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Niedrigwasser auf dem Rhein
Fährbetreiber müssen baggern, Tanker fährt sich fest

Ein Schiff fährt bei Lorchhausen durch die stark verengte Fahrrinne des Rhein, während das extreme Niedrigwasser des Flusses im Hintergrund eine riesige Sandbank freigelegt hat.
Ein Schiff fährt bei Lorchhausen durch die stark verengte Fahrrinne des Rhein, während das extreme Niedrigwasser des Flusses im Hintergrund eine riesige Sandbank freigelegt hat. FOTO: dpa / Boris Roessler
Ingelheim/Oestrich-Winkel. Das Rhein-Niedrigwasser bringt den Fährbetreibern Mehrkosten. Für einen Tanker mit Salpetersäure wird es zum Problem.

Der anhaltend niedrige Wasserstand des Rheins bereitet Fährbetreibern Probleme und verursacht erhebliche Kosten. Um den Betrieb der Schiffe aufrechtzuerhalten, musste mancherorts schon gebaggert werden, um noch genug Wasser unter dem Kiel zu haben. „Es ist extrem trocken“, sagte Michael Maul, Betreiber der Fähre zwischen dem rheinhessischen Ingelheim und Oestrich-Winkel im Rheingau. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 sei es nicht so katastrophal gewesen. „Wir beobachten das mit großer Sorge.“

Im vergangenen Jahr sei großflächig mit einem Baggerschiff gearbeitet worden, in diesem Jahr habe er vor einigen Wochen erstmals einen Schreit-Bagger eingesetzt. Solche Geräte sind besonders für den Einsatz auf sandigem Grund geeignet und haben vier bewegliche Beine mit Rädern an den Enden. Möglicherweise müsse der Schreit-Bagger in den kommenden Wochen nochmal angefordert werden, sagte Maul. Doch das koste Geld. Im vergangenen Jahr habe das bestellte Baggerschiff 40 000 Euro gekostet. „Das ist schon erheblich.“ Sollte in den kommenden Jahren immer wieder gebaggert werden müssen, wisse er nicht, wie das zu stemmen sei.

Auch an der Mittelrhein-Fähre zwischen Niederheimbach im Kreis Mainz-Bingen und Lorch im Rheingau-Taunus-Kreis musste schon der Bagger anrücken – das war Anfang August, wie Betreiber Michael Schnaas sagte. „Es wurde fast bis auf den Felsgrund gebaggert.“ Die niedrigen Wasserstände würden immer häufiger und hielten länger an. „Das ist fast schon zur Gewohnheit geworden.“ Problematisch seien von der Wassertiefe her gar nicht mal die Zonen rund ums Ufer und die Anleger. Auf seiner Strecke setze sich beispielsweise 250 Meter vom Ufer entfernt im Strömungsschatten einer Insel stets Sand ab.



Auch Albert Kraft von der Rheinfähre Landskrone zwischen Nierstein im Kreis Mainz-Bingen und dem südhessischen Kornsand nennt die Situation in diesem Jahr extrem. Hier war ein Bagger vor etwa vier Wochen aktiv, fast auf der halben Strecke musste vertieft werden.

Die Fährgemeinschaft Kaub mit der Verbindung zwischen Kaub im Rhein-Lahn-Kreis und Engelsburg auf der linksrheinischen Seite meldete noch 70 Zentimeter Wasser unter dem Antrieb. „Man sieht den Boden bei der Fahrt“, berichtete Betreiber Andre Kimpel. 40-Tonnen-Lastwagen könnten nicht mehr mitgenommen werden, sonst gebe es aber keine Einschränkungen.

Beim Niedrigwasser 2003 sei der Antrieb bei der Kollision mit einem Stein kaputtgegangen, sagte Kimpel. Das habe 25 000 Euro gekostet. Anders als die Binnenschifffahrt drumherum seien die Fähren nicht in der Fahrrinne mit einer gewissen garantierten Wassertiefe unterwegs. Daher müsse gegebenenfalls auf eigene Rechnung ein Bagger bestellt werden. Nötig sei mal wieder ein mehrtägiger Landregen.

Doch auch die Binnenschifffahrt hat Probleme: Gestern Morgen fuhr ein mit Salpetersäure beladener Tanker in der Nähe der Loreley bei St. Goar auf Felsen. Der Rhein musste für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Erst nach vier Stunden konnten die rund 20 Containerschiffe, die sich an der Unfallstelle gestaut hatten, ihre Fahrt fortsetzen.

Unfallursache war nach Angaben der Wasserschutzpolizei ein „Fahrfehler bei Niedrigwasser“. Glücklicherweise sei bei dem Unfall weder Ladung ausgetreten noch Wasser in das Schiff eingedrungen. Auch Verletzte habe es nicht gegeben. „Es ist noch einmal alles gut gegangen“, sagte eine Sprecherin.

Entspannter ist die Situation an der Fähre zwischen Bad Breisig im Kreis Ahrweiler und Bad Hönningen im Kreis Neuwied im Norden – auch weil hier eine Flachwasserfähre verkehrt, die deutlich weniger Tiefgang als herkömmliche Fähren benötigt. Baggern sei noch nicht nötig gewesen, erzählte Rita Hirzmann, Geschäftsführerin des Fährbetriebs Hirzmann. Auf beiden Rheinseiten würden derzeit andere Rampen als sonst genutzt, das sei aber schon die einzige Änderung. „Und wenn der liebe Gott ein Einsehen hat, regnet es auch bald wieder.“