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Schottergärten müssen nicht sein
Das Grün vor lauter Steinen nicht finden

 Botanische Vielfalt im Steingarten zieht Erdhummeln und Wildbienen an und bietet ihnen auch Nistplätze.
Botanische Vielfalt im Steingarten zieht Erdhummeln und Wildbienen an und bietet ihnen auch Nistplätze. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / OGphoto
Statt Schottergärten: Wie sich der Bereich vorm Haus ökologisch wertvoll gestalten lässt. Von Sophia Schülke

Als aufgeräumt, elegant und pflegeleicht lieben ihn die einen, als tot, teuer und deprimierend hassen ihn die anderen: An Schottergärten scheiden sich die Geister. Während sich ihre Fans über wie weggeblasene Rückenschmerzen und mehr Freizeit freuen, bemängeln ihre Kritiker, dass Insekten und Vögel darin weder Nahrung noch Lebensraum finden, und so Sommerhitze noch verstärkt wird. Doch vielleicht liegt die goldene Mitte näher als es scheint.

Die Saarbrücker Gartenplanerin Eva-Marie Ratius, zu deren Angebot auch Seniorengärten gehören, gibt in punkto Schotter gleich vorweg zu bedenken, dass solche Anlagen ebenfalls aufwendig sind. Auch wenn sie anfangs einfacher gepflegt werden können. Aber: „Nach ein paar Jahren kann ein Schottergarten sehr schmuddelig aussehen, vor allem, wenn Herbstlaub gefallen und zu Erde verrottet ist, und sich Unkräuter angesiedelt haben.“ Dann schaffen meist nur Unkrautvernichter oder eine komplette Sanierung Abhilfe – dabei ist das eine ökologisch schädlich, das andere verlangt Zeit und Geld.

Doch auch für Hausbesitzer, die sich im Garten nicht ständig krumm machen wollen oder können, gibt es Möglichkeiten, die weniger Aufwand verlangen und dennoch Lebensraum und bunte Ästhetik bieten. Statt eines sterilen Schottergartens kann Ratius eine Fläche mit Bodendeckerstauden und Gehölzen empfehlen. Niedrige Stauden wie Storchenschnabel, Kleines Immergrün oder Pfennigkraut unterdrücken unerwünschte Wildkräuter und können mit Gräsern ebenfalls zu einem pflegeleichten Beet anwachsen.



Je nach Lage und vorhandener Sonneneinstrahlung lassen sich auch ein Kies-, Wald- oder Steingarten anlegen. Warme Fleckchen eignen sich für einen Kiesgarten, in dem Ziergräser und Präriestauden gut zur Geltung kommen. Locker bepflanzt und mit Lücken für Wege, entsteht so ein abwechslungsreiches Beet, das nach dem ersten Jahr nicht mehr oder kaum gegossen werden muss und unter dem ein Vlies das Wildkräuterwachstum hemmt.

Grüne Buchsbäumchen, lilafarbener Lavendel, rosa Steinbrech, blaue Enziane und rote Grasnelken sind wie Aloe Vera genügsame Pflanzen, die sich in einem Steingarten wohlfühlen. Obendrein zaubern die robusten Schönheiten ein alpines Urlaubsflair vor die Haustür. „Steingärten sind gut für die Artenvielfalt und schaffen vor allem für Hummeln und Eidechsen einen Lebensraum“, berichtet Gartenberaterin Ratius aus ihrer Erfahrung. Für den Schatten- oder Waldgarten, der am besten auf einer Nord- oder Westseite angelegt wird, rät sie zu Frühjahrsblühern und Farnen. Kletterpflanzen wie Efeu, Hopfen oder Bunte Kronwicke sorgen dann noch für einen Hauch von Märchenwald.

Hausbesitzern mit Schottergärten schlägt Ratius vor, wenigstens mittels Blumenkübeln und Minibeeten blühende Inseln zu schaffen. „Wenn man in Töpfen kleine Blumenwiesen sät und sie rundherum mit Zweigen oder Bambus-Stäben stützt, kann man Schottergärten wunderbar aufwerten.“ Auch ein Rasenstreifen oder eine Kante aus Lavendel, Stauden und Tulpen biete Insekten wieder Nahrung und Unterschlupf. In Kommunen wie Dortmund, Paderborn oder Erlangen haben Schottergarten-Fans übrigens eh Pech, denn dort sind die versiegelten Flächen aufgrund ihrer vielen ökologischen Nachteile in Bebauungsplänen für Neubaugebiete verboten.

 „Onkel Fritz, in dieser Not, Haut und trampelt alles tot. (...)“, dichtete Wilhelm Busch. Schottergärten lösen vermeintliche Probleme von „Käferkrabbelei“ auch, nur subtiler.
„Onkel Fritz, in dieser Not, Haut und trampelt alles tot. (...)“, dichtete Wilhelm Busch. Schottergärten lösen vermeintliche Probleme von „Käferkrabbelei“ auch, nur subtiler. FOTO: Getty Images / istock / fotolinchen
 Wer Zauneidechsen beobachten will, muss Lebensraum und Nahrung bieten.
Wer Zauneidechsen beobachten will, muss Lebensraum und Nahrung bieten. FOTO: Getty Images / Antagain