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Wie Kellerfunde zu Geld werden

Antoine Richard versteht nicht nur etwas von antiken Spiegeln. Foto: Fredrik von Erichsen dpa
Antoine Richard versteht nicht nur etwas von antiken Spiegeln. Foto: Fredrik von Erichsen dpa
Mainz. Angefangen hat alles mit einem alten Ofen. Das Team vom RTL II-"Trödeltrupp" stand eines Tages im Hof von Antiquitätenhändler Antoine Richard in Mainz und wollte ihm das Teil verkaufen. "Den Ofen habe ich nicht genommen - aber ein paar Wochen später hat RTL II angerufen und gefragt, ob ich als Experte beim Trödeltrupp mitmachen will", sagt der 33-Jährige Von dpa-Mitarbeiterin Andrea Löbbecke

Mainz. Angefangen hat alles mit einem alten Ofen. Das Team vom RTL II-"Trödeltrupp" stand eines Tages im Hof von Antiquitätenhändler Antoine Richard in Mainz und wollte ihm das Teil verkaufen. "Den Ofen habe ich nicht genommen - aber ein paar Wochen später hat RTL II angerufen und gefragt, ob ich als Experte beim Trödeltrupp mitmachen will", sagt der 33-Jährige. Für knapp 30 Sendungen hat er inzwischen Familien geholfen, ihre Keller und Dachboden auszumisten, Trödel zu Geld zu machen.Antoine Richard ist jedoch nicht nur Fernsehexperte und Antiquitätenhändler: Den angehenden Diplom-Psychologen kann man auch als DJ engagieren, 2008 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. Eine Karriere beim Fernsehen - das kann sich der Mainzer mit französischen Wurzeln schon vorstellen. "Aber nicht mit irgendwas, nicht beim Dschungelcamp", sagt er. Sein Traum-Format wäre eine Sendung, wo er seine psychologischen Fachkenntnisse einbringen kann.

Richard ist im Antiquitätenladen seines Vaters großgeworden, schon mit 18 Jahren stieg er ins Geschäft ein. Verkaufen, Handeln, Kundengespräche: Dies soll auch Thema seiner Abschlussarbeit in Psychologie werden. Geplant sei eine Studie, wie Menschen in Verkaufsverhandlungen auf die Preisgestaltung reagieren, erzählt er in seinem Laden "La Belle Epoque" am Rheinufer. Unter der Gewölbedecke des ehemaligen Weinlagers warten unter anderem alte Schränke und Tische, Spiegel und Kommoden auf Käufer.

Beim "Trödeltrupp" ist neben Expertenwissen auch die psychologische Erfahrung von Richard gefragt. "Oft sind das traurige Schicksale, Menschen, die gerade einen nahen Angehörigen verloren haben", erzählt er. Bei einer Folge sei er mit der ganzen Familie zum Friedhof gefahren, damit alle gemeinsam am Grab des Opas nochmal Abschied nehmen konnten - begleitet von der Kamera. "Dies war sicherlich keine einfache Situation, aber der Familie hat es gut getan." Es sei ihr dann leichter gefallen, sich vom Hausrat des Opas zu trennen und ins geerbte Haus einzuziehen. "Wir haben bis heute Kontakt", sagt der 33-Jährige.



Trödelsendungen und andere sogenannte Doku-Soaps funktionierten deshalb so gut im Fernsehen, weil mehrere medienpsychologische Mechanismen greifen, sagt Professor Leonard Reinecke vom Institut für Publizistik an der Uni Mainz. Etwa der Servicegedanke: "Dem Zuschauer wird vermittelt, wie er seinen eigenen Trödel loswird und was er dafür bekommen könnte." Zweitens entwickelten diese Formate auch immer eine "Beziehungsebene". Es werden Charaktere gezeigt, die der Zuschauer mag - oder eben nicht.

Der "Trödeltrupp" sei so erfolgreich, weil neben den Verkaufsgeschichten auch das Schicksal der Kandidaten erzählt wird, sagt Richard. Und weil immer mal eine schöne Überraschung passiert. Etwa, als ein Bildersammler den Mainzer Experten zu Hilfe ruft. Der Mann brauchte dringend Geld, denn er konnte das Grab seines Sohnes nicht bezahlen. "Bei dem ersten Blick auf die rund 300 Bilder dachte ich, oh je, nur Flohmarktkram", erzählt Richard. Dann entdeckte er in einer Ecke mehrere Lithographien japanischer Künstler aus den 1960er-Jahren. Die finanzielle Rettung für den Kandidaten - jedes Bild war zwischen mehreren hundert und tausend Euro wert.