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Prozess wegen Menschenraub beginnt
Prozess um Geiselnahme im Sonnenstudio: Täter und Opfer kannten sich

Mainz. Drei Männer stehen in Mainz vor Gericht, gemeinsam sollen sie ihr Opfer malträtiert haben. Am ersten Prozesstag wird klar: Es geht auch um enttäuschte Liebe.

(dpa) Zu Beginn eines Prozesses wegen Geiselnahme und erpresserischen Menschenraubs in Mainz hat einer der Angeklagten einen Teil der Vorwürfe gestanden. Er habe mit einer Eisenstange auf das Opfer eingeschlagen, erklärte der Mann in einem Brief, den der Richter des Landgerichts gestern verlas. Der überfallene Mann, der „mehr als ein Freund“ gewesen sei, habe eine Affäre mit seiner Lebensgefährtin gehabt. Insgesamt sind drei Männer angeklagt, einer davon wegen versuchten Mordes. Alle drei sind türkische Staatsbürger.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem teilweise geständigen Angeklagten vor, das Opfer im vergangenen Dezember in sein Sonnenstudio in Mainz gelockt zu haben - unter dem Vorwand, ihm Schulden zurückzuzahlen. Tatsächlich habe er ihn mit seinem Verdacht konfrontieren wollen. Der Angeklagte erklärte, er habe mit dem Kontrahenten darüber reden wollen. Als das Opfer das Verhältnis eingestand, habe er jedoch die Kontrolle verloren und mit der Stange zugeschlagen. „Ich war paranoid“, erklärte der Angeklagte.

Nachdem sie dem Opfer Handy, Bankkarten und Schlüssel abgenommen hatten, soll ein dritter Mann laut Anklage versucht haben, das Opfer zu töten. Dabei soll er dem Opfer eine Pistole an den Kopf gehalten haben. Die drei Männer, die zwischen 30 und 35 Jahre alt sind und aus Mainz und Wiesbaden kommen, befinden sich in Untersuchungshaft. Mit Ausnahme des Briefes äußerten sie sich nur zu ihrer Person, nicht zur Sache.



Der dritte Mittäter soll laut Anklage versucht haben, das Opfer zu erwürgen. Erst nach enormem Kraftaufwand sei es ihnen gelungen, das Opfer aus dem Griff des Mittäters zu lösen, erklärte der Sonnenstudiobesitzer in seinem Brief. „Ich töte doch keinen Menschen.“ Das Opfer erlitt Knochenfrakturen und Prellungen im Gesicht und musste stationär behandelt werden.

Das Gericht hat bis Ende September sieben Verhandlungstage terminiert. Mit der Vernehmung von Zeugen wird der Prozess am 15. September fortgesetzt.

(dpa)