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Freude und Elend des Tanzens in Metzer Foto-Schau

 Bohumil Kröhn lichtete die Tänzerinnen in den 1930ern ab.
Bohumil Kröhn lichtete die Tänzerinnen in den 1930ern ab. FOTO: Danseuses Dr. Bohumil Kröhn 1930-1940
Metz . Von Sophia Schülke

In Nizza hängt eine Tanzpartnerin restlos verausgabt auf dem Arm ihres beinahe ebenso müden Partners; keine paar Schritte weiter, vollführt ein gelöster Robert Mitchum in Cannes elegant ein Tänzchen am Strand. Ob klassisch oder modern, Profi oder Laie, Kunst oder Zeitvertreib – Tanz füllt breite Spektren aus, zwischen völliger Erschöpfung und vollkommener Anmut.

Einen Blick auf diese und andere Momentaufnahmen aus mehr als hundert Jahren Tanzgeschichte gewährt derzeit die Ausstellung „Voyez comme on danse“ im Metzer Arsenal. Das Veranstaltungshaus hat die Schau bei dem Fotografiemuseum Nicéphore Niépce im burgundischen Chalon-sur-Saône in Auftrag gegeben. Sammlungsdirektor Sylvain Besson, der dort mit seinen Mitarbeitern mehr als vier Millionen Fotos aus aller Welt verwaltet, hat für die Metzer Schau historische und thematische Schwerpunkte gesetzt. „In den 1930er Jahren war die Beziehung zwischen den beiden Kunstformen stark, viele Fotografen lichteten mit Vorliebe Tänzer ab“, erklärt er. Die Technik und Schnelligkeit ihrer Bewegungen forderte die Männer und Frauen mit den Kameras heraus. So hatten sich einige Fotografen des Studio Arax auf die berühmt-berüchtigten Tanz-Marathons zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise spezialisiert. „Wir haben hunderte solcher Fotos“, sagt Besson und ergänzt, „die Fotografen folgten den Tänzern zu den Marathons, die zu Beginn der 30er Jahre auch an der Côte d‘Azur stattfanden“. Und wer genau hinschaut, erkennt interessante Details, erfährt, dass die Dauertänzer 1932 in Nizza ein Preisgeld von 100 000 Francs lockte und die Zuschauer ein Likörchen, falls sie fünf Francs hatten.

„Voyez comme on danse“ stellt vor allem Arbeiten französischer oder in Frankreich wirkender Fotografen vor: Teddy Piaz lichtete für Hochglanzmagazine unter anderem Revuestar Josephine Baker ab; Daniel Frasnay, Hausfotograf des Pariser Lido Revuetheaters, zog es in die Glitzerwelt des Amüsierbetriebs, und dank Filmsetfotograf Léo Mirkine erheischt der Besucher Blicke auf die Leinwandstars von gestern – darunter auch jener wellentänzelnde Robert Mitchum, der sich 1954 in Cannes ablichten ließ.



Die kleine, feine und informative Schau schließt mit zeitgenössischen Fotos von Jean-François Bauret, der seine Models in seinem Studio nicht nur tanzen ließ, sondern in ihren natürlichen und viel intimeren Bewegungen einen Teil ihrer Persönlichkeit eingefangen hat.

„Voyez comme on danse“, Metz, Arsenal, Galerie d’Exposition. Dienstags bis samstags 13-18 Uhr, sonntags 14-18 Uhr, bis 22. März. Eintritt frei.