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Schuhe über Schuhe: Hauenstein ist Einkaufshochburg

 In den Hauensteiner Schuhgeschäften gehen auch sonntags Kunden aus ganz Deutschland auf Schnäppchenjagd. Foto: dpa
In den Hauensteiner Schuhgeschäften gehen auch sonntags Kunden aus ganz Deutschland auf Schnäppchenjagd. Foto: dpa
Hauenstein. "Weck, Worscht un Woi" - das sind die Attribute, die man gerade in der Herbstzeit mit der Pfalz in Verbindung bringt. Im südwestpfälzischen Luftkurort Hauenstein gehört noch ein viertes dazu: Schuhe. Die dürfen hier sogar sonntags verkauft werden. Und das Geschäft boomt

Hauenstein. "Weck, Worscht un Woi" - das sind die Attribute, die man gerade in der Herbstzeit mit der Pfalz in Verbindung bringt. Im südwestpfälzischen Luftkurort Hauenstein gehört noch ein viertes dazu: Schuhe. Die dürfen hier sogar sonntags verkauft werden. Und das Geschäft boomt.Hauenstein war nach eigenen Angaben einst das größte Schuhdorf Deutschlands mit 35 Schuhfabriken und bis zu 4000 Arbeitern. Seit 1998 gibt es in dem Örtchen den sonntäglichen Schuhverkauf. Ein findiger Kommunalpolitiker hatte zuvor das wirtschaftliche und touristische Potenzial erkannt, Schuhe als ein "ortstypisches Produkt" zu deklarieren, was nach dem rheinland-pfälzischen Luftkurortgesetz erst den sonntäglichen Verkauf ermöglicht. Seitdem boomt das Geschäft mit Stiefeln, Slippern und Sandalen. Sogar eine "Schuhmeile" hat sich gebildet.

Mehr als eine Million Paar Schuhe sollen hier in den inzwischen 24 Geschäften zur Auswahl stehen. Wirklich nachgezählt hat das wohl noch niemand. Aber das Angebot ist riesig - und offensichtlich günstig. "Bei uns kosten Schuhe dieser Marke fast das Doppelte", begründet ein Ehepaar aus Frankfurt seinen Sonntagsausflug in die Südwestpfalz.

Geöffnet sind die Läden an den Sonntagen von April bis Oktober ab 13 Uhr - ein Entgegenkommen gegenüber dem vorwiegend weiblichen Verkaufspersonal, das auf diese Weise zumindest noch den Vormittag hat, um sich um Kinder und Co. zu kümmern. Die Kirche, die anfangs in dem früher erzkatholischen Dorf vehement protestierte, hat sich inzwischen mit der Situation abgefunden. "Man hat erkannt, dass es hier auch um Arbeitsplätze und um das Wohl von Familien geht", sagt Ortsbürgermeister Bernhard Rödig (FDP). Zumal man durch die Öffnung erst am Nachmittag nicht mit den Gottesdiensten in Konflikt komme.



"Die Schuhmeile ist für uns ein Glücksfall", betont Bürgermeister Rödig. Sie bringt nicht nur Gewerbesteuereinnahmen - nach Berechnungen der Industrie- und Handelskammer Pfalz macht der Sonntagsverkauf in Hauenstein rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes der beteiligten Firmen aus. Die Schuhe werben auch für den Ort. dpa