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Unentbehrliche Helfer für die Bauern

Mainz/Koblenz. Wenn Erdbeeren reifen, der Spargel gestochen werden muss oder im Herbst die Weinlese beginnt, dann kommen die ausländischen Erntehelfer nach Rheinland-Pfalz. So wie in Mainz. Acht Frauen und Männer aus Polen und Rumänien arbeiten zur Zeit auf dem Obst- und Spargelhof von Ludwig Schmitt Von dpa-Mitarbeiter Christian Meinl

Mainz/Koblenz. Wenn Erdbeeren reifen, der Spargel gestochen werden muss oder im Herbst die Weinlese beginnt, dann kommen die ausländischen Erntehelfer nach Rheinland-Pfalz. So wie in Mainz. Acht Frauen und Männer aus Polen und Rumänien arbeiten zur Zeit auf dem Obst- und Spargelhof von Ludwig Schmitt. "Wir brauchen arbeitswillige Erntehelfer, egal woher", betont der Landwirt aus dem Stadtteil Finthen. Die Helfer müssen früh aus den Federn, ihr Arbeitstag beginnt um sechs Uhr und endet erst gegen 18 Uhr. Der lange Arbeitstag wird von einer einstündigen Mittagspause unterbrochen.Im Obst-, Gemüse- und Weinbau falle viel Handarbeit an, sagt Andrea Adams, Pressesprecherin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd. "Die Betriebe in diesen Sonderkulturgebieten sind traditionell auf Erntehelfer angewiesen."

Bei Bauer Schmitt sind die Helfer zwischen 19 und 66 Jahre alt, vom Studenten bis zum Rentner. Ihre berufliche Qualifikation spielt keine Rolle. Und wie klappt es mit der Verständigung? "Meine Schwiegertochter ist Polin, und ich kann auch einige Worte polnisch und rumänisch. In unserer Nähe wohnt ein Rumäne, der manchmal beim Übersetzen hilft. Zur Not verständigen wir uns mit Händen und Füßen", erzählt Schmitt. Er zahlt den tariflichen Stundenlohn von 6,40 Euro, das sind fünf Euro netto. Mittags werden die Helfer verköstigt, für ihre Unterkunft müssen sie nichts zahlen. Die meisten bleiben zwischen vier und sechs Wochen. "In dieser Zeit wollen die Leute möglichst viel Geld verdienen." Nur sonntags wird nicht gearbeitet.

Die Arbeit ist anstrengend. Dies mag auch der Grund dafür sein, dass fast nur ausländische Erntehelfer zu finden sind. "Es gab Versuche, deutsche Arbeitslose bei der Spargelernte einzusetzen, die aber alle im Sand verlaufen sind", sagt Adams. Auf Schmitts Hof hat der Einsatz von Erntehelfern Tradition. Anfangs arbeiteten dort noch Rentner aus der Umgebung. An ihre Stelle traten nach 1975 zunächst Italiener, Jugoslawen, Türken, Pakistani und Inder. 1981 kamen die ersten Polen. "Die meisten Leute kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda. Es spricht sich schnell herum, wo Geld zu verdienen ist", meint der Landwirt.



Aus welchen Ländern die Helfer kommen, hängt mit der wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat zusammen. Wenn sich die Lage verbessert, sind die Arbeitnehmer nicht mehr gezwungen, im Ausland Geld zu verdienen. Nach der letzten Statistik vom Juli 2010 gab es im Bezirk der Arbeitsagentur in Ludwigshafen rund 19 500 Erntehelfer, in Landau etwa 8100 und in Mainz ungefähr 6000. Seit diesem Jahr werden keine Zahlen mehr erhoben - für die EU-Bürger aus Mittel- und Osteuropa gilt Freizügigkeit. Der Zoll achtet aber streng darauf, dass keine Erntehelfer illegal beschäftigt werden. "Wir brauchen arbeitswillige Erntehelfer, egal woher!"

Bauer Ludwig Schmitt