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Martinshöhe ist nach St. Martin benannt
Hier ist Sankt Martin überall präsent

Über dem Eingang der Martinshöher Kirche prangt ein großes Standbild mit Sankt Martin, wie er mit dem Schwert seinen Mantel teilt.
Über dem Eingang der Martinshöher Kirche prangt ein großes Standbild mit Sankt Martin, wie er mit dem Schwert seinen Mantel teilt. FOTO: Norbert Schwarz
Martinshöhe. Der heilige Mantel-Teiler ist nicht nur Namensgeber von Martinshöhe. Diesen Samstag ist wieder Martinsumzug. Von Norbert Schwarz

Der Heilige Sankt Martin hoch zu Ross mit römischer Legionärsuniform, vor allem aber dem teilenden Schwert und dem wallenden roten Umhang – Kinder, die mit viel Hingabe und voller Inbrunst das bekannte Martinslied singen – das Spiel mit der Mantelteilung und Hingabe an den frierenden Bettler. Das alles wiederholt sich in diesen Tagen nicht allein in Kindergärten oder katholischen Einrichtungen. Völlig zu Recht, ist doch der Heilige Martin die Symbolfigur fürs Teilen schlechthin.

In Martinshöhe ist der Heilige Sankt Martin sogar Namensgeber. Kein Wunder, dass der Dorfpatron hier besonders geehrt und geachtet wird.

Über dem Eingang des dorfbildprägenden Gotteshauses, einem Wahrzeichen der Sickingerhöhe schlechthin, weil erhaben und aus allen vier Himmelsrichtungen gleichermaßen stattlich sichtbar zu erkennen, ist ein großes Standbild aus grauem Stein. Es zeigt den römischen Offizier, wie dieser mit dem Schwert seinen Mantel teilt.



Das Dorfwappen zeigt Sankt Martin, wie er den Mantel teilt. Der Vorname Martin, die alten Geburtenregister belegen es, ist in Martinshöhe verhältnismäßig oft für einen neugeborenen Jungen gewählt worden.

Die Musiker des örtlichen Blasorchesters tragen stolz den Namen „Blasorchester Sankt Martinus“ und dass der kommende Martinstag, der heuer auf einen Sonntag fällt, selbst noch in den Nachkriegsjahren ein dörflicher Festtag war, wissen doch noch viele Bürger. Alois Müller, Dorfchronist aus Leidenschaft, bewahrt dieserhalb so manchen Schatz auf. Zudem kann er sich selbst noch an manche Begebenheit erinnern, war doch sein Großvater Martin Klug einer von ihnen, der nicht allein den Vornamen Martin trug, sondern zudem eine große Vorliebe für die edlen Vierbeiner hatte und in den siebziger Jahren zu einem jener zählte, welche die Mechanisierung der Landwirtschaft in allen Phasen miterlebte. Das noch in den Nachkriegsjahren überwiegend landwirtschaftlich strukturierte Dorf hatte vielen Bauern mit zahlreichen stattlichen Gehöften, blickt Müller zurück. Die Arbeit ruhte am Martinstag. Festtagsessen gab es in jedem Haus. Nach dem Hochamt, das meist von gleich vier oder fünf Priestern zelebriert wurde, sei die Martinsgans als Festbraten auf viele Tische gekommen und ein Schauspiel nicht allein für die Kinder und Dorfjugend war am Nachmittag, gleich nach der Vesper, die Pferdesegnung. Dabei hätten die Landwirte ihre Ackergäule herausgeputzt und ums Gotteshaus zur Segnung geführt, 50 bis 60 Pferde seien das immer gewesen. Natürlich habe auch sein Großvater Martin Klug zu jenen gezählt, habe doch dieser für die Ortsgemeinde bis zum Errichten einer Leichenhalle in den 1970er Jahren stets den Leichenwagen kutschiert. Mit einem stattlichen Gespann davor brachte dieser hochrädrige Wagen die Toten vom Ort den Buchenweg hinunter auf den Friedhof.

Der Martinsumzug, den Martinshöhe vor allen anderen Orten in der Region einführte, ist übrigens ein Verdienst des inzwischen auch verstorbenen Ortsbürgermeisters Anton Schmidt.

Treffpunkt zum Martinsfeuer in Martinshöhe ist diesen Samstag um 16.30 Uhr an der Kirche, um 17 Uhr folgt der Gottesdienst, danach der Martinsumzug zum Schulhof, wo ein zweites Martinsfeuer gezündet wird.