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Vom Plastik zum Doppelhals

Heute sind solche Doppelhalsgitarren das Markenzeichen von Jimi Hänisch. Mit dem zwölfsaitigen Hals hält er den Rhythmus, mit dem sechssaitigen spielt er Solos. Foto: pm
Heute sind solche Doppelhalsgitarren das Markenzeichen von Jimi Hänisch. Mit dem zwölfsaitigen Hals hält er den Rhythmus, mit dem sechssaitigen spielt er Solos. Foto: pm
Zweibrücken. Bei den meisten kommt die musikalische Ader zwischen 15 und 16 Jahren zum Vorschein. Der Zweibrücker Jimi Hänisch (53) war da früher dran. Schon mit elf Lenzen, also 1968, brachte er seine musikalischen Gedanken erstmals zu Papier Von Merkur-Redaktionsmitglied Eric Kolling

Zweibrücken. Bei den meisten kommt die musikalische Ader zwischen 15 und 16 Jahren zum Vorschein. Der Zweibrücker Jimi Hänisch (53) war da früher dran. Schon mit elf Lenzen, also 1968, brachte er seine musikalischen Gedanken erstmals zu Papier. "Der Song hieß 'Monkey Man' und handelte von prähistorischen Funden, Steinzeit und Höhlenmenschen", erläutert der Gitarrist, Bassist, Schlagzeuger und Synthesizerexperte. Diese Themen habe man damals in der Schule behandelt. Warum er sie in einer Melodie verpackte, das weiß er heute nicht mehr genau. Doch Hänisch erinnert sich an die Liedentstehung, als sei es gestern gewesen. Hänisch: "Ich habe das Lied bei mir im Zimmer entwickelt. An der Wand hingen Poster meines musikalischen Vorbilds Jimi Hendrix." Aber weder dem Fast-Namensvetter, noch seinen weiteren Lieblingskünstlern Emerson Lake and Palmer und Benny Goodman habe er nachzueifern versucht. "Monkey Man" dauerte eine knappe Minute, war rockig, bestand aus zwei, drei Akkorden. "Die habe ich in verschiedenen Variationen gespielt", berichtet Hänisch. Die Klänge entstammten seinem ersten Instrument: einer kleinen, roten Plastikgitarre, die ihm seine Eltern auf dem Jahrmarkt gekauft hatten. Sowohl Vater und Mutter als auch seine Freunde hörten das Lied damals exklusiv und waren laut Hänisch begeistert. "Manche wollten mitspielen, mit behelfsmäßigem Schlagzeug oder Bongos. Das war witzig", erinnert er sich. Text gab es keinen. "Musik braucht keine Worte, um eine Aussage zu machen", findet Hänisch. Auch heute wäre eine Neufassung von "Monkey Man" ein reines Instrumentalstück, allerdings ausgeschmückt, wesentlich komplizierter, harmonischer, länger, so der Künstler. Die Fingerfertigkeit dafür hat er inzwischen häufig genug unter Beweis gestellt. "Ich hab viele eigene Stücke fabriziert, von punkig über progressiv, Metal, Rock, Jazz, auch sämtliche Stücke für mein Synthesizer Trio Syntribass." Längst ist er vom zupfenden Pimpf mit Jahrmarktgitarre zum Maestro des Schlagzeugs, des Bass' und der Gitarre avanciert. Jimi Hänisch spielte nicht nur in zwölf Musikformationen, seit 1997 ist er auch selbständiger Musiklehrer. So manchem angehenden Künstler aus der Region hat er schon Hilfestellung bei dessen erstem Lied gegeben.



Zur PersonZu Jimi Hänischs wichtigsten Bands gehört Ozzon, in der er Gitarre spielt. Das Trio steht für Rock'n Roll, Rockabilly, Country und Swing. Es spielt eigene Lieder und auch Interpretationen verschiedener Songs sowie Instrumentalwerke. Hänisch: "Ich betone hierbei das Wort Interpretationen. Ein kreativer Musiker würde sich mit schnöden Coversongs nicht abgeben. Interpretationen müssen immer so klingen, als wären sie von der Band selbst geschrieben." Weitere Projekte und Gruppen, bei denen Hänisch dabei war: Syntribass, Galaxis, Charisma, Entera, Talis oder Ad Libitum. ek