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Terrorprozess: Anwalt von Ahmad S. plädiert auf vier Jahre Haft

Koblenz. Im Koblenzer Terrorprozess gegen Ahmad S. hat die Verteidigung auf eine vierjährige Haftstrafe plädiert. "Der Mann ist längst auf dem Rückweg", sagte sein Anwalt Michael Rosenthal am Dienstag vor dem Oberlandesgericht (OLG)

Koblenz. Im Koblenzer Terrorprozess gegen Ahmad S. hat die Verteidigung auf eine vierjährige Haftstrafe plädiert. "Der Mann ist längst auf dem Rückweg", sagte sein Anwalt Michael Rosenthal am Dienstag vor dem Oberlandesgericht (OLG). Der Angeklagte sei zwar bei Al Qaida und der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) gewesen, eine Mitgliedschaft sei aber zu bezweifeln, so Rosenthal.Die Bundesanwaltschaft hatte siebeneinhalb Jahre Haft für den 37-jährigen Deutsch-Afghanen gefordert. Sie wirf ihm vor, er sei zwischen 2009 und 2010 Mitglied beim Terrornetzwerk Al Qaida und der IBU gewesen. Ahmad S. habe ein Netzwerk von Al Qaida mitaufbauen und möglicherweise Anschläge in Deutschland unterstützen sollen. Das Urteil wird laut OLG voraussichtlich am 22. Mai verkündet.

Anwalt Rosenthal sagte, Ahmad S. habe zwar bei einer Veranstaltung der IBU einen Masseneid abgelegt, aber keinen persönlichen Treueeid. Er sei auch in einem IBU-Terrorcamp gewesen, an Waffen sei er aber wegen einer Knieverletzung nicht ausgebildet worden.

Es gebe keine Beweise, dass Ahmad S. Vertrauen bei führenden Al-Qaida-Mitgliedern erworben habe oder in Anschlagspläne eingeweiht gewesen sei, sagte der Anwalt. Konkrete Aufträge seien ihm nicht erteilt worden. Mittlerweile habe sich Ahmad S. von islamistischen Idealen abgewandt. Er habe im Prozess umfassend kooperiert und auf Nachfragen sehr bunt und kompliziert geantwortet. "Eine erfundene Geschichte zeichnet sich in aller Regel durch ihre Schlichtheit aus."



Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft war der Angeklagte vor seiner Festnahme in Afghanistan im Jahr 2010 mit einem Auftrag von höchster Al-Qaida-Stelle auf dem Weg nach Deutschland. dpa