| 23:16 Uhr

Steinerner Horst hoch über den Wäldern

Wie ein Zeigefinger der Geschichte ragen die Überreste von Fleckenstein in den Himmel. Fotos: Georg Bense
Wie ein Zeigefinger der Geschichte ragen die Überreste von Fleckenstein in den Himmel. Fotos: Georg Bense
Lembach. Hoch über den Baumwipfeln thront Burg Fleckenstein im Elsass. Kein elegantes Schloss mit kunstvoller Fassade, sondern eine Trutzburg, die einst der Abschreckung und der Machtdemonstration diente. Georg Bense

Gerade mal 200 Meter von der deutsch-französischen Grenze zur Pfalz entfernt, liegt inmitten der Vogesenwälder Burg Fleckenstein, eine der imposantesten Burgruinen des unteren Elsass. Entstanden im 12. Jahrhundert ist sie nach wechselvoller Grenzlandgeschichte heute ein viel besuchtes Ausflugsziel.

Aus der Ferne, wie ein Zeigefinger der Geschichte: Von der Höhe eines mächtigen Felsen weist der Mauerrest einer Burgruine himmelwärts. Dokumentiert ein Stück Zeitgeschichte, das über acht Jahrhunderte zurückliegt. Im Elsass soll es mehr als 500 Burgen und Schlösser geben. Alle sind Zeugen einer gewalttätigen Geschichte in Folge von Krieg, Not und Tod.

Burg Fleckenstein liegt malerisch auf dem schmalen Grat eines 57 Meter langen und acht Meter breiten Sandsteinfelsens. Ein steinernes Schiff über einem Meer von Baumwipfeln. Gebaut, als die Hohenstaufen im Elsass ihre Macht festigten und die Verteidigungslinie ihrer Vogesenburgen verstärkten. Sechs Jahrhunderte lebte die Familie der Grafen von Fleckenstein auf diesem Adlerhorst, bei dessen Anblick man sich fragt, wie es den Erbauern wohl gelang, auf engstem Raum, in 43 Metern Höhe eine derart gewaltige Burganlage zu bauen, deren steinerne Wucht bis heute ihre abschreckende Wirkung nicht verloren hat.

Solche Höhenburgen waren keine eleganten Schlösser mit kunstvoll gestalteten Fassaden. Trutzburgen waren sie. Als Abschreckung und Machtdemonstration gedacht. Details ihrer Vergangenheit verbergen sich oft im Dunkel der Geschichte. Sind aber auch Spurenelemente in Sagen und Legenden. Handschriftliche Zeugnisse sind eher selten. In den kalten Gemäuern lebten keine schreibkundigen, feinsinnigen Mönche. Ritter hatten das Sagen. Krieger, Kämpfer. Eine Welt des Schwert- und Faustrechts prägte den Alltag. Doch trotz ausgeklügelter Belagerungs- und Verteidigungsstrategien, das Schicksal solcher Burgen war ihre Zerstörung, war der Verfall. Ein Ende als Steinbruch. "Wer in der Gegend bauet /der nimmt zu seinem Haus/ von den zerfallenen Mauern/ sich einen Stein heraus." Burg Fleckenstein war dieses Schicksal lange erspart geblieben. Nie wurde sie erobert, nie besiegt. Erst Ende des 17. Jahrhunderts kam ein kampfloses Aus. Auf Befehl Ludwig XIV. sprengten seine Truppen auf ihrem Vormarsch nach Osten Gebäude, Türme, Mauern und Ringwälle. Nur wenig später starb das Geschlecht der Grafen von Fleckenstein aus. Ihre Burg verschwand hinter den Nebeln der Geschichte.

Heute stehen die Burgtore wieder offen. Zu geregelten Uhrzeiten erwacht die Ruine zum Leben in einer Gegenwart, die sie zum Museum gemacht hat. Ein Abenteuermuseum mit Ritterromantik im Angebot. Die Geschichte der Burg und ihres Adelsgeschlechts sind Themen geführter Rundgänge. Dann wird der Fleckenstein zur "Rätselburg". In Form einer historischen Schnitzeljagd von drei Stunden, geführt von einem fiktiven Burgherrn. An die 7000 Besucher folgen jährlich solchen historischen Spuren, streifen durch die in den Sandstein gehauenen Räume, Kammern und Schächte, gelangen über Gänge und Treppen schließlich bis ganz nach oben. Und dort erwartet den Besucher eine beeindruckende Naturkulisse. Weit und doch nah, geht der Blick über das Meer der Bäume zum Horizont zur "blauen Linie der Vogesen" und zum Pfälzerwald. Poetisches Ende eines Rendez-vous mit einer kriegerischen Geschichte.

Anfahrt von Zweibrücken über Hornbach nach Bitsch. Von dort in Richtung Wissembourg bis Lembach . Vier Kilometer vor Lembach nach links abbiegen und der Beschilderung "Château Fleckenstein" folgen.

In den engen Gängen können sich Besucher auf die historischen Spuren der Burg begeben.
In den engen Gängen können sich Besucher auf die historischen Spuren der Burg begeben.