| 22:30 Uhr

Verdacht auf Serienmord in Völklinger Klinik
Gutachterin: Intensivpfleger psychisch krank

Saarbrücken/Völklingen. Daniel B. (27) soll in Völklingen fünf Patienten getötet haben. Er war auch an Uniklinik Homburg tätig. In einem früheren Betrugsprozess wurde ihm eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ bescheinigt. Von Michael Jungmann

Selbstverliebt, geltungsbedürftig, hochstapelnd und die eigenen Fähigkeiten massiv überschätzend - so werden Leute beschrieben, die unter einer so genannten „narzisstischen Persönlichkeitsstörung“ leiden. Daniel B., der 27 Jahre alte Intensivpfleger, der jetzt im dringenden Verdacht steht, zwischen März 2015 und März 2016 fünf schwerkranke Patienten auf der Intensivstation der SHG-Klinik in Völklingen getötet zu haben, soll unter dieser Krankheit leiden. Zu dieser Einschätzung kam jedenfalls nach Angaben der Justiz eine Gutachterin in einem früheren Prozess vor dem Amtsgericht Saarbrücken.

Dort wurde Daniel B. in dem Verfahren 10 Js 58/17 im August vergangenen Jahres wegen Diebstahls und Betrug in 26 Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt, die er derzeit in der Justizvollzugsanstalt auf der Saarbrücker Lerchesflur verbüßt. Vor dem Gericht legte B. damals, so die Angaben der Staatsanwaltschaft, ein „vollumfängliches Geständnis“ ab. Er bestätigte damit die Anklagevorwürfe von Diebstahl und Betrug in 26 Fällen.Unter anderem räumte er ein, auf der Station zwölf der Völklinger Klinik im März 2016 die Gemeinschaftskasse mit 860,45 Euro Bargeld gestohlen zu haben. Die betrügerische Masche des Intensivpflegers, der 2017 auch kurzzeitig an der Uniklinik in Homburg beschäftigt war, flog auf. Seit dem 14. März 2018 sitzt er hinter Gittern.

Das Saarbrücker Amtsgericht kam in seinem Urteil zu dem Ergebnis, dass B. nach eigenen Angaben bereits als Jugendlicher Verhaltenstendenzen entwickelt hatte, sich vor sich selbst und anderen erfolgreicher darzustellen, als er tatsächlich war. Er strebte demnach nach einem luxuriösen Lebenstil, den er auf Kosten Dritter und über Kredite finanzierte. In dem Urteil ist von einer „durchgehend narzisstisch und disozial geprägten Persönlichkeitsstruktur, verbunden mit einer stark konsumorientierten Anspruchshaltung“ zu lesen.



Im laufenden Ermittlungsverfahren wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten besteht, so die Staatsanwaltschaft, der Verdacht, dass Daniel B. jeweils „in der Absicht handelte, bei den Patienten einen reanimationspflichtigen Zustand herbeizuführen“, um anschließend selbst Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen zu können.