| 00:00 Uhr

Spinne im Netz der Büchereien

Koblenz. LBZ – nicht allzu vielen Rheinland-Pfälzern dürfte diese Abkürzung geläufig sein. Sie steht für das Landesbibliothekszentrum. Seit nunmehr zehn Jahren koordiniert es die Arbeit der Landesbibliotheken – darunter die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken. Und dient sämtlichen Büchereien zwischen Westerwald und Pfalz dpa-Mitarbeiter Christian Schultz

Annette Gerlach hat mal eine Studentin erlebt, die glaubte, sie könne ihre Abschlussarbeit nicht schreiben. Die junge Frau habe keine Literatur im Internet gefunden, erzählt die Leiterin des Landesbibliothekszentrums (LBZ) Rheinland-Pfalz. "Sie ist fast durchgedreht." Das zeige, wie wichtig es sei, Informations- und Medienkompetenz zu fördern, alternative Recherchewege zu erklären jenseits von Google und Co. Das ist eine der Aufgaben des LBZ, das am 1. September sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Das Zentrum hatte Ende 2013 insgesamt 175 Beschäftigte. Es vereint die Rheinische Landesbibliothek Koblenz , die Pfälzische Landesbibliothek Speyer , die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken sowie die Büchereistellen in Koblenz und Neustadt an der Weinstraße. "So etwas gibt es in dieser Form in keinem anderen Bundesland", sagt Gerlach.

Die drei Bibliotheken vereinigen mehr als 1,8 Millionen Medieneinheiten unter dem Dach des LBZ. Im vergangenen Jahr zogen sie knapp 200 000 Besucher an. Schon zwei Jahre nach der LBZ-Gründung startete 2006 ein Online-Katalog - das erste System, das Bestände der Landesbibliotheken eines Bundeslandes in einem gemeinsamen Katalog für Nutzer anbot. 2013 wurden hier mehr als 150 000 Bestellungen zwischen den Standorten gezählt. 2008 kam das Internetportal "dilibri" hinzu, eine mittlerweile auf rund 833 000 Scans angewachsene digitalisierte Sammlung landeskundlicher Werke.

"Wir sammeln aus dem Land, über das Land und für das Land", umschreibt Gerlach die Arbeit des dem Mainzer Bildungsministerium unterstellten Zentrums. Die Bibliotheken Koblenz und Speyer horten Pflichtexemplare aller gedruckten Publikationen aus Rheinland-Pfalz - selbst Werke im Selbstverlag oder Abizeitungen. Abseits des LBZ tun das auch die Stadtbibliotheken Trier und Mainz, um die Wege für Leser kurz zu halten. Es gehe um den Erhalt von Kulturgut, sagt Gerlach. "Wir können nicht wissen, was später mal interessant wird." Einmal hätten etwa Klimaforscher mal nach alten Erntedank-Predigten gesucht.

Doch das eifrige Sammeln des LBZ stößt in der digitalen Medienwelt an Grenzen. Zwar werden seit 2002 auch elektronische Publikationen und regionale Webseiten gesammelt und auf dem Archivserver "edoweb" ( www.edoweb.rlp.de ) zur Verfügung gestellt. "Wir haben aber noch keinen gesetzlichen Anspruch, digitale Veröffentlichungen einzufordern", sagt Gerlach. Im Landesmediengesetz sei dies bislang nur für alles Gedruckte geregelt, nicht aber für Digitales. Ob digital oder analog - für die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD ) steht die große Bedeutung des LBZ außer Frage. Damit sei vor zehn Jahren ein zentraler Service für alle Bibliotheken im Land geschaffen worden. Die habe seither dafür gesorgt, dass Bibliotheken moderner und effektiver sowie neue Lesergruppen erschlossen wurden. "Dabei denke ich vor allem an die Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen."

Gerade in der Leseförderung organisiert das LBZ viele Aktionen mit anderen Bibliotheken . Mit dabei war auch schon der bekannte Kinderbuchautor Stefan Gemmel aus Lehmen an der Mosel. "Zehn Jahre Landesbibliothekszentrum - das bedeutet zehn Jahre gebündelte Kompetenz und Wissen, gepaart mit sehr viel Eifer und Engagement", lobt er. Gemmel schrieb 2013 extra für ein Projekt in der Adventszeit eine Geschichte. Dabei habe er hautnah erleben können, mit wie viel Enthusiasmus dort zu Werke gegangen werde.

Die zwei LBZ-Büchereistellen bieten Beratungen und Dienstleistungen für kleinere Büchereien an. Die können darüber Bestellungen abwickeln oder Medien katalogisieren lassen. Gerlach sieht das Zentrum insgesamt als wichtige Brücke zwischen den Bibliotheken . Denn etwa um öffentliche Büchereien in Kommunen sei es angesichts vieler klammer Gemeindekassen nicht gut bestellt. Vielerorts sähe es ohne die Arbeit Ehrenamtlicher "bibliothekarisch dünn" aus, sagt die LBZ-Leiterin.

Für die LBZ-Chefin geht es letztlich darum, das im Bibliothekswesen vorhandene, nicht gerade üppige Geld möglichst optimal zu nutzen. Dieser Gedanke liegt auch dem Onleihe-Verbund für elektronische Medien zugrunde. Dem werden bis Ende dieses Jahres 42 Bibliotheken im Land beigetreten sein. Alle werfen Geld in einen Topf für den Kauf von Lizenzen für Ebooks, Zeitungs-E-Paper oder andere elektronische Publikationen , auf die dann Nutzer aller Häuser zugreifen können. Bei Verhandlungen mit Verlagen sei man so stärker, sagt LBZ-Chefin Gerlach.