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Trierer "Pilgeroase" ist sehr beliebt

Trier. Maria Backes ist schwer bepackt. 15 Kilogramm wiegen Rucksack, Schlafsack und Isomatte. Damit ist sie gerade 130 Kilometer von Bullay nach Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt geradelt. Doch bevor die Schülerin des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz den Heiligen Rock im Dom anschaut, will sie vor allem erst mal: "duschen und schlafen", sagt die 18-Jährige Von dpa-Mitarbeiter Birgit Reichert

Trier. Maria Backes ist schwer bepackt. 15 Kilogramm wiegen Rucksack, Schlafsack und Isomatte. Damit ist sie gerade 130 Kilometer von Bullay nach Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt geradelt. Doch bevor die Schülerin des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz den Heiligen Rock im Dom anschaut, will sie vor allem erst mal: "duschen und schlafen", sagt die 18-Jährige. Mit 140 Mitschülern hat sie die "Pilgeroase" im Park des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Trier angesteuert. Manche kamen gewandert. Andere geradelt. Im großen Zelt sitzen sie alle um einen gepflanzten Olivenbaum. "Ein tolles Gefühl, anzukommen", sagt Maximilian Rembeck (16).Genau das will die "Oase" sein: "Ein Ort der Ankunft, an dem sich Fuß- und Radpilger ausruhen können, bevor sie die letzten Meter zum Heiligen Rock im Dom in Angriff nehmen", sagt der Hausobere des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, Markus Leineweber. Neben Getränken und Duschen stehen 60 Feldbetten in sechs Pagoden-Zelten bereit. 36 Pilgergruppen mit 2600 Gästen haben sich schon zur vierwöchigen Wallfahrt in der "Oase" angemeldet, darunter 320 Pilger zur kostenlosen Übernachtung. In der ersten Wallfahrtswoche kamen bereits 400 Pilger. "Es läuft prima", sagt Pilgeroasen-Beauftragter Christian Ludwig, und verteilt eifrig Pilgerstempel.

"Mit der Oase knüpfen wir an die Tradition der großen Wallfahrtsorte an", sagt der Generalobere der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf, Bruder Peter Berg, dessen Orden die Trägerschaft über das Krankenhaus hat. Heime und Hospize seien typische Orte gewesen, wo Pilger versorgt wurden. "Es ist gut, wenn man ankommt, einen Ort zu haben, an dem man durchatmen kann, und innere Ruhe findet", sagt er. Abgekämpft und mit Gepäck sei es schwer, zum Dom zu gehen. In der "Oase" können Räder und Rucksäcke abgestellt werden.

Die Heilig-Rock-Wallfahrt war am 13. April eröffnet worden. Seitdem ist - erstmals seit 16 Jahren - die Reliquie "Heiliger Rock" wieder im Trierer Dom zu sehen. Sie soll Teile des Gewandes enthalten, das Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen hat. Am ersten Wochenende waren rund 35 000 Pilger gezählt worden. Für den Tag der Schulen am Freitag hatten sich rund 13 000 Pilger angemeldet, sagt Wallfahrtssprecherin Judith Rupp.



Für die Schüler des Koblenzer Gymnasiums ist es das erste Mal, dass sie den Heiligen Rock sehen. "Für mich ist das kein Riesen-Ereignis", sagt Schüler Rembeck. Für ihn sei eher die christliche Gemeinschaft, auch das gemeinsame Pilgern, wichtig. Wulf-Richard Schlig (18) fügt hinzu: "Es geht ja nicht um den Rock, sondern um den Menschen, der dahinter steht." Es sei ja bewiesen, dass das Gewand nicht echt sei. "Es ist mehr die Symbolik."

Das gemeinsame Wallfahren an sich sei schon eine wichtige Erfahrung gewesen, sagt der stellvertretende Schulleiter, Hans Ternes. Es sei "ein tolles Erfolgserlebnis", wenn man gemeinsam mit 70 Schülern nach zweimal 25 Kilometern wandern am Tag schließlich den Pilgerort erreiche. Und an vielen Stationen spüre: "Kirche ist mehr, als nur sonntags in den Gottesdienst zu gehen."