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Repair-Cafés gegen das Wegwerfen

Mainz. Ob kaputtes Radio, defektes Spielzeug oder plattes Fahrrad: In Repair-Cafés helfen Tüftler den Bürgern. Für eine freiwillige Spende reparieren sie gegen zu viel Konsum und Müll. Das weckt auch das Interesse der Landesregierung. Von dpa-Mitarbeiter Jens Albes

Die achtjährige Zoe ist verzweifelt. Die Beine ihrer Puppe Lena sind kaputt. Hilft das Mainzer Repair-Café weiter? Hier reparieren Bastler für eine freiwillige Spende defekte Geräte. Der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff (SPD) freut sich: "Gegen die Mentalität der Wegwerfgesellschaft ist die Idee der Repair-Cafés eine gute Bewegung." Morgen besucht er die Mainzer Einrichtung der evangelischen Kirche.

Nach dem wohl 2009 in Amsterdam gegründeten ersten Repair-Café sind in etlichen Ländern viele weitere entstanden. In Deutschland gibt es bereits mehrere Dutzend, in Rheinland-Pfalz neben der Mainzer Einrichtung auch welche in Trier und Speyer. Reparieren statt wegwerfen bei Kaffee und Kuchen: "Ich sehe die Chance, dass durch die Aktivitäten der Repair-Cafés das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Ressourcenumgang entsteht", sagt Ressortchef Hartloff.

In Mainz kommen laut Projektleiterin Gisela Apitzsch einmal im Monat 70 bis 110 Bürger zum technischen Kaffeekränzchen. Rund 20 ehrenamtliche Tüftler kümmern sich um sie. Noch sind es vornehmlich Männer, mit einer Alterspanne von unter 20 bis fast 80 Jahren. Jürgen Klute - im Hauptberuf Unternehmensberater - erzählt: "Wir haben verschiedene Neigungen. Ich kümmere mich vor allem um elektrische Geräte." Ein paar geübte Handgriffe - und schon hat Klute ein altes stummes Radio geöffnet. "Mir macht es Spaß, zu sehen, mit wie wenig Mitteln man oft etwas reparieren kann und anderen Menschen damit Freude bereitet - besonders, wenn sie wenig Geld haben."

Matthias Diefenbach, Spezialist für Fahrräder, sucht im Mainzer Repair-Café den Ausgleich zu seinem Medizinstudium. "Es ist eine tolle Möglichkeit, Leute kennenzulernen und im Sinne der Nachhaltigkeit Fachwissen weiterzugeben." Pro Treffen beugt Diefenbach sich meist über zwei bis drei Fahrräder.

Dankbar bringen manche Besucher das nächste Mal Kuchen mit. Die Spenden für die Unkosten belaufen sich laut Apitzsch auf 70 bis 90 Euro an einem Abend. Die Erfolgsquote bei den Reparaturversuchen schätzt sie auf 60 Prozent. "Wir wollen aber keine Konkurrenz zu den Werkstätten des Fachhandels sein", betont Apitzsch. Vielmehr sollten das Interesse am Reparieren geweckt und der Respekt vor handwerklichem Geschick vergrößert werden.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz findet Repair-Cafés schon aus Umweltsicht gut. "Da werden auch viele Fachinformationen ausgetauscht", sagt ihr Rechtsreferent Christian Gollner. "Schön ist außerdem, dass man da erst mal erfährt, ob sich eine Reparatur lohnt. Alleine dafür zahlt man oft einiges beim regulären Kundendienst."

Gollner betont aber auch: "Ein Repair-Café ist quasi eine Selbsthilfegruppe ohne Gewährleistung und Haftungsübernahme. Wer gerade bei defekten Elektrogeräten ganz sicher gehen will, sollte sie mit Rechnung beim Elektriker reparieren lassen." Das sagen auch die Verantwortlichen der Repair-Cafés ganz offen: Garantie oder Gewährleistung gibt es hier nicht.

Das im April 2013 eröffnete Mainzer Repair-Café geht inzwischen über seinen Namen hinaus: Von morgen an bietet es zusätzlich Kleidertausch an. Alle, die Unliebsames aus dem eigenen Schrank gegen ein neues Lieblingsstück tauschen wollen, sind willkommen.

Auch Minister Hartloff hat noch mehr Müllvermeidung im Sinn: Verbraucher hätten die Möglichkeit, bereits "beim Einkauf gezielt nach Produkten mit Umweltzeichen, nach Kunden- und Reparaturservice und nach der Austauschbarkeit von Verschleißteilen zu fragen".

Bei der Puppe Lena dauert die Operation derweil mehr als eine Stunde. Dann ist es den "Chirurgen" Irma und Bernhard Kaiser gelungen, ihre Beinchen wieder fest aufzuhängen. Puppenmama Zoe strahlt - und das ganze Repair-Café ist gerührt.