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Ich lebe gerne in Lambsborn
Seit 100 Jahren im Kerwe-Modus

 Die Lambsborner Straußbuwe und Straußmäde fiebern auf der Treppe zum „Kuckucksnest“ schon dem Großereignis entgegen.
Die Lambsborner Straußbuwe und Straußmäde fiebern auf der Treppe zum „Kuckucksnest“ schon dem Großereignis entgegen. FOTO: Volker Baumann
Lambsborn feiert vom 13. bis 17. September seine „Jubel-Kerwe der Neuzeit“. Von Volker Baumann

In knapp vier Wochen ist es in Lambsborn soweit und darauf hat man sich eigentlich schon ein Jahrhundert vorbereitet. „100 Jahre Lambschborner Kerwe der Neuzeit“ – so steht es in der 104-seitigen Festschrift, die Günter Agne zusammengestellt hat.

Das bedarf schon heute der optimalen Vorbereitung und Besprechung. Deshalb trifft sich bereits seit Wochen im Lambsborner „Kuckucksnest“ jeden Freitag die Straußjugend, um das Programm der Tage, an denen sie losgelassen, durchzugehen, die Kerwerede vorzubereiten und – das wichtigste Utensil nicht zu vergessen – die Bänder für den Kerwestrauß, sage und schreibe  20 000 an der Zahl, zu „knibbeln“.

Die Straußjugend Lambsborn ist zum Jubiläumsjahr stark wie nie aufgestellt. Vierzehn feierlaunige Buwe (Marius Knapp, Felipe Fernandez, Luis Burgard, Keven Homann, Simon Silzer, Fabian Uhl, Florian Kobel, Florian Agne, Dennis Fedosow, David Fernandez, Karl und Mario Zimmermann, Sebastian Baus, Felix Burgard) und zwölf Mäde (Lilly Vollmar, Isabelle Mannschatz, Caroline Agne, Fabienne Rauch, Franziska Baus, Hanna Agne, Bettina und Kristin Rothhaar, Julia von Schrader, Nina Agne, Marie Stark, Samantha Hoffmann) bestimmen am Kerwe-Wochenende die etwas andere Politik im Dorf.



Die Kerb wird in Lambsborn vor allem in und um das „Kuckucksnest“ gefeiert. In der Talstraße wird ein kleiner Jahrmarkt mit Kinderkarussell, Schießbude, Luftballons und „Schneeges“ aufgebaut. Los geht das feucht-fröhliche Wochenende für die Straußjugend schon freitags, zunächst mit einem Arbeitseinsatz, denn die im Vorjahr begrabene Kerb muss ja wieder ausgegraben werden. Wohl dem, der noch weiß, wo das gute Stück – symbolisch eine volle Weinflasche – eingegraben wurde. Es sei auch schon vorgekommen, dass der Grundstücksbesitzer die Flasche gegen ein hochprozentiges Getränk ausgetauscht hat. „Dann starten wir auch schon hochprozentig“, lachen die Kerwe-Planer, die sich, laut Ritual, zunächst bis Mitternacht in ein Nebenzimmer zurückziehen und dann mit der ausgegrabenen Kerwe den Schankraum des „Kuckucksnest“ stürmen, wo sie schon „bei voller Bude“ mit Musik erwartet werden. Diesmal legt DJ „Hossa“ zur Kerwedisco auf.

Kuckucksnest-Wirtin Petra Zimmermann hat sich dann mit ihrer Mannschaft schon auf den Ansturm vorbereitet und wird, wie man sie kennt, an allen Tagen die Kerwegäste in besonderem Maße zufriedenstellen. Nicht nur auf die Straußjugend, auch auf die gute Küche ist bei der Kerwe  Verlass. Samstags steht das „Fußball-Kerwespiel“ auf dem Programm der Straußjugend, bevor dann abends die Party bis zum Abwinken steigt, bei der die ersten drei Tänze der Straußjugend gehören.

Am Sonntag ist dann erst mal „Straßensperre“ angesagt, denn keiner sollte sich wagen, die Lambsborner Kerb zu durchfahren, ohne einen gewissen Obolus zu entrichten und damit das „Maaß-Trinken“ zu ermöglichen.  „Nach der anstrengenden ‚Verkehrssammlung‘ geht’s erst mal zu Oma nach Hause, die meist für 30 Mann Essen kocht“, freut sich Marius Knapp schon wieder auf das jährliche „Kerwemahl“. Die Energie wird auch gebraucht, denn danach wird es wieder anstrengend, wenn am „Kuckucksnest“ der Kerwe-Umzug startet, bei Blasmusik der „Hofgasslern“ aus Kirrberg und viel Tamtam der Kerwestrauß  über die Leiter in seine Halterung gesetzt und ab 15 Uhr die „Kerweredd“ vom Fenster aus verlesen wird.

Am Kerwe-Umzug darf jeder mitgehen, besonders gern gesehen sind zum Jubiläum, in weißem Hemd und Gilet, alle ehemaligen „Lambschborner Straußbube und Mäde“, insbesondere falls sie schon 100 Jahre alt sind.  Am Nachmittag folgt dann ein Platzkonzert mit den Hofgasslern im Wiesegarde. Im „Kuckucksnest“ wird dann weitergefeiert und – von denen die montags noch übrig sind – gleich der Frühschoppen mit Live-Musik von Werner Stucky eröffnet. Nach dem obligatorischen „Kerbekaba“ (Kaba und „Grumbeerschnaps) der Straußjugend ist am Montag wieder „Sammeltag“, bei dem Lieder aus den Kehlen der Straußjugend erklingen, wenn sich beim Klingeln an der Haustür ein edler Spender findet. Ein „verlängerter Dämmerschoppen“ mit der Partyband „Firma Holunder“ lässt den Montag vermutlich bis in den Dienstag ausklingen.

Ehe sich die Jubiläums-Kerwe dienstags ihrem nicht erhofften Ende zuneigt, wird in Lambsborn noch der Hammel ausgetanzt. Diesmal mit besonderem Vorprogramm – einem großen „Jubiläums-Hammel-Umzug“ mit dem Musikverein Bruchmühlbach. Aufstellung ist um 17 Uhr am „Kuckucksnest“ und der Zug zieht zu „Pinkersch Höfche“, wo „auf neuem Asphalt“ der Hammel ausgetanzt wird. Der Brauch: Ein Blumenstrauß wird unter der Straußjugend beim Tanz hin- und hergeworfen, bis ein Jäger in die Luft schießt. Wo er gerade gelandet ist, bekommt das „Mäde“ den Strauß und der „Bu“ muss den Hammel nach Hause bringen. Nach geschlossenem Rückmarsch findet im „Kuckucksnest“ mit dem Duo „Jürgen und Manfred“ die Kerwe ihren Ausklang. Ab zwölf Uhr wird sie dann wieder nach alter Manier begraben. Ein Jubiläum, wie es im Kerwe-Buch steht.⇥bav