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Verdacht gegen Pfleger
Fall um Kliniktote in Völklingen zieht Kreise

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Symbolfoto: dpa FOTO: dpa / Friso Gentsch
Völklingen. Es gab früh Hinweise auf Pfleger Daniel B., der Patienten getötet haben soll. Ermittelt wird jetzt auch in Hessen. Von Michael Jungmann

Im Fall des 27 Jahre alten Intensivpflegers Daniel B., gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Mordes an fünf schwerkranken Patienten und wegen zweifachen Mordversuchs in Völklingen ermittelt, sind weitere Fakten bekannt geworden. So kam der Beschuldigte seinen früheren Arbeitskollegen in der Völklinger SHG-Klinik „suspekt“ vor. Nach Angaben von SHG-Pressesprecher Fred Eric Schmitt haben Mitarbeiter der Intensivstation ihren Vorgesetzten mitgeteilt, dass B. Patienten als reanimationspflichtig gemeldet habe, die bis dahin als „stabil“ galten. B., der an der Klinik eine Ausbildung absolviert hatte und dort von Januar 2015 bis Ende März 2016 als Intensivpfleger beschäftigt war, hatte Zugang zum Medikamentenschrank. Im März 2016 fiel laut Schmitt auf, dass eine Packung des Herzmedikaments Gilurytmal fehlte. Der Vorfall blieb ungeklärt. Die Klinik informierte die Ermittlungsbehörden nicht über die Auffälligkeiten des Pflegers – auch nicht, als die Stationskasse verschwunden war. Interne Untersuchungen ergaben angeblich keine Anhaltspunkte für eine Anzeige. Gekündigt wurde B. am Ende wegen „illoyalem Verhalten“. Nach einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht erhielt B. ein Zeugnis. Note: „befriedigend“.

Damit fand B. ab 1. Mai 2016 am Universitätsklinikum in Homburg schnell eine neue Stelle. Einen Austausch über seine Auffälligkeiten gab es zwischen den Kliniken offenbar nicht. Nach sechs Wochen verlor B. die Stelle wieder. Ein aufmerksamer Arzt schlug nach Informationen unserer Zeitung Alarm. So soll B. einer Intensivpatientin ohne Anordnung Schlafmittel gegeben haben. Ermittlungen wegen Körperverletzung waren die Folge. Ob B. in Homburg mit Todesfällen zu tun hatte, kann wohl nicht mehr geklärt werden. Die im Frühjahr 2016 dort verstorbenen Patienten wurden angeblich alle eingeäschert.

B., gegen den jetzt auch in Hessen ermittelt wird, sitzt derzeit wegen Betrugs eine dreijährige Haftstrafe in der JVA Saarbrücken ab.