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Von der Guldenschlucht bis zur Wolfsacht

Wattweiler. Während eines Spazierganges zeigt Hans Conrad seinen Besuchern zuerst die Guldenschlucht. Wattweiler sei eine Ortschaft mit weiten Feldern, schönen Wäldern und lauschigen Talauen. Die Attraktion schlechthin sei aber die Schlucht an der Talstraße in Richtung Blieskastel

Wattweiler. Während eines Spazierganges zeigt Hans Conrad seinen Besuchern zuerst die Guldenschlucht. Wattweiler sei eine Ortschaft mit weiten Feldern, schönen Wäldern und lauschigen Talauen. Die Attraktion schlechthin sei aber die Schlucht an der Talstraße in Richtung Blieskastel. Sie trägt ihren Namen nach Gustav Adolf Gulden, einem früheren Vorsitzenden des ehemaligen Zweibrücker Verschönerungsvereins. Der Verein legte die Schlucht an, um ein Ausflugsziel in der Umgebung der Stadt zu schaffen. Die geologischen Ursprünge der Guldenschlucht liegen in der Nach-Eisenzeit. Vor rund 11 000 Jahren bildeten sich Flüsse und Bäche. Die Wassererosion formt bis in die heutige Zeit die Buntsandsteinfelsen zu kunstvollen Gebilden. Die hohe Luftfeuchtigkeit führt zudem zu einer einzigartigen Vegetation. Unter anderem ist in der Schlucht die seltene Mondviole zu finden.Besondere Bedeutung erhält der Wanderpfad auch dadurch, dass er Teil des Jakobswegs ist, einer international bekannten Pilgerroute. "Im Sommer ist hier der ideale Ort, um sich an heißen Tagen abzukühlen und neue Kraft zu schöpfen", schwärmt Conrad. Der Pfad durch die Schlucht sei 460 Meter lang und steige 80 Meter an. Auf dem Weg geht es zuerst über einen kleinen Holzsteg, der über ein Bächlein führt. Dann geht es über vor einigen Jahren neu angelegte Stahlgittertreppen nach oben.

Von dort führt der Vorsitzende des Obstbauvereins seine Gäste über den Rosenhof zum mittelalterlichen Schlachtfeld auf der Wattweiler Höhe. "Hier fanden von 1276 bis 1278 drei Rittergefechte statt", erklärt der 73-Jährige. Es habe sich dabei um den Blieskasteler Erbfolgekrieg gehandelt, der nach dem Tod von Graf Rainald von Lothringen entbrannte. Die Wanderung geht dann weiter zum höchsten Punkt der Wattweiler Gemarkung (351 Meter) - der Wolfsacht. Es handelt sich hier um eine "Hinrichtungsstätte" für Wölfe, die Menschen einen Schaden zugefügt hatten. Diese wurden dann auf der Wattweiler Höhe gehängt. Dann geht die Strecke zum Waldfriedhof. Der dahinterliegende frühere Badeweiher ist heute nicht mehr zugänglich. Auf der linken Seite der Straße in Richtung Zweibrücken befinden sich Reste der früheren Westwallbunkern. "Heute sind diese Biotope für Tiere und Pflanzen", sagt Conrad. So hätten hier Dachse, Füchse und Wildkatzen ein Zuhause gefunden. Zum Abschluss zeigt der Vereinsvorsitzende den Besuchern noch die Hügelgräber der Kelten, die sich im Hochwald befinden. Der Weg zu den Gräbern führt vom Waldfriedhof aus an der Kugelfanghütte vorbei, über die Mittelbacher Straße in den Wald. Direkt bei der Hütte sind zwei Grabhügel heute noch zu sehen. Die Funde der Ausgrabungen aus drei Gräbern, die in Museen nach Speyer, Saarbrücken, Berlin und Metz gebracht wurden, gelten als verschollen. Die Wanderung endet am Mölschbacherhof. Oberhalb davon fand 1413 eine weitere Ritterschlacht statt. Auch hier war die Ursache ein Streit um Besitztümer. Sehenswert sei zudem noch der Raulenstein - ein etwa 18 Meter breites und vier Meter hohes, grauweißes Felsgebilde. nob