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Landgericht Zweibrücken
Pirmasenser Drogendealer muss über vier Jahre ins Gefängnis

 Der 46-Jährige hatte unter anderem mit Cannabis (Symbolbild) gehandelt.
Der 46-Jährige hatte unter anderem mit Cannabis (Symbolbild) gehandelt. FOTO: AP / Steven Senne
Zweibrücken/Pirmasens. Das Landgericht Zweibrücken hat einen 46-Jährigen am Dienstag wegen bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verurteilt. Von Rainer Ulm

Ein Pirmasenser Drogenabhängiger ist am Dienstag vom Landgericht Zweibrücken zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten Haft wegen Besitzes und bewaffneten unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verurteilt worden. Zudem ordnete die Große Strafkammer die Unterbringung des 46-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an.

Der Mann war im Juli festgenommen worden, nachdem Polizisten während einer Personenkontrolle im April in seinem Rucksack Haschisch und andere Drogen, eine größere Summe Bargeld und ein Einhandmesser – das vor allem im Zusammenhang mit illegalem Drogenhandel als Waffe gewertet wird – gefunden hatten. Zwischenzeitlich galt der 46-Jährige, der nach einem Brand in der Pirmasenser Obdachlosenunterkunft auf der Straße lebte, wochenlang als unauffindbar.

Während der Hauptverhandlung räumte der Angeklagte ein, seit seinem 14. Lebensjahr Drogen zu konsumieren – zunächst Cannabis und Marihuana, dann Partydrogen und schließlich Heroin. Seit vier Wochen sei er während der Untersuchungshaft ins Methadon-Programm aufgenommen worden. Dabei wird Heroin durch ein künstliches Mittel ersetzt. Ohnehin war sein ganzes Leben von Drogen geprägt – auch sein langes Vorstrafenregister. Diverse Diebstähle – vom Zigaretten- bis zum Handtaschenklau – beging er quasi im Rausch. Und immer wieder wurde er einschlägig verurteilt – mehrmals wegen unerlaubten Erwerbs, Besitzes und Anbau von Betäubungsmitteln.



Die Psychiater Sergiy Davydenko von der Mainzer Universitätsklinik attestierte dem 46-Jährigen in seinem Gerichtsgutachten eine schwere Suchterkrankung – „trotz mehrerer Therapien“. Das Risiko sei sehr hoch, dass er wieder straffällig wird, wenn jetzt nichts dagegen getan werde. Deshalb empfahl der Mediziner eine zweijährige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Dem schloss sich Staatsanwalt Christian Heinekamp in seinem Plädoyer an. Er sprach von einer „hohen Rückfallgeschwindigkeit“, die das bisherige kriminelle Leben des Pirmasensers geprägt habe. Gleichwohl handele es sich bei ihm nur um einen „kleinen Drogendealer“, der Haschisch mit einer sehr kleinen Gewinnspanne weiterverkaufte, „um irgendwie über die Runden zu kommen“. Er sei „kein Schwerverbrecher“, aber auch nicht belehrbar, wie die Vergangenheit gezeigt habe. Heinekamp forderte in seinem Schlussvortrag eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten.

Der Pirmasenser Rechtsanwalt Christian Zinzow als Verteidiger bat das Gericht um „ein mildes Urteil“ für seinen Mandanten, der „zwei Jahre in der Obdachlosigkeit gelebt“ habe. Das bei ihm gefundene Messer habe er nur zum Zerkleinern von Lebensmitteln dabeigehabt: „Er hat ja keine Zähne im Mund.“ In der Drogenszene könne das im Übrigen beschädigte Messer gar nicht als Waffe eingesetzt werden.

Das sah die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas anders: „An der ganzen Geschichte ist nicht zu rütteln. Das Messer war im Rucksack. Und damit kann man sich verteidigen. Er (der Angeklagte) war ja oft allein draußen unterwegs.“ Sie hielt dem 46-Jährigen aber unter anderem zugute, dass er mit „wenig Professionalität“ vorgegangen sei und nur wenig Gewinn mit seinem Drogenhandel erzielt hätte. In ihrer Urteilsbegründung appellierte sie an den Pirmasenser: „Ich hoffe, dass Sie das (die Entziehungs-Therapie) durchstehen. Bleiben Sie dran!“

Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichteten unmittelbar nach dem Richterspruch darauf, Rechtsmittel einzulegen. Deshalb war das Urteil sofort rechtskräftig.