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Rekordbeteiligung bei Denkmaltag

Mainz. Eine sonst verschlossene Burg oder Villa von innen besichtigen – am „Tag des offenen Denkmals“ ist das möglich. Das Motto „Farbe“ stößt auf großes Interesse. Auch wenn die Originalfarbe mancherorts fehlt. Dpa-Mitarbeiterjens Albes

Am "Tag des offenen Denkmals" gewähren an diesem Sonntag besonders viele Eigentümer historischer Bauten in Rheinland-Pfalz Einblicke in die alten Gemäuer. Wohl wegen des Mottos "Farbe" seien diesmal rund 300 Bauwerke dabei, sagte Landeskonservator Joachim Glatz in Mainz . Abgesehen vom Jahr 2007 mit 420 Teilnehmern beim Motto "Historische Sakralbauten" sei das die höchste Zahl in der 22-jährigen Geschichte des Aktionstags in Rheinland-Pfalz.

Am 14. September geht es bundesweit um die farbliche Gestaltung alter Gebäude, die sonst oft nicht zugänglich sind. Die rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen (SPD ) will an dem Tag die Mainzer Johanniskirche besuchen. Das Gebäude ist Experten zufolge nach einem Trierer Gotteshaus die zweitälteste Kirche Deutschlands.

Zu den Höhepunkten im Land zählen diesmal die evangelische Kirche in Offenheim im Kreis Alzey-Worms, das Pumpwerk in Guntersblum im Kreis Mainz-Bingen sowie die Alte Propstei in Kruft im Kreis Mayen-Koblenz. Aber auch bekannte Denkmäler wie der Dom zu Speyer sind dabei.

Farbe ist laut Glatz ein wichtiger Teil der historischen Aussage von Denkmälern. Fehle die Originalfarbe ganz, könnten bei Renovierungen auch alte Baudokumente, Farben-Rechnungen und Reisebeschreibungen wertvolle Hinweise geben. "Oder man schaut sich vergleichbare Bauten an, wenn man gar nichts mehr hat", erklärte der Landeskonservator.

Nicht immer sei die Originalfarbe die erste Wahl der Denkmalschützer: "Wenn eine Kirche 200 Jahre lang anders gestrichen war, ist das auch schon historisch." Gelegentlich sind sich Glatz zufolge die Experten selbst uneins über die Farbwahl bei der Renovierung eines Denkmals. Aber auch Eigentümer hätten manchmal andere Vorstellungen. Sie von den historischen Farben zu überzeugen, sei Teil der Arbeit des Denkmalschutzes. Wenig Verständnis hat der Landeskonservator für Graffiti auf Denkmälern: "Das wird teilweise als Kunst gehandelt, ist aber eine blanke Sachbeschädigung fremden Eigentums." Er rate dazu, Graffiti möglichst sofort zu entfernen, um Nachahmungen zu vermeiden. "Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass in der Nacht angestrahlte Bauten einigermaßen sicher sind", ergänzte Glatz.

Im Saarland öffnen an diesem Sonntag 27 Denkmäler ihre Pforten. Zu den farbenprächtigen Objekten gehören der Hochaltar der katholischen Pfarrkirche St. Michael in Saarbrücken sowie das Gymnasium Wendalinum in St. Wendel. Auch zahlreiche Kirchen bieten spezielle Führungen und Vortrage an, darunter die evangelische Schinkelkirche in Saarbrücken-Bischmisheim, die evangelische Martinskirche Kölln in Püttlingen sowie die katholische Pfarrkirche St. Josef in Sankt Ingbert.