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Bundeswehr
„Unsere Art zu leben schützen“

Sechs Rekruten des Fallschirmjägerregimentes 26 legen ihren Treue-Eid ab.
Sechs Rekruten des Fallschirmjägerregimentes 26 legen ihren Treue-Eid ab. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis/Zweibrücken. 130 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr legten gestern in Saarlouis öffentlich ihren Treueeid ab. Von Johannes Werres

Ihren Treueeid haben gestern im Saarlouiser Stadtgarten Soldaten zweier Ausbildungseinheiten abgelegt: 95 Rekruten der Rekrutenkompanie 2 in Merzig, die zum Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken gehören; und 36 Rekruten des ABC-Abwehrbataillons 750 aus Bruchsal. Die Rekruten hatten drei Monate Grundausbildung hinter sich. Sie bereitete die jungen Männer auf ihre weitere Zeit als Zeitsoldaten vor.

Der saarländische Innen-Staatssekretär Christian Seel griff jüngst bekannt gewordene Vorfälle der Bundeswehr und die neue Debatte um ihr Traditionsverständnis auf. „Die Grundwerte der Bundeswehr sind in der öffentlichen Wahrnehmung teilweise in Verruf geraten“, sagte Seel. „Teils schlimme Verfehlungen“ müsten mit allem Nachdruck verfolgt werden. „Gleichwohl ist mein Eindruck, dass es sich dabei eher um Einzelfälle handelt, als dass darin ein systemisches Problem der Bundeswehr zu erkennen ist.“ Die Werte der Bundeswehr, darunter „Loyalität, Gemeinsamkeit, Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft“ bildeten eine „stabile Grundlage für die aktuellen Probleme“, auch für einen „verantwortungsbewussten Umgang mit der Vergangenheit.“ Es liege an jedem einzelnen Soldaten, „vor Ort den Blick auf untragbares und inakzeptables Verhalten zu schärfen.“

Der Kommandeur des Fallschirmjägerregimentes 26, Oberst Andreas Steinhaus, hob hervor, die Soldaten dokumentierten im Eid das „besondere Treueverhältnis“ nicht „irgendwo in einer stillen Kammer oder im Kasernenhof“, sondern in de Öffentlichkeit. Für die Bundeswehr gehe es heute um „die Fähigkeit, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung, unsere Art zu leben, zu schützen. Weder unsere Freiheit noch unser Wohlstand oder unsere Selbstbestimmung sind selbstverständlich.“ Es sei naiv zu glauben, „dass die Entwicklungen der Welt freiwillig einen Bogen um uns machten, damit ausgerechnet wir bequem und ungestört weiter leben können wie bisher.“ Steinhaus bezog das vor allem auf die Verfassung, die „die größt mögliche Freiheit und Mitbestimmung jedes einzelnen Menschen.“ Wer „apodiktischen Gewaltverzicht propagiert, muss auch den Preis nennen, der dafür zu zahlen ist: Der Preis ist die Selbstbestimmung.“ Bedingungslosen Gewaltverzicht nannte Steinhaus „eine ehrenwerte Entscheidung für ein Indiviuum, für einen Staat ist er verantwortungslos.“



Im Publikum im Stadtgarten demonstrierte eine kleine Gruppe unter anderem der katholischen Friedensbewegung Pax Christi gegen die Bundeswehr. Auf Transparenten war zu lesen: „Krieg beginnt hier.“

Bei diesem Gelöbnis sprach auch ein Rekrut der Merziger Kompanie, Niklas Haeggberg aus Fürstenfeldbruck. Es sei am Anfang sehr unhewohnt gewesen, zusammengewürfelt zu werden und auf Sechs-Mann-Stuben zu wohnen. Schritt für Schritt sei die Ausbildung vorangegangen. „Durch die körperliche Belastung und Schlafentzug“ in zwei Übungslagern „wurde uns vor allem bei den Märschen bewusst, wie wichtig Kameradschaft, Zusammenhalt und Zusammenarbeit sind.“

Der Treueeid wird als Gelöbnisappell abgelegt.