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Tiere leiden unter der Hitze
Rheinland-pfälzische Tierheime: Hitze und „Vermittlungsstau“

Dr. Kathrin Roiner-Frenzel, Tierärztin im Tierheim Mainz, untersucht Rauhaardackel „Lotta“ im Operationssaal. Während andere in den Urlaub fahren, gibt es in den Tierheimen viel zu tun.
Dr. Kathrin Roiner-Frenzel, Tierärztin im Tierheim Mainz, untersucht Rauhaardackel „Lotta“ im Operationssaal. Während andere in den Urlaub fahren, gibt es in den Tierheimen viel zu tun. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz/Idar-Oberstein. Unter der Sommerhitze leiden nicht nur Zweibeiner: Auch Hund, Katze und Igel kämpfen in den rheinland-pfälzischen Tierheimen mit dem Wetter.

(dpa) Während andere in den Urlaub fahren und am Strand entspannen, haben die Mitarbeiter rheinland-pfälzischer Tierheime viel zu tun. Die Käfige sind voll und das Wetter macht den Pflegern zu schaffen. „In vielen Tierheimen herrscht ein regelrechter Vermittlungsstau“, berichtet Andreas Lindig vom rheinland-pfälzischen Tierschutzbund. „Viele Menschen geben ihre Tiere vor dem Sommerurlaub ab. Andere, die Tiere aufnehmen möchten, sagen sich: „Wir machen das nach dem Urlaub.“ Vor allem in Städten wie Mainz oder Kaiserslautern sei das ein großes Problem.

Hinzu komme, dass die finanzielle Lage vieler Tierheime weiterhin angespannt sei. Sie bekämen nicht genug Hilfe von den Kommunen, moniert Lindig. Dabei seien die Tierheime der falsche Ort zum Sparen: „Tierschutz ist eine kommunale Aufgabe und Tierheime sollten nicht länger Bittsteller sein.“

In den Tierheimen selbst kämpfen die Pfleger gegen die hohen Temperaturen – oft mit ungewöhnlichen Mitteln: „Wir geben unseren Hunden tiefgefrorenes Würstchenwasser“, erzählt Kathrin Roiner-Frenzel. Die Tierärztin des Mainzer Tierheims ärgert sich über die Hitze: Durch das Wetter bleibe viel Arbeit liegen. „Bei diesen hohen Temperaturen können wir zum Beispiel die Kaninchen nicht kastrieren“, berichtet Roiner-Frenzel. Narkose und Operation bei über 30 Grad sei für die Tiere zu gefährlich.



Im Tierheim in Idar-Oberstein werden wegen der Hitze keine Tiere mehr vermittelt. „Das tue ich keinem Tier an“, sagt Leiterin Ulrike Kronauer. Bei dem Wetter seien alle gestresst: Tiere, Pfleger und interessierte Besucher. „Da lernt man kein Tier kennen.“ Um die Stresslevel zu senken, setzt das Tierheim auf kühle und leichte Nahrung wie Hüttenkäse, berichtet Kronauer. „Bei dem Wetter darf der Magen der Tiere nicht belastet werden.“

„Die Hitze erfordert Umplanungen“, bestätigt Lindig vom Tierschutzbund. Am Tag bräuchten die Tiere Ruhe, schattige Gehege und viel Wasser. „Ganz wichtig ist, dass die Tiere nicht hinter Scheiben sitzen, die den Raum aufheizen.“

Im Mainzer Tierheim werden seit einigen Wochen auch vermehrt Wildtiere abgegeben. Viele Igel, die abgegeben würden, seien eigentlich gesund, berichtet Roiner-Frenzel, „aber total ausgetrocknet“. Die Helfer des Tierheims müssten sich außerdem um viele junge Mauersegler kümmern. „Denen wird es unter den Dächern zu heiß und sie verlassen ihre Nester, obwohl sie eigentlich noch nicht flügge sind.“

Auch Kronauer beklagt das Leid der Wildtiere. Den Tieren in ihrem Idar-Obersteiner Tierheim bietet sie Rundumversorgung: Hundeteich, nasse Tücher und Kühlmatten – den Tieren gehe es gut. „Wir alle hecheln bei diesem Wetter, Menschen wie Tiere“, sagt Kronauer, „aber es ist doch schön, dass Sommer ist.“