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Sind Europäer bessere Afrikaner?

Der Schotte Gerard Butler spielt in „Gods of Egypt“ die alt-ägyptische Gottheit Seth. Ist das eine Art Besetzungs-Rassismus, wie manche Kritiker sagen, oder künstlerische Freiheit? Foto: Concorde
Der Schotte Gerard Butler spielt in „Gods of Egypt“ die alt-ägyptische Gottheit Seth. Ist das eine Art Besetzungs-Rassismus, wie manche Kritiker sagen, oder künstlerische Freiheit? Foto: Concorde FOTO: Concorde
Los Angeles. Ein Schotte und ein Däne spielen ägyptische Gottheiten? Da hätte man doch afrikanische Darsteller verpflichten müssen, sagen manche Kritiker angesichts des Films „Gods of Egypt“ und sprechen gar von Rassismus. Der Regisseur hat sich nun entschuldigt. Tobias Kessler

Dass sich ein Regisseur für einen Film entschuldigt, ist zwar oft angebracht - geschieht aber so gut wie nie. Passiert ist es nun aber vor dem US-Start des Sandalenfilms "Gods of Egypt", der jetzt auch bei uns anläuft. Die schlechten Digitaltricks hätten auch ein herzhaftes mea culpa verdient, die Entschuldigung gilt aber der Besetzung: Der Film spielt in Afrika, die ägyptischen Charaktere, zumindest die Hauptrollen, werden aber fast durchweg von weißen Mimen gespielt - darunter der Däne Nikolaj Coster-Waldau und der Schotte Gerard Butler, der im Schlachtengemälde "300" den König von Sparta spielte. Regisseur Alex Proyas sagte nach ersten Protesten, die Besetzung hätte einer "ethnischen Vielfalt stärker Rechnung tragen müssen".

Ähnliche Vorwürfe trafen zuletzt auch Ridley Scotts Film "Exodus", in dem der bleiche Brite Christian Bale Moses spielt, der Australier Joel Edgerton den Pharao Ramses. Mancher Kritiker nannte diese Besetzung - mit dunkelhäutigen Darstellern nur in Nebenrollen - rassistisch. Regisseur Scott erklärte seine Gründe schlicht mit den Marktgesetzen: Für einen Film "mit einem Hauptdarsteller namens Mohammed Soundso aus Sonstwo" hätte er keine Finanzierung auftreiben können. Das meint wohl auch "Gods of Egypt"-Regisseur Proyas, wenn er verklausuliert von "komplizierten Faktoren des Besetzungsprozesses" spricht. Für die Finanzierung braucht man Stars, und von denen sind die meisten weiß (und männlich), weil die "Entscheider" in den Studios, die Karrieren langfristig aufbauen, meist weiß (und männlich) sind.

Bei "Gods of Egypt" kommt hinzu, dass der Film in Australien entstand und dort mit einer Art Filmförderung unterstützt wurde - über Steuernachlässe - , die aber auch eine Mitsprache des Produktionsstandorts mit einschließt. Das erklärt, dass viele Australier die ägyptischen Hauptrollen spielen: Geoffrey Rush ("The King's speech") etwa den Sonnengott Ra. Nur: Gibt es in Australien keine nicht-weißen Australier? Das schon, aber die sind international weniger bekannt als etwa Rush, auch wenn der alleine keine Horden von Publikum ins Kino lockt.



Generell hat das Besetzen weißer Darsteller für Rollen anderer Ethnien eine Tradition und trägt den Namen "Whitewash". Das geschieht entweder durch die Besetzung oder gleich durch das Umschreiben der Rolle. In der Comicvorlage des Films "Wanted" (2008) etwa ist die Heldin schwarz, in der Verfilmung weiß - so kann die höchst populäre Angelina Jolie die Rolle spielen. Ist das nun Rassismus oder einfach ein kapitalistisch motivierter Kniff, da es keine schwarze Schauspielerin mit ähnlicher Zugkraft gibt (da keine langfristig aufgebaut wird)? Und wenn man etwa die Figur Cleopatra mit dem größten weiblichen Star seiner Zeit besetzen kann, dann greift man eben gerne, im Jahre 1963 war das, zu der Britin Elizabeth Taylor .

Offensichtlichen Rassismus muss man es nennen, wenn etwa US-Schauspieler Mickey Rooney in "Frühstück bei Tiffany" (1961) einen Japaner spielt: mit einem auf die Originalbeißer gestülpten Nahkampfgebiss - so wie die bösen Japaner in US-Propagandafilmen der 40er Jahre aussahen (wie auch in frühen "Tim & Struppi"-Comics). Dagegen ist der Ur-Amerikaner John Wayne als Dschingis Khan im Film "Der Eroberer" (1956) schon fast unauffällig - unauffälliger jedenfalls als Schauspielfürst Laurence Olivier, der sich für seinen "Otello"-Film von 1965 das Gesicht schwärzte. Aber ist Olivier nun ein Rassist, weil er die Rolle in schwarzer Kostümierung gespielt hat? Oder war das einfach seine künstlerische Freiheit?

Eine Diskussion hat jetzt der Trailer zum kommenden Marvel-Superheldenfilm "Doctor Strange" ausgelöst: Ein tibetischer Zauberer wird im Film a) zur Zauberin und b) von einer Nicht-Asiatin gespielt (Tilda Swinton). Ist das nun Rassismus und Feminismus gleichzeitig? Es bleibt schwierig zu entscheiden.

"Gods of Egypt" startet morgen in einigen Kinos der Region.