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Privatschulen – nur für Reiche?
Waldorfschul-Sprecher im Saarland weist Elite-Vorwurf zurück

Saarbrücken/Wiesbaden. Von Fatima Abbas

Es war ein ungewöhnlicher Vorgang, als vor drei Jahren 20 Kinder mit Migrationshintergrund dazukamen. Die Nähe zur Landesaufnahmestelle in Lebach machte es möglich. 20 Jungs aus Syrien, von einem Tag auf den anderen Teil der freien Waldorfschule Saar-Hunsrück in Wallhausen. Eine Schule im Kreis St. Wendel, derzeit 330 Schüler.

Der Vorgang von damals ist deshalb so ungewöhnlich, weil der Anteil der Schüler mit nicht-deutschen Wurzeln an Waldorfschulen in der Regel äußerst gering ist. So schildert es der Sprecher der freien Waldorfschulen im Saarland, Claude Parent. Das liege aber nicht etwa an einer selektiven Vorgehensweise, sondern daran, dass es Eltern mit Migrationshintergrund oft an Sprachkenntnissen mangele und ihnen die alternativen pädagogischen Ansätze nicht bekannt seien. Die Interpretation von Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann, dass Eltern ihre Kinder vor allem deshalb auf Privatschulen schicken, weil ihnen das Niveau der staatlichen zu niedrig sei, nennt Parent „pauschal und nicht treffend“. Und auch die allgemeine Unterstellung, private Einrichtungen seien nur etwas für eine gutbetuchte Elite, weist Parent entschieden zurück.

Im Saarland besuchen knapp 8600 Schüler eine nicht-staatliche Schule. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben. Nach Angaben des Bildungsministeriums verteilen sich die Schüler auf 31 Privatschulen, darunter sieben Grundschulen, fünf Gymnasien, drei Gemeinschaftsschulen und vier Freie Waldorfschulen. Die meisten Privatschüler entfallen auf Gymnasien – gut 3000. An den Freien Waldorfschulen waren zuletzt stets rund 1200 Schüler angemeldet, an den Gemeinschaftsschulen knapp 1100.



Privatschüler machen im Saarland sieben Prozent der Gesamtschülerschaft (121 449, Schuljahr 2018/19) aus, bundesweit liegt der Anteil bei etwa zehn Prozent.

Nicht alle Privatschulen sind kostenpflichtig. Beispielsweise erheben die Schulen in kirchlicher Trägerschaft – anders als private Gemeinschaftsschulen und Waldorfschulen – kein Schulgeld. Die Montessori-Schule in Friedrichsthal verlangt pro Erstkind und Monat 300 Euro, der ermäßigte Satz liegt bei 170 Euro. Das Schulgeld muss gestaffelt sein, damit auch Familien mit geringerem Einkommen ihre Kinder anmelden können. An der Freien Waldorfschule in Saarbrücken variiere der Beitrag pro Kind zwischen 80 und 500 Euro monatlich, sagt Parent. Auch Dr. Falk Raschke, Geschäftsführer des Verbands deutscher Privatschulen, weist auf die Vielfalt hin. Man könne nicht alles auf eine Stufe mit dem Elite-Internat Schloss Salem am Bodensee stellen. Aber selbst dort, wo monatlich Gebühren von mehreren tausend Euro anfallen, gebe „es Kinder, die nichts zahlen müssen“. Auch für Privatschulen gilt: Wenn sich Eltern das Schulgeld nicht leisten können, springt die Gemeinschaft ein.

Laut Ministerium spielen Wohnortnähe und das pädagogische Konzept bei der Wahl einer Privatschule eine Rolle. Anders lief es bei den 20 Syrern von Wallhausen. Sie kamen über ein Integrationsprojekt an die Waldorfschule. Für ihre Betreuung stellte die Schule zwei neue Lehrer ein. „Ohne Fördergelder hätten wir das nicht stemmen können“, sagt Geschäftsführerin Angelika Sieger. Im Rückblick wertet sie das Projekt als „gelungen“. Heute seien noch acht von ihnen an der Schule. Einer habe in diesem Jahr nach nur zweieinhalb Jahren in Deutschland „ein gutes Abitur“ gemacht.