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Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Geisterfahrerin

Dieses Warnschild an einer Autobahnabfahrt, das Autofahrer vom falschen Auffahren auf die Autobahn abhalten soll, hätte die absichtliche Geisterfahrt der 56-Jährigen wohl auch nicht verhindern können. Foto: Armin Weigel/dpa
Dieses Warnschild an einer Autobahnabfahrt, das Autofahrer vom falschen Auffahren auf die Autobahn abhalten soll, hätte die absichtliche Geisterfahrt der 56-Jährigen wohl auch nicht verhindern können. Foto: Armin Weigel/dpa FOTO: Armin Weigel/dpa
Mainz. Stimmen in ihrem Kopf befehlen ihr, sich umzubringen. Daraufhin fährt eine Frau falsch auf die Autobahn auf und prallt mit einem Lkw zusammen. Der Richter sieht Gründe für Milde in seinem Urteil. Agentur

Nach einer absichtlichen Geisterfahrt auf der Autobahn A 63 bei Mainz ist die Fahrerin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Mainzer Landgericht befand sie am Freitag des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung und der absichtlichen Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Die 56-Jährige, die nach eigenen Angaben unter Depressionen leidet, soll im September 2014 nachts in falscher Richtung auf die Autobahn bei Mainz gefahren sein, um sich umzubringen. Sie war mit einem Lkw zusammen gestoßen. Der Fahrer erlitt nur eine Knieprellung.

Die Falschfahrerin habe in Kauf genommen, dass bei ihrem Suizidversuch auch jemand anderes stirbt, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. Geisterfahrten gehörten "deutlich und schwer bestraft". In dem Fall der 56-Jährigen falle die Strafe wegen ihrer psychischen Erkrankung und weil sie ehrliche Reue zeigte, etwas milder aus. "Die Kammer ist überzeugt, dass es zu so einer Tat nicht mehr kommen wird", sagte der Richter.

Die Bewährung ist an die Vorgaben geknüpft, dass die Verurteilte in den nächsten drei Jahren alle zwei Wochen zur Psychotherapie geht und regelmäßig mit einer Blutspiegelkontrolle nachweist, dass sie die ihr verschriebenen Medikamente einnimmt. In der Woche vor der Geisterfahrt hatte sie ihre Medikamente eigenmächtig abgesetzt. Das sei ein gravierender Fehler gewesen, hatte sie in der Auftaktverhandlung gesagt. Zudem wurde der Frau die Fahrerlaubnis entzogen. Noch im Gericht gab sie ihren Führerschein ab.

Am Tag vor der Geisterfahrt hatte die Verurteilte nach eigenen Aussagen erstmals Stimmen gehört: Sie solle ihren Mann töten. Später hätten die Stimmen verlangt, sich selbst zu töten. Sie sei in Panik geraten und habe sich ins Auto gesetzt, sagte die Frau vor dem Landgericht. Der geschädigte Lkw-Fahrer sagte als Zeuge aus, er habe zweimal vergeblich versucht, den entgegenkommenden Scheinwerfern auszuweichen: "Die Lichter sind mir gefolgt." Er habe den Eindruck eines gesuchten Frontalzusammenstoßes bekommen. Die Verurteilte gab an, eine Kollision habe sie trotz ihrer Selbstmordgedanken nicht bewusst gewollt, sondern panisch gehandelt.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung hatten die verhängte Strafe gegen die 56-Jährige gefordert.