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Zas-Plan: Müllofen selbst betreiben

 Das Müllheizkraftwerk Fehrbach. Im vergangenen Jahr wurden dort 178 000 Tonnen Müll verbrannt. Über den Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz (Zas) ist auch die Stadt Zweibrücken an dem Fehrbacher Müllofen beteiligt. Foto: pma/Scharf
Das Müllheizkraftwerk Fehrbach. Im vergangenen Jahr wurden dort 178 000 Tonnen Müll verbrannt. Über den Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz (Zas) ist auch die Stadt Zweibrücken an dem Fehrbacher Müllofen beteiligt. Foto: pma/Scharf FOTO: pma/Scharf
Zweibrücken/Pirmasens. Komplexe Herausforderungen kommen auf den neuen Geschäftsführer beim Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz (Zas), Thomas Linnert, zu: So wird der Verband ab 2024 das Müllheizkraftwerk Fehrbach betreiben. Franz Pioth

Thomas Linnert übernimmt zum 1. Mai den Posten des Geschäftsführers beim Zweckverband Abfallverwertung Südwestpfalz (Zas) von Norbert Schnauber, der mit 67 in den Ruhestand geht. Zas-Vorsteher Bernhard Matheis (CDU ), Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens, stellte den Chemiker aus Landau jetzt vor. Die Verbandsversammlung hat, wie berichtet, der Personalie bereits einhellig zugestimmt.

Matheis sprach von einer "bedeutenden Position". Das heißt: Auf den 56 Jahre alten Linnert, der sich in seinen bisherigen beruflichen Karriere ausschließlich mit Sondermüll befasst hat, kommen komplexe Herausforderungen zu. Nach Angaben von Matheis geht es vor allem darum, wie sich der Zweckverband längerfristig aufstellt. Nach den laufenden Verträgen übernimmt der Zas zum 1. Januar 2024 die Fehrbacher Müllverbrennungsanlage. Dafür zahlt er an den derzeitigen Eigentümer, die MHKW Pirmasens Abfallbehandlungs GmbH & Co. KG mit Sitz in Pullach, von 2012 bis Ende 2023 jährlich gut 13 Millionen Euro zuzüglich Umsatzsteuer. Unterm Strich also ein Nettokaufpreis von 160 Millionen Euro. Auch der Vertrag mit dem Betriebsführer, der Energy from Waste (Saarbrücken) läuft Ende 2023 aus.

Matheis und Schnauber bestätigten, dass es im Zas ernsthafte Überlegungen gibt, die Anlage in Fehrbach "sobald als möglich" und dann eventuell auch gleich die Betriebsführerschaft zu übernehmen. Die Verantwortlichen versprechen sich dadurch niedrigere Verbrennungskosten und damit auch eine Entlastung der Bürger bei den Müllgebühren. Die geltenden Verträge mit den beiden Partnern seien aber "sehr, sehr komplex" und entsprechend anspruchsvoll auch die laufenden Verhandlungen, sagte Oberbürgermeister Matheis zu der Thematik. Aus taktischen Gründen wollten die drei Gesprächspartner nicht tiefer in die Materie einsteigen. Als Entscheidungshilfe hat das Weinheimer Fachbüros Horix im Auftrag des Zas eine Wirtschaftlichkeitsstudie vorgelegt. Auch diese wird unter Verschluss gehalten.

Thomas Linnert, der einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, geht davon aus, dass wegen der Wiederverwertung in den nächsten Jahren die Restmüllmenge aus dem Zas-Gebiet von derzeit 60 000 auf etwa 50 000 Tonnen im Jahr zurückgehen wird. Kurzfristig gebe es keine Probleme, die Anlage mit einer Kapazität von 180 000 Tonnen mit Müll von Dritten auszulasten. Derzeit könnten am Markt sogar leicht höhere Verbrennungspreise durchgesetzt werden. Die Einbußen aus dem Zas-Gebiet könnten damit aber nicht ausgeglichen werden.

Matheis betonte in diesem Zusammenhang, dass auch Fremdmüll nicht unter den Kosten verbrannt und immer ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet werde. Er verwies auch auf die sehr hohen Umweltstandards des Fehrbacher Müllofens. Nach 16 Jahren Betrieb liefere die Anlage noch immer top Abgaswerte. Dies koste aber auch mehr Geld. Das Müllheizkraftwerke stehe in Konkurrenz mit Anlagen, die diesen hohen Standard und damit den Kostendruck nicht hätten. Sie könnten Müll deshalb günstiger, aber weniger umweltfreundlich verbrennen, merkte er mit kritischem Blick in Richtung des Gesetzgebers an.

Nach Angaben von Schnauber wird die neu gebaute Klärschlammtrocknung der SD Südwest wie vertraglich festgelegt bald mit Wärme aus dem Müllheizkraftwerk versorgt. Der Ende April ausscheidende Geschäftsführer sieht wegen der ausgelasteten Kapazitäten keine Notwendigkeit, getrockneten Klärschlamm zu verbrennen. "Auf absehbare Zeit sind wir nicht darauf angewiesen". Der Sitz des Zas bleibt im Banana-Building und Thomas Linnert in Landau wohnen. Er werde auf der B 10 pendeln, kündigte der 56-Jährige an. Sein früherer Arbeitgeber Remondis steht in geschäftlichen Beziehungen zum Zas.

Schnauber und er haben sich vor Jahren kennengelernt, als Linnert noch bei Südmüll in Heßheim bei Frankenthal arbeitete.

Zum Thema:

Stichwort Zum Zas gehören die Städte Pirmasens, Zweibrücken, Landau sowie die Kreise Südwestpfalz, Südliche Weinstraße und Germersheim. Diese Gebietskörperschaften verbrennen ihren Restmüll im Fehrbacher Müllheizkraftwerk. Um die Anlage, die für eine jährliche Kapazität von 180 000 Tonnen ausgelegt ist, auszulasten, wird Müll von weiteren Gebietskörperschaften und von gewerblichen Anlieferern verbrannt. Der Zas kann hier aber bei weitem nicht die Preise wie bei seinen Verbandsmitgliedern, die 288 Euro pro Tonne bezahlen, durchsetzen. Im vergangenen Jahr verbrannte die EEW als Betriebsführer 178 000 Tonnen Müll. Es wurde Strom für den Bedarf von 22 600 Haushalten und Fernwärme für 1 150 Haushalte ins Netz eingespeist. pio