| 22:50 Uhr

Premiere Flic Flac
Todesmutig in der Manege

Nichts für schwache Nerven: „Flic Flac“ präsentiert eine dreistöckige Menschen-Pyramide auf dem Hochseil.
Nichts für schwache Nerven: „Flic Flac“ präsentiert eine dreistöckige Menschen-Pyramide auf dem Hochseil. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der „Circus Flic Flac“ feierte mit seiner neuen Show „Farblos“ in Saarbrücken Weltpremiere.

Mit seinem Kollegen, der auf seinen Schultern steht, rennt ein Kolumbianer über das Todesrad, ein riesiges, sich drehendes Stahlgestell. Alain Alegra schaukelt in 16 Metern Höhe auf einem wackligen Stuhl auf dem Washington-Trapez. Und die „Adrenalin-Troupe“ baut auf dem Hochseil gleich eine dreistöckige Menschenpyramide: Die Künstler des „Circus Flic Flac“ schaffen von Tour zu Tour immer wieder das eigentlich Unmögliche, nämlich ihre Leistungen noch mal zu toppen. Und das gelingt den über 35 Akteuren auch in der neuen Show „Farblos“ wieder, die am Donnerstag im ausverkauften Zelt auf den Saarbrücker Saarterrassen ihre Weltpremiere gefeiert hat.

Egal, wie hoch hinaus es in ihren Nummern ging – eins war allen Akrobaten gemeinsam: Sie waren immer ungesichert. „Stets führt unser Weg am Abgrund entlang“, tönt es dazu aus den Boxen. Im Gegensatz zu früheren Tourneen, bei denen die Musik fast ausschließlich aus düsteren Songs in Rammstein-Manier bestand, ist der Soundtrack zu „Farblos“ bunt gemischt und das Programm familientauglicher.

Viktar Shainhoha fliegt am Strapatenseil durch die Luft, dreht sich wie ein Hubschrauber bis unter die Zeltkuppel. Die Strapaten-Darbietung des Duo Turkeev erzählt dagegen eine Liebesbeziehung mit Höhen und Tiefen. Doch die beiden hängen im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen aneinander. Die ukrainischen Artisten waren bereits mit dem „Cirque de Soleil“ auf Tour. Und die Hochseil-Truppe „Adrenalin Troupe“ gewann dieses Jahr den „Silbernen Löwen“, der als Zirkus-Oskar gilt.



Plötzlich röhren mitten im Publikum die Motoren. Mit ihren Maschinen springen Stuntfahrer über Autos und ihre Kollegen, fliegen durch das Zelt und schlagen Salti. Andere Künstler kommen ohne aufwäendiges Equipment aus. So funktioniert die „Wild Gang“ ihre Körper zu menschlichen Seilen und Sprungbrettern um und baut Pyramiden. Und Christina Garcia verbiegt ihre Beine hinter den Kopf und schießt mit ihren Füßen einen Pfeil treffsicher auf einen Luftballon.

„Fahrrad kaputt – made in France“, witzelt Justin Case. Doch der in Frankreich aufgewachsene Artist schafft es auch mit seinem vermeintlich falsch zusammengebauten Drahtesel seine Kunststücke vorzuführen. Er benutzt einfach ein Rad als Lenker, und als ein Reifen ganz weg rollt, wird aus dem Zwei- ein Einrad. Da es auch bei „Flic Flac“ heißt: „Ein bisschen Spaß muss sein“, geht einiges schief, als Patrick Lemoine dem Publikum „die hohe Kunst des Jonglierens“ und seine Zaubertricks vorführt. Der Comedian erinnert an Steve Eleky, der bereits bei mehreren früheren Tourneen des Zirkus in Saarbrücken dabei war.

Während Larissa Medved-Kastein früher selbst in der Manege stand, hat sie nun mit ihrem Vater Benno Kastein die Regie und Choreographie der kurzweiligen, spannenden Show übernommen. Neben vielen neuen Artisten, die erstmals in Saarbrücken auftreten, gibt es aber auch ein Wiedersehen mit einem „Flic-Flac“-Urgestein: Ira Rizaeva. Doch die „Herrin der Bälle“ schafft es immer wieder, ihre Nummern anderes zu verpacken. Dieses Mal jongliert sie in einem riesigen Glaskubus leuchtende Bälle.

Viele im Publikum sind nass geschwitzt: Denn bei den actionreichen, wagemutigen Darbietungen fiebern die Zuschauer immer wieder mit und belohnen schließlich die Akteure mit lauten Jubelschreien. Zum Ende des zweistündigen Programms gibt es – zumindest für die Künstler – eine Abkühlung: 3500 Liter Wasser prasseln bei der Äquilibristik-Nummer von Jenny Kastein, Tochter von „Flic Flac“-Gründer Lothar Kastein, und ihrem Partner Dannil in die Zirkusmanege.

Wenn Patrick Lemoine jongliert, kann auch mal (gewollt) was schief gehen.
Wenn Patrick Lemoine jongliert, kann auch mal (gewollt) was schief gehen. FOTO: BeckerBredel