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Trio gesteht nächtlichen Messerüberfall auf Pfarrer

Frankenthal/Ludwigshafen. Sie brachen in ein Pfarrhaus ein, überraschten den 70 Jahre alten Geistlichen in seinem Bett und stachen mit Messern auf ihn ein: Zwei Männer und eine Frau haben gestern vor dem Landgericht Frankenthal den nächtlichen Überfall auf einen Pfarrer in Ludwigshafen gestanden. Von den 1300 Euro, die die Täter erbeuteten, kauften sie sich nach eigenen Angaben Drogen

Frankenthal/Ludwigshafen. Sie brachen in ein Pfarrhaus ein, überraschten den 70 Jahre alten Geistlichen in seinem Bett und stachen mit Messern auf ihn ein: Zwei Männer und eine Frau haben gestern vor dem Landgericht Frankenthal den nächtlichen Überfall auf einen Pfarrer in Ludwigshafen gestanden.Von den 1300 Euro, die die Täter erbeuteten, kauften sie sich nach eigenen Angaben Drogen. Der Pfarrer, der inzwischen im Ruhestand ist, hat den Tätern vergeben: "Ich habe keine Sekunde Zorn oder Rachegefühle gegen die jungen Leute gehabt", sagte er als Zeuge in dem Prozess.

Angeklagt sind zwei 35 und 34 Jahre alte Männer sowie eine 23 Jahre alte Frau. Laut Staatsanwalt Martin Schalk hat die Frau in der Nacht zum 2. August 2010 dem Pfarrer die meisten Messerstiche zugefügt. Diese will sich aber nur an einen Stich erinnern, der von ihr kam. Auch der 70-Jährige konnte nicht sagen, wer wie oft auf ihn eingestochen habe. "Heiliger Gott, ich weiß es nicht mehr", rief er im Gerichtssaal. Der Geistliche hatte die Tat vergleichsweise glimpflich überstanden, lebensbedrohlich waren die Stichverletzungen nicht.

Die Lebensgeschichten der Angeklagten ähneln sich fatal: familiäre Probleme von Kindheit an, frühe Drogenerfahrungen bis hin zu Heroin, immer wieder Gefängnisaufenthalte und ein Leben auf Hartz IV. Auch vor der Tat hatten die drei nach eigenen Angaben jede Menge Rauschgift zu sich genommen. Auf der Suche nach Geld war ihnen der Pfarrer in den Sinn bekommen, von dem einer von ihnen schon einmal einen kleineren Betrag geschenkt bekommen hatte.



Entschuldigung per Brief

Alle Angeklagten beteuerten, sie hätten nicht gewollt, dass bei dem Überfall Blut fließt. Sie haben sich in Briefen bei dem Pfarrer für die Tat entschuldigt. Der 70-Jährige sprach sie im Gerichtssaal direkt an: "Das Beste wäre, wenn Ihr einen Neuanfang macht." Sie hätten doch ihr Leben noch vor sich.

Der Prozess wird am 9. Februar fortgesetzt. Dann sollen der Staatsanwalt und die Verteidiger ihre Plädoyers halten. Auch die Urteilsverkündung ist nach Angaben des Gerichts für diesen Tag geplant. dpa