Brain-Drain
Rheinland-Pfalz nicht attraktiv für junge Akademiker

Zweibrücken. Laut der Studie „Fachkraft 2030“ der Universität Maastricht verlassen viele junge Menschen das Land, sobald sie ihren Abschluss in der Tasche haben.

Ist Rheinland-Pfalz für Hochschul-Absolventen nicht attraktiv genug? Eine repräsentative Befragung zeigt, dass rheinland-pfälzische Akademiker ihr Bundesland bei der Jobsuche deutlich häufiger verlassen, als dies in anderen Teilen Deutschlands der Fall ist.

So bescheinigt die Studie namens „Fachkraft 2030“ der Universität Maastricht und des Personaldienstleisters Studitemps dem Bundesland eine „schwierige Ausgangslage“. Das Land sei für Absolventen „wenig attraktiv“ und verliere unterm Strich 40,1 Prozent seiner Hochschulabgänger. Unter allen westdeutschen Ländern schneidet Rheinland-Pfalz damit am schlechtesten ab. Noch größere Verluste verzeichnen nur Sachsen-Anhalt (minus 64 Prozent), Brandenburg (minus 57) und Thüringen (minus 49).

Besonders beliebt ist dagegen Hamburg (plus 160 Prozent), wo statistisch auf 100 Studienplätze 260 Absolventen kommen, die in der Hansestadt einen Job haben wollen.



„Es ist tatsächlich so, dass sehr viele Studierende Rheinland-Pfalz verlassen und ins Ausland oder in andere Regionen gehen“, sagt Thomas Mares von der Arbeitsagentur Trier, der Absolventen von Uni und Hochschule beim Übergang in den Beruf unterstützt.

Die Ursachen sind vielfältig. Zum einen gebe es starke wirtschaftliche Zentren rund um Rheinland-Pfalz, die Arbeitskräfte lockten. Zum anderen seien die Aufnahmekapazitäten schlicht zu gering. So fänden selbst nicht alle Ingenieure, die in Kaiserslautern ausgebildet werden, in Rheinland-Pfalz auch Arbeit. „Es gibt nicht genug Plätze“, bestätigt Isabell Juchem, von der Arbeitsagentur.

Gute Chancen, Jobs in der Region – oder im nahen Luxemburg – zu finden haben laut Mares Betriebs- oder Volkswirtschaftler, Sprachwissenschaftler, Ingenieure, Gestalter oder alle, die technische Fächer studieren. Daher gehe die Studienberatung dazu über, jungen Leuten, die in der Region bleiben möchten, solche Fächer zu empfehlen.

Die Studie lässt aber einen Faktor außen vor: „Sie betrachtet nicht, dass wir in einer Grenzregion leben und viele Studierende, insbesondere der Universität Trier, in Luxemburg, Belgien oder Frankreich berufstätig sind und damit ihrer Region gar nicht untreu werden“, sagt Natalie Schramm von der Uni-Pressestelle.

Auch die Industrie- und Handelskammer verweist auf die Bedeutung, die Luxemburg für Akademiker hat. Die regionalen Unternehmen suchten hingegen überwiegend Beschäftigte mit dualer Ausbildung oder einer Aufstiegsfortbildung wie Meister, Techniker oder Fachwirt. Die „Fachkräftelücke“ falle bei Hochschulabsolventen deutlich geringer aus.