| 21:51 Uhr

Hochwasser in Rheinland-Pfalz
Rettet eine Mauer Koblenz vor der Flut?

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken machte sich gestern von einer Feuerwehrleiter aus ein Bild der Lage in Koblenz-Neuendorf: Rechts zu sehen: die neue Hochwasserschutzmauer.
Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken machte sich gestern von einer Feuerwehrleiter aus ein Bild der Lage in Koblenz-Neuendorf: Rechts zu sehen: die neue Hochwasserschutzmauer. FOTO: Thomas Frey / dpa
Sankt Goarshausen/Koblenz. Durch Sankt Goarshausen und Koblenz strömt der Rhein derzeit als braune, reißende Brühe. Manche Anwohner räumen da lieber ihre Keller. Andere bleiben entspannt. Eine neue Anlage soll ihnen das Wasser vom Hals halten.

Durch Sankt Goarshausen rauscht der Rhein lautstark wie ein Wasserfall. Am gestrigen frühen Sonntagmorgen ist kaum jemand unterwegs in der Loreleystadt im Rhein-Lahn-Kreis. Die Fähre liegt still am Ufer, Mitarbeiter der Stadt sperren die Bahnhofstraße ab.

Eine Ecke weiter ist Adrian Leș gerade dabei, sein Hab und Gut aus Keller und Garage zu sortieren. Noch reicht das Wasser nicht bis hierhin, aber es kommt immer näher. „Die Wertsachen habe ich schon nach oben geräumt, der Rest kommt dann wohl auf den Sperrmüll“, sagt Leș lakonisch und zuckt mit den Schultern.

Einige Rheinkilometer weiter in der Koblenzer Altstadt hat die Feuerwehr am überschwemmten Florinsmarkt Holzstege von den Hauseingängen über die Wege verlegt. Vorsichtig tritt Saskia Hartwig aus der Tür. „Das ist unser erstes Hochwasser, unser Keller steht randvoll“, erklärt sie. Die Feuerwehr habe sich sehr gut um die Anwohner gekümmert. „Wir hatten genug Zeit, um den Keller zu räumen und wir kommen bequem aus dem Haus.“



Bei der Feuerwehr Koblenz sieht man die Lage tatsächlich entspannt. „Wir mussten einige Straßen sperren, Stege verlegen und haben Anlaufstellen für die Bevölkerung eingerichtet“, sagt ihr Chef Meik Maxeiner. Aber die würden nur wenig frequentiert. Das könnte an der neuen Hochwasserschutzanlage liegen, die sich durch drei Stadtteile zieht und jetzt ihre erste Bewährungsprobe bestehen muss. Die rund vier Kilometer lange Mauer ist laut Maxeiner auf einen Wasserstand von 8,45 Metern ausgelegt; aktuell werden am Pegel Koblenz 7,35 Meter gemessen. Zuletzt gab es 1993 und 1995 Wasserstände von mehr als 8,45 Metern.

Noch höher hätte man die Mauer rein statisch kaum bauen können, erklärt Maxeiner. Und auch optisch sei es irgendwann eine Zumutung für die Bewohner. An einigen Stellen sei die Anlage jetzt bereits mit Glaseinsätzen versehen für besseren Durchblick. Und es ist eine Frage des Geldes. Das Bauwerk hat 47,7 Millionen Euro gekostet, das Land hat 41 Millionen beigesteuert. „Rund 700 Wohnhäuser und gewerbliche Immobilien sind damit geschützt“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) als sie gestern Mittag den Mauerteil in Koblenz-Neuendorf besucht. Durch den Klimawandel bekomme der Hochwasserschutz eine ganz andere Dimension. „Deshalb investieren wir nicht nur in Schutzmaßnahmen wie Polder, Deiche oder Mauern, sondern auch in die Renaturierung und Schutzkonzepte.“

An der Uferstraße in Koblenz-Neuendorf herrscht jetzt reger Betrieb. Anwohner und Spaziergänger kommen und gehen, manche klettern auf die Steinmauer, um über die aufgesetzten Metallplatten aufs Wasser spähen zu können. Auf der anderen Seite schwimmen vergnügt Schwäne und Möwen über das, was eigentlich ein Spielplatz ist.

Dass man sich als Spaziergänger hier trotzdem nasse Füße holt, weil Wasser durch Ritzen in der Mauer dringt, „ist so mit einkalkuliert“, sagt Maxeiner. Bis zu fünf Liter pro laufenden Meter dürfen hier fließen, wie Andreas Kaufmann, Leiter der Hochwasserschutzzentrale erläutert. „Direkt hinter der Wand sind Abläufe, sodass das Wasser in die Kanalisation fließt.“ Zwei Pumpwerke sammeln das Wasser und führen es in den Rhein zurück.

Alexandra Gassen wohnt nur eine Straße vom Ufer entfernt. Mit ihrem Mann und ihren Kindern nutzt sie den Sonntagsspaziergang, um sich die neue Mauer genau anzuschauen. „Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit auf jeden Fall geringer, dass wir Hochwasser kriegen“, sagt sie. Allerdings könne man nun nicht mehr so gut einschätzen, wie groß die Gefahr tatsächlich sei, weil man das Wasser nicht sehe. „Mein Vater ist sehr erfahren in Sachen Hochwasser. Er hat schon angefangen, in unserem Keller einige Regale hoch zu räumen, wir wollten aber heute noch abwarten.“

Das Deutsche Eck in Koblenz am Zusammenfluss von Rhein und Mosel war gestern komplett vom Wasser umspült.
Das Deutsche Eck in Koblenz am Zusammenfluss von Rhein und Mosel war gestern komplett vom Wasser umspült. FOTO: Thomas Frey / dpa
(dpa)