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Gericht untersucht Bluttat
Selbstmord ausgeschlossen

Zweibrücken. Im Thaleischweiler Totschlagsprozess haben Gerichtsmediziner und Bewährungshelferin ausgesagt. Von David Oliver Betz

Am Mittwoch ist der Prozess um einen getöteten Mann am Landgericht Zweibrücken fortgesetzt worden. Dabei wurden vor allem Sachverständige gehört. Ein Gerichtsmediziner konnte einen Selbstmord des Opfers so gut wie ausschließen. Im Januar kam es in Thaleischweiler-Fröschen zu dem Beziehungsdrama (wir berichteten). Die Angeklagte (51) hatte im Streit ihrem Lebensgefährten (57) ein Messer in den Hals gerammt und ihn getötet. Zusammen mit ihrer gerade aus der Haft entlassenen Tochter versuchte die Angeklagte, die Tat zu vertuschen und es der Polizei als Selbstmord zu verkaufen. Dazu legten sie ein Steakmesser auf den Boden und säuberten die vermutliche Tatwaffe von Blut und Fingerabdrücken. Später dann beschuldigte sie die Tochter der Tat, bevor sie die Tötung ihres Lebensgefährten gestand.

Am Mittwoch wurde ein Gerichtsmediziner gehört, der die Leiche vor Ort in Augenschein genommen hatte und später auch mit Kollegen obduzierte. Vor Ort sei zunächst nicht erkennbar gewesen, dass das Steakmesser mit seiner etwa elf Zentimeter langen Klinge nicht die Tatwaffe sein konnte, so der Mediziner. Bei der genaueren Untersuchung des Schnittkanals sei dann schnell klar gewesen, dass mit einem erheblich längeren Messer zugestoßen worden war. Der Schnittkanal ging von der linken Halsseite bis zum rechten Brustkorb. Dabei wurden zwei Hauptschlagadern durchtrennt.

Dass das Blut nach innen floss, sei auch der Grund, warum der Tatort vergleichsweise unblutig ausgesehen habe, so der Gerichtsmediziner. Aufgrund der Länge des Schnittkanals und der daraus logischen Länge des Messers sei ein Selbstmord sehr, sehr unwahrscheinlich. Auch der Winkel des Schnittkanals weise darauf hin, dass es nahezu unmöglich sei, sich selbst derart zu verletzen. Weder Mutter noch Tochter hätten Kampfspuren am Körper erkennen lassen. Die Tat sei wohl recht statisch verlaufen, dafür sprächen auch die Blutspuren am Körper des Opfers. „Er muss mindestens einige Sekunden aufrecht gestanden haben, ehe er zusammengesackt ist. Das erkennt man an der Tropfenbildung des Blutes“, so der Gerichtsmediziner. Dass der Mann sich so wenig gewehrt habe, könne auch am gemessenen Blutalkoholwert von 2,41 Promille gelegen haben.



Später wurden in der Küchenschublade zwei Messer von 45 und 33 Zentimetern Länge gefunden. Beide haben eine Klingenlänge von etwa 28 Zentimetern und kommen damit als Tatwaffe in Frage. Doch die Analyse förderte keine eindeutig zuordbaren und belastenden DNA-Spuren zutage. Allerdings deckt sich das alles mit der früheren Aussage von Mutter und Tochter, dass sie das Messer gesäubert und weggeräumt hätten, bevor sie den Selbstmord fingierten. Anhand der Körpertemperatur beim Eintreffen des Gerichtsmediziners ist davon auszugehen, dass die Tat zwischen zwei und fast acht Stunden vorher verübt worden war, genug Zeit also, um die Spuren zu verwischen.

Zuvor war die Bewährungshelferin der beiden Frauen und des Opfers verhört worden. Es sei zwar ungewöhnlich, dass eine Person quasi die ganze Familie betreue, doch in diesem Fall sei es eben so gewesen. Die Bewährungshelferin kannte die Angeklagte bereits mehrere Jahre und konnte auch keine schlüssige Erklärung für die Bluttat erkennen. Zwar habe sie zuletzt wieder stark getrunken, doch eigentlich habe sie stets betont, dass das spätere Opfer die Liebe ihres Lebens sei, der erste Mann, der sie gut behandelt habe.

Dass es zwischen Mutter, Tochter und dem Opfer immer wieder Streitigkeiten über die Wohnsituation gegeben habe, das sei ihr allerdings bekannt gewesen. Die Tochter – eine psychisch angegriffene und höchst aggressive Intensivtäterin – war nach einer verbüßten, sechseinhalb Jahre dauernden Haftstrafe bei Mutter und Lebensgefährte eingezogen. Inzwischen sitzt sie wegen einer anderen Sache wieder im Gefängnis.

Ebenfalls vernommen wurde der Richter, der den Sohn der Angeklagten verhört hatte. Der Sohn war noch am Tatabend zu Mutter und Schwester gefahren. „Ich hatte den Eindruck, dass der Sohn sehr an der Klärung interessiert war. So nach dem Motto: Ich will jetzt wissen, was da war“, gab der Richter zu Protokoll. Demnach soll die Angeklagte gesagt haben: „Ich will nicht 15 Jahre weg“, also hinter Gitter. Doch die Schwester habe weitere Fragen unterbunden und so habe nur der Selbstmord im Raum gestanden, den der Sohn so offensichtlich nicht glaubte. Der Sohn selbst verweigerte bereits bei einem vorherigen Termin die Aussage vor Gericht.

Eine Gerichtshelferin, die die Angeklagte vernommen hatte, berichtete, dass die Tochter bereits in Kindheit und Jugend durch aggressives Verhalten aufgefallen sei. Im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren habe sie die Mutter mit einem Messer bedroht und es ihr an die Kehle gehalten. Danach sei sie in einem Heim untergebracht worden. Der Prozess wird heute um neun Uhr fortgesetzt.