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Mann muss alle priesterlichen Tätigkeiten ruhen lassen
Missbrauchsverdacht: Bistum Mainz ermittelt gegen Ruhestands-Priester

Mainz/Trier. Die Bistümer stellen den Staatsanwaltschaften Listen aus ihrer Missbrauchsstudie mit Verdachtsfällen von Klerikern sowie von Laien-Beschäftigten zur Verfügung.

Wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger hat das Bistum Mainz ein kirchliches Vorermittlungsverfahren gegen einen Priester im Ruhestand eröffnet. Der Mann, der im Bistum Trier wohnt, müsse nun alle priesterlichen Tätigkeiten ruhen lassen und sich von Kindern und Jugendlichen fernhalten, teilte das Bistum Trier mit. Der Vorwurf beziehe sich auf einen Vorgang, der mehr als 30 Jahre zurückliege und strafrechtlich verjährt sei.

Der Sachverhalt sei 2010 bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden, zu strafrechtlichen Ermittlungen sei es wegen der Verjährung aber letztendlich nicht gekommen. Ein kirchliches Vorermittlungsverfahren sei damals nicht eröffnet worden, sagte der Sprecher des Bistums Mainz. Dies sei bei der Aufarbeitung der Personalakten nach der wissenschaftlichen Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche (MHG-Studie) festgestellt worden. „Das wird jetzt quasi nachgeholt“, erläuterte der Sprecher.

Es sei im Bistum Mainz der erste Fall einer solchen kircheninternen Untersuchung, die bei der Aufarbeitung nach der im September vergangenen Jahres vorgestellten Studie eingeleitet wurde. Am Ende solcher Ermittlungen kann ein Priester im schlimmsten Fall aus dem Klerikerstand entlassen werden. Das Bistum Mainz liegt zu etwa zwei Dritteln in Hessen, rund ein Drittel davon gehört zu Rheinland-Pfalz.



Derweil lässt die Koblenzer Generalstaatsanwaltschaft Missbrauchs-Verdachtsfälle aus den Teilen der Bistümer Trier, Mainz, Köln und Limburg prüfen, die in ihrem Bezirk liegen. Darüber hatte zuvor der „Trierische Volksfreund“ berichtet. Vorab seien Gespräche mit allen Generalvikariaten geführt worden, sagte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer am Donnerstagabend. Diese seien abgeschlossen, und die Bistümer hätten Listen mit Verdachtsfällen aus der MHG-Studie sowie von Laien-Beschäftigen zur Verfügung gestellt. Diese würden nun von den örtlichen zuständigen Staatsanwaltschaften angeschaut.

Die meisten Fälle seien aber ohnehin bekannt, sagte Brauer. Er rechne nicht mit vielen Verfahren. Entsprechendes unternehme auch die Generalstaatsanwaltschaft Zweibrücken für die pfälzischen Gebiete des Bistums Speyer und die Generalstaatsanwaltschaft Saarbrücken für die im Saarland liegenden Teile der Bistümer Speyer und Trier.