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Rheinland-Pfalz
Neue Gedenkstätte für im Dienst getötete Polizisten

Zehn Basaltblöcke zum Sitzen und Innehalten umringen eine drei Meter hohe Stele mit 45 Bronzetäfelchen mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen der getöteten Polizisten.
Zehn Basaltblöcke zum Sitzen und Innehalten umringen eine drei Meter hohe Stele mit 45 Bronzetäfelchen mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen der getöteten Polizisten. FOTO: dpa / Thomas Frey
Büchenbeuren. Eine Erinnerungsstätte in Rheinland-Pfalz listet die Namen von 45 getöteten Polizisten seit dem Krieg auf. Sie wurden Opfer kaltblütiger Taten oder tragischer Unfälle. Von Jens Albes

2010 erschießt ein Rocker in Anhausen im Kreis Neuwied durch seine Haustür einen Elitepolizisten. Dieser ist das letzte Opfer unter den 45 Namen der neuen Gedenkstätte für die im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz. Innenminister Roger Lewentz (SPD) übergibt die Basaltstele bei der Hochschule der Polizei (HdP) neben dem Hunsrück-Flughafen an diesem Freitag ihrer Bestimmung. Frank, ein Polizist, der seinen Nachnamen nicht nennen will, sagt neben der Gedenkstätte: „Rund 350 Gäste werden erwartet, darunter viele Angehörige. Das wird wohl recht emotional werden.“

Der ehemalige Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Ernst Scharbach, sagt, die GdP habe schon nach dem tödlichen Schuss von Anhausen vor achteinhalb Jahren die Gestaltung einer Gedenkstätte angeregt. „Man hat verschiedene Orte überlegt, zum Beispiel auch vor dem Polizeipräsidium in Mainz, und sich dann für die Hochschule entschieden.“

Die Projektleiterin für die Gedenkstätte, Cornelia Blesius, betont: „Das ist hier die zentrale Einrichtung der Polizei in Rheinland-Pfalz. Jeder Polizist beginnt hier seine Ausbildung und kommt zu Fortbildungen zurück.“ Es gehe nicht um Heldenverehrung, sondern um die Erinnerung an jedes tödliche Schicksal.



Die Gedenkstätte befindet sich vor dem Tagungszentrum der HdP. Nahe einem Baum umringen zehn Basaltblöcke zum Sitzen und Innehalten eine drei Meter hohe Basaltstele mit 45 Bronzetäfelchen mit den Namen sowie Geburts- und Todestagen der getöteten Polizisten. Unten finden sich die Daten des Todesopfers von Anhausen, ganz oben diejenigen des frühesten Todesfalls eines Polizisten im heutigen Rheinland-Pfalz – er ist 1945 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gestorben. „Seitdem sind nur Männer ums Leben gekommen, keine Frau“, berichtet Blesius.

Scharbach blickt auf 43 Dienstjahre zurück. In der Schweiz hat er vor Jahren eine ähnliche Erinnerungsstätte gesehen: „Andere Länder gedenken sehr viel mehr ihrer getöteten Polizisten und Soldaten. Deshalb ist es gut, dass wir nun auch so eine Gedenkstätte haben.“

Vorangegangen ist ein Projekt mit 35 HdP-Studenten. Dessen Leiterin Blesius erzählt: „Die Studierenden haben Akten ausgewertet und in Archiven gestöbert.“ Im Tagungszentrum der HdP lassen sich nun auf Bildschirmen Kurz-Biografien der 45 Todesopfer lesen. „Die Studierenden haben dabei Wichtiges gelernt“, meint Blesius.

Sie spricht von „ganz vielen tragischen Fällen“. Dazu zählen Polizisten, die beispielsweise bei einer Verkehrskontrolle von einem Auto tödlich erfasst worden sind. Oder Polizeibeamte, die bei einer Verfolgungsjagd ums Leben gekommen sind. Und auch der Kollege, der laut Blesius 1971 in Kaiserslautern „kaltblütig von der Baader-Meinhof-Bande erschossen worden ist“.

Dieser Fall hat genauso wie der tödliche Schuss in Anhausen 2010 die rheinland-pfälzische Polizei besonders aufgewühlt. Ihr Beruf ist und bleibt gefährlich. Scharbach sagt: „Da, wo andere weglaufen, müssen wir hinfahren.“ Er erinnert sich an eine Festnahme, bei der der Beschuldigte im Mainzer Polizeipräsidium plötzlich mit einem im Gürtel versteckten Messer auf einen jungen Polizisten eingestochen habe: „Er lag vor seinem Tod noch jahrelang im Koma. Sein Vater ist nie darüber hinweggekommen.“

Der Todesschütze von Anhausen, damals Präsident eines Hells-Angels-Vereins, ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hat diese Strafe aufgehoben mit dem Hinweis auf irrtümliche Notwehr, denn der „Höllenengel“ habe einen Angriff verfeindeter Rocker befürchtet.

In einem späteren Koblenzer Hells-Angels-Prozess um Revierkämpfe mit Körperverletzung, räuberischer Erpressung und unerlaubten Waffenbesitz hat der Todesschütze im Juni 2018 eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten bekommen. Diese ist nach aktueller Auskunft der Staatsanwaltschaft allerdings noch nicht rechtskräftig.

Ganz unten an der Stele ist ein Zitat des libanesisch-amerikanischen Dichters und Philosophen Khalil Gibran angebracht.
Ganz unten an der Stele ist ein Zitat des libanesisch-amerikanischen Dichters und Philosophen Khalil Gibran angebracht. FOTO: dpa / Thomas Frey