| 22:53 Uhr

Einsatz in Ludwigshafen endet ohne Ergebnis
Polizei sucht bewaffneten Jungen in Schule

Schwer bewaffnete Beamte eines Spezialeinsatzkommandos durchsuchen die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen-Mundenheim und das Schulgelände nach einem bewaffneten Jugendlichen. Sie finden nichts. Später wird Entwarnung gegeben.
Schwer bewaffnete Beamte eines Spezialeinsatzkommandos durchsuchen die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen-Mundenheim und das Schulgelände nach einem bewaffneten Jugendlichen. Sie finden nichts. Später wird Entwarnung gegeben. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Ludwigshafen. Großalarm auf Verdacht in Ludwigshafen: Weil eine Frau einen bewaffneten Jugendlichen gesehen haben will, wird ein Schulzentrum gesperrt und von Spezialkräften durchsucht. Der Einsatz ist vorerst ohne Ergebnis. Die Schüler bleiben gefasst.

Der Schrecken steht der elfjährigen Aurelia noch ins Gesicht geschrieben. Stundenlang hat die Fünftklässlerin am gestrigen Mittwoch ebenso wie mehrere hundert andere Kinder und Jugendliche in einem Ludwigshafener Schulzentrum hinter der verschlossenen Klassenzimmertür ausgeharrt, weil die Möglichkeit bestand, dass die Schüler in Gefahr sind. Schwer bewaffnete und maskierte Polizisten suchen im Schulhaus einen etwa 14-Jährigen mit Pistole, den eine Zeugin gegen 7.40 Uhr gesehen habe will.

Erst nach einer ersten Durchsuchungsaktion ohne Ergebnis dürfen die Schüler ihre Klassenzimmer und das Gebäude verlassen. Nach einem Zwischenstopp in einer Turnhalle wird Aurelia von ihrer Mutter abgeholt, die wie viele andere besorgte Eltern seit Stunden vor der Schule gewartet hat. Wie fühlt sich das Mädchen? „Sie ist sehr erschrocken“, sagt Mutter Adelia über die Elfjährige, die nun erst einmal entspannen will. Das Schulgebäude wird zu der Zeit noch weiter unter die Lupe genommen. Wie sich später herausstellt, ohne Ergebnis.

Eine 34-jährige Ludwigshafenerin hatte nach Angaben von Polizeisprecherin Sandra Giertzsch am Morgen berichtet, dass sie einen etwa 14-Jährigen, „der eine Pistole in der Hand hielt“, auf einer Straße in Richtung Schulzentrum habe gehen sehen. Man nehme alle Hinweise ernst, sagt Giertzsch. Die Polizei mache dann eine Plausibilitätsprüfung, überlege also, ob etwas gegen diese Information spreche. Das sei hier aber nicht der Fall gewesen. Denn es habe keinen Grund zur Annahme gegeben, dass die Angaben nicht wahr sein könnten.



Dann läuft nach Angaben von Schulleiter Oliver Hornickel das Notfallprogramm ab. Die Klassen schließen sich in ihren Zimmern ein. „Es hat alles geklappt“, berichtet Hornickel, der Leiter der Karolina-Burger-Realschule plus im Stadtteil Mundenheim, später. „Wir waren gut vorbereitet.“ Betroffen ist neben der Realschule auch das angrenzende Heinrich-Böll-Gymnasium. Die Polizei sperrt die Straße, in der die Schulen liegen. Dann durchsuchen Spezialkräfte mit olivfarbenen Helmen und kugelsicheren Westen die Gebäude.

Vor der Schule finden sich besorgte Eltern ein, von denen sich einige an Vorfälle in den USA erinnert fühlen. Zudem Schüler, die erst später Unterricht haben und nun nicht in das gesperrte Gebäude kommen. Sie stehen mit ihren Kameraden drinnen in Kontakt. Der 16-jährige Zehntklässler Kevin zeigt das Foto einer mit Stühlen und Tischen von innen verbarrikadierten Klassenzimmertür. Ein Schulkamerad im Gebäude hat es in eine Whatsapp-Gruppe gestellt. Und was berichten die Kameraden? „Dass es bis jetzt gut geht“, sagt Kevin. Es sei nichts passiert, und die Lehrer beruhigten sie.

Aurelia bestätigt das später. „Wir haben im Klassenzimmer Spiele gespielt und gesungen“, sagt sie. Man habe ihnen einfach gesagt, dass sie die Ruhe bewahren sollten. Was passiert sei, hätten sie nicht erfahren. Die Stimmung sei „eigentlich normal“ gewesen, so die Elfjährige. „Es war keine Massenpanik.“ Wer auf die Toilette hätte gehen müssen, hätte den Mülleimer benutzen müssen. „Es hat aber jeder ausgehalten“, sagt Aurelia.

Dem 14-Jährigen Mazlum ging es nach eigenen Angaben während der Zeit im Klassenzimmer „schlecht“. Es sei einfach langweilig gewesen, sagt er. Und hatten welche Angst? „Manche ja, manche nicht.“ Unterricht wurde nach seinen Worten nicht gemacht. „Wir haben einfach gewartet, bis die uns rausließen.“

Als die Spezialkräfte sichergestellt haben, dass die Flure leer sind, werden die Schüler ins Freie und über eine Straßenbrücke in die nahe Turnhalle gelotst. 30 Klassen von der Realschule plus und 30 vom Gymnasium – das dauert. Vor der Halle stehen viele Eltern, die ihre Kinder abholen wollen. In der Halle prüft die Polizei laut Giertzsch, ob es unter den Schülern Zeugen gibt, und, „was viel wichtiger ist“: Ob es Schüler gibt, die noch Betreuung brauchen. Erst dann können die Kinder zu ihren Eltern. Einige Eltern haben zuvor kritisiert, dass sie keine Informationen erhielten. Aurelias Mutter ist mit dem Ablauf des Einsatzes aber sehr zufrieden. „Von mir: großes Lob“, sagt sie.