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Interview Dr. med. Eckart Wetzel
Was bei dieser Hitze für Patienten gilt

Ein Notaufnahme-Leiter berichtet über seine Erfahrungen.

Wenn es – wie in dieser Woche – im Sommer zu extremer Hitze kommt, dann leiden darunter viele Menschen. Wie sieht es zum Beispiel mit Klinikpatienten oder allgemein gesundheitlich angeschlagenen Menschen aus? Fragen dazu beantwortet der Ärztliche Leiter des Zentrums für Notaufnahme (ZfN) im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Dr. Eckart Wetzel.

Herr Dr. Wetzel, gibt es aus ihrer Erfahrung heraus mehr Patienten bei großer Hitze?

Dr. ECKART WETZEL Was wir beobachten, ist, dass die Zahl der Patienten mit Volumenmangel, Herz-Kreislauf-Beschwerden (Schwindel, Kollaps, Herzrhythmusstörungen) bis hin zum Herzinfarkt in den vergangenen Tagen spürbar höher lag.



Welche Probleme haben die Patienten? Trifft es besonders ältere Menschen oder geht das quer durch die Bevölkerung?

WETZEL Senioren wie auch Kleinkinder sind durch die Hitze besonders gefährdet und stellen einen Großteil dieser durch die Hitzewirkung beeinträchtigten Patienten in unserer Notaufnahme dar. Menschen mit vorbekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben unter diesen besonderen klimatischen Bedingungen ein besonderes Risiko. Zudem gilt es bei der sommerlichen Hitze, mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten – insbesondere Blutdrucksenkern und Mitteln zur Behandlung einer Herzschwäche – zu berücksichtigen. Da es sich hierbei häufig um ältere Patienten handelt, sind diese besonders hoch gefährdet.

Was kann man tun, damit die Patienten die Hitze gut überstehen?

WETZEL Hier gilt, was sich generell für den Umgang mit Hitze sagen lässt: Man sollte sich in kühlen Räumen aufhalten, körperliche Anstrengungen bei Hitze und in der Sonne meiden und auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Je nach körperlicher Belastung und Aufenthaltsort können dies drei bis fünf Liter oder bei Schwerarbeit in der Sonne noch mehr sein. Bei Patienten, die beispielsweise aufgrund einer Herzinsuffizienz oder anderer Erkrankungen nur eine begrenzte Menge an Flüssigkeit aufnehmen dürfen bzw. Medikamente zur Entwässerung einnehmen müssen, ist darauf zu achten, dass es nicht zu einem zu starken Flüssigkeitsverlust (Austrocknen) des Körpers kommt. So kann es hilfreich sein, bei anhaltendem Schwitzen in Absprache mit dem Arzt die Dosis des entwässernden Medikaments zu reduzieren (halbieren) oder (aber) die eigentlich zulässige Menge an Flüssigkeit leicht zu erhöhen. Zur Trinkmengenkontrolle sollte man sich morgens und abends wiegen. Das Körpergewicht sollte möglichst unverändert sein.

Was sollte man denn am Besten trinken?

WETZEL Da gilt folgende Empfehlung: keine zu kalten Getränke, da diese den Körper zur Wärmeproduktion anregen. Kein Alkohol, sondern am besten Mineralwasser oder gespritzte Obstsäfte („Schorle“).

 Was raten die Mediziner angesichts der Hitze? Zu Hause bleiben oder ins Schwimmbad gehen?

WETZEL In den Morgenstunden spricht nichts dagegen, ins Schwimmbad zu gehen, um sich auf diese Weise körperlich zu betätigen. Bei hohen Temperaturen sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, sich nicht in der prallen Sonne, sondern an schattigen und eher kühlen Orten aufzuhalten – sei es im Schwimmbad, zu Hause oder unterwegs. Auch sollte man Bewegungsarten bevorzugen, die zumindest eine gewisse Abkühlung versprechen – beispielsweise durch den Fahrtwind beim Radfahren.