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Landgericht Zweibrücken
Wurde der große Drogendeal in Zweibrücken angebahnt?

Zweibrücken. Von Rainer Ulm

Der Prozess um den aufgeflogenen Zehn-Kilogramm-Drogendeal in Ramstein-Miesenbach fördert immer mehr Details zutage. Am Dienstagnachmittag hat einer der drei Angeklagten, ein 25-jähriger Syrer, im Landgericht Zweibrücken ausgesagt, der als anerkannter Flüchtling bis zu seiner Festnahme bei seiner Verlobten in Kaiserslautern wohnte.

Er will allerdings nur als „Übersetzer“ zwischen dem vermeintlichen Drogenkäufer, der sich später als sogenannte Vertrauensperson der Polizei entpuppte, und seinen beiden Mitangeklagten, einem 21-jährigen Syrer, der bislang in Homburg lebte, und einem 23-jährigen Tunesier fungiert haben, wie er aussagte. Der 25-Jährige will den Drogenkäufer bei einem Treffen in Kaiserslautern Anfang Februar über einen Kollegen, der aus dem Irak stammen soll, kennengelernt haben. Bei dem Treffen soll die Vertrauensperson ihn überredet haben, noch am selben Tag nach Zweibrücken zu fahren und bei einem Drogenkauf zu übersetzen. Dort soll der vermeintliche Drogenkäufer, vermittelt von dem Iraker, von einem „Araber“ 500 Gramm Haschisch erworben haben – offenbar eine vertrauensbildende Maßnahme. Denn seither soll der Kontakt zu dem Mann, bei dem es sich nach Aussage des 25-Jährigen um einen „Russen“ gehandelt haben könnte, nicht abgerissen sein. Er soll den Syrer später sogar fast täglich in dessen Wohnung in Kaiserslautern besucht und immer mal wieder Geld geschenkt haben, angeblich ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. Bis zu jenem Tag, als die Vertrauensperson ihn fragte, ob er kiloweise Amphetamin besorgen könne. Diese Frage will der 25-Jährige zunächst verneint, dann aber doch eingewilligt haben, es zu versuchen. Und so nahm er Kontakt zu seinem 21-jährigen Landsmann in Homburg auf, von dem er wusste, dass auch er in der Drogenszene unterwegs war. Dieser Syrer, der sich selbst nur als „Vermittler“ bei dem Drogengeschäft sieht, stellte den Kontakt zu einem seiner Dealer, dem Tunesier, her, von dem er annahm, dass der 23-Jährige größere Mengen Amphetamin liefern könnte. Denn der „Russe“ wollte zehn Kilogramm dieser stimulierenden synthetischen Droge – auch „Speed“ oder „Pep“ genannt – kaufen, wie er die beiden Syrer wissen ließ. Zum Übergabetermin 15. April soll der Tunesier mit dem Amphetamin im Gepäck von Koblenz aus nach Homburg gereist sein. Von dort ging es mit einem von einem, offenbar ahnungslosen Freund des 21-Jährigen gesteuerten Auto weiter nach Ramstein – zu einem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant an der Autobahn A 6, wo das Amphetamin übergeben werden sollte. Doch dazu kam es nicht. Es klickten die Handschellen. Die Vertrauensperson der Polizei hatte ganze Arbeit geleistet.

Der Prozess wird am Dienstag, 24. September, 9 Uhr, fortgesetzt.