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Streit um Foliendach für Kirschbäume entbrannt

 Die Kirschernte soll durch den Einsatz von Foliendächern gesichert werden. Naturschützer beklagen Gefahr für Tiere.Foto: Gambarini/dpa
Die Kirschernte soll durch den Einsatz von Foliendächern gesichert werden. Naturschützer beklagen Gefahr für Tiere.Foto: Gambarini/dpa
Mainz. Ein Obstfeld im Kreis Mainz-Bingen sorgt für Streit zwischen Naturschützern und Behörden. Die Kreisverwaltung hatte zwischen Wackernheim und Mainz-Finthen eine sogenannte Kulturschutzeinrichtung genehmigt. Dabei werden Schutzfolien über Obstbäume gespannt, um sie vor Regen und Hagel zu schützen

Mainz. Ein Obstfeld im Kreis Mainz-Bingen sorgt für Streit zwischen Naturschützern und Behörden. Die Kreisverwaltung hatte zwischen Wackernheim und Mainz-Finthen eine sogenannte Kulturschutzeinrichtung genehmigt. Dabei werden Schutzfolien über Obstbäume gespannt, um sie vor Regen und Hagel zu schützen. Das Kirschbaumfeld für diesen Modellversuch steht im "Dünen- und Sandgebiet Mainz-Ingelheim", einem Vogelschutzgebiet. Die Folien rufen daher verärgerte Naturschützer auf den Plan."Vögel, Schmetterlinge und Libellen finden aus den Eindachungen nicht mehr heraus", sagt Michael Schmolz, Geschäftsführer der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) in Mainz. Zudem hätten Greifvögel keine Gelegenheit zu jagen und würden vertrieben. Die Gnor hält die Genehmigung für rechtswidrig. Olaf Strub, Naturschutzreferent des Naturschutzbundes Rheinland-Pfalz (Nabu) befürchtet eine Signalwirkung des Foliendachs. "Wenn es erstmal eine solche Anlage gibt, werden andere Obstbauern schnell nachziehen", sagt er.

"Die Behörden haben dann doch keine Argumente mehr, eine solche Anlage in Zukunft abzulehnen, wenn sie in einem Vogelschutzgebiet bereits gebaut wurde." Das Umweltministerium und die Kreisverwaltung halten dagegen, dass es sich um ein Modellprojekt handele. Die Anlage war im Juli 2010 vom Umweltministerium in Auftrag gegeben worden - demnach dürfen die Obstbauern von Mitte März bis Ende August die Folien aufspannen. Die Universität Koblenz erstelle eine Studie über die ökologischen Folgen. Zudem habe es strenge Auflagen gegeben, um Vögel, Insekten und Fledermäuse nicht unter dem Dach einzusperren.

In Rheinland-Pfalz wird auf rund 4300 Hektar erwerbsmäßig Obst angebaut. Obstbauern argumentieren, dass durch den Klimawandel und ausländische Konkurrenz Schutzeinrichtungen für Äpfel und Kirschen notwendig werden. Ähnliche Anlagen sind aus Spanien oder Südtirol bekannt. "Wenn sich das Projekt bewährt, muss mit Blick auf die Kosten über eine Fortführung entschieden werden", sagt Andrea Adams, Sprecherin des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Die Schutzanlagen kosten rund 10 00 Euro pro Hektar. Europaweit gebe es momentan keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Vögel zu Schaden kämen, argumentiert das Umweltministerium. dpa