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Publikum Feuer und Flamme für den „Philharmonia-Chor Stuttgart“

 Der „Philharmonia-Chor Stuttgart“ am Samstagabend in der Zweibrücker Karlskirche. Foto: C. von Waldow
Der „Philharmonia-Chor Stuttgart“ am Samstagabend in der Zweibrücker Karlskirche. Foto: C. von Waldow FOTO: C. von Waldow
Zweibrücken. Am Samstagabend brannte die Zweibrücker Karlskirche lichterloh. Holzscheite knisterten, Flammen züngelten, loderten, tanzten, schnellten vom Wind angefacht empor, Gebälk brach krachend zusammen. cvw

Glücklicherweise geschah dies rein virtuell, bei einem eindrucksvollen Recital - einer Kombination aus Rezitation und Konzert. Die gastgebende Mozartgesellschaft hatte den "Philharmonia-Chor Stuttgart" mit seinem höchst anspruchsvollen Programm "Feuer - ein machtvolles Element in Text und Musik" eingeladen. Um es vorwegzunehmen: Die fast 30 Sängerinnen und Sänger unter der musikalischen Gesamtleitung des Pirmasensers Johannes Knecht, aber auch Pianist Ralph Bergmann, Aya Fujita am Schlagwerk sowie die beiden Sprecherinnen Johanna Zehender und Lena Conrad zogen das Publikum so in ihren Bann, dass nach jedem der mehr als 20 Beiträge gefühlt minutenlang Totenstille herrschte, bevor die rund 180 Zuhörer in der fast ausgebuchten Karlskirche applaudierten. Die Protagonisten näherten sich den unterschiedlichen Aspekten des Feuers zwischen Lockung und Bedrohung mit Texten, Chor- und Instrumentalstücken aus mehreren Jahrhunderten.

Ging es mit dem Feuer leidenschaftlicher Liebe, beleuchtet in Gedichten von Frank Wedekind, Friedrich Rückert oder Christian Morgenstern sowie in drei ganz unterschiedlichen Madrigalen der "Six Firesongs" des 1943 geborenen Marten Lauridsen um vergleichsweise harmlose Brände, loderten beispielsweise in dem "großen Feuer von London im Jahre 1966" aus dem Tagebuch von Samuel Pepys gleich ganze Straßenzüge.

Wunderbar akzentuiert, ließen die beiden Sprecherinnen in Dialogen auch Friedrich Schillers Glocke entstehen oder Theodor Fontanes Steuermann John Maynard in den Flammentod fahren. Die musikalische Klammer bildeten die beiden Vertonungen von Eduard Mörikes Feuerreiter-Ballade auf Hugo Distlers bildhaft-melodischen oder in Hugo Wolfs technischer und dramatischer Variante. Herzstück des fast zweistündigen Konzerts war die Uraufführung der laut- und klangmalerischen Komposition "Brandherd" für Chor und Schlagwerk zu einem Text des 1962 geborenen Bernd Schmitt, die eigens für dieses Rectical bei Yiran Zhao in Auftrag gegeben wurde. Der Text "Hiroshima" gibt Eindrücke und Dialoge zweier Arbeiter in Schutzanzügen wieder, die sich einer Einschlagstelle nähern, von der aus ein stark radioaktiv strahlendes Objekt die ganze Gegend in Brand gesetzt hat. Taktmäßig ließ der Chor etwa Noppenplastik zerplatzen, deutete mit Krk-Lauten den Ausschlag des Geigenzählers an. Pianist Ralph Bergmann bewies bei den rasanten, zum Teil mit übergreifenden Händen zu spielenden Variationen des Doors-Titels "Light my Fire" seine atemberaubende Fingerfertigkeit.

"Sehr spannend, sehr abwechslungsreich, ergreifend und wunderbar interpretiert", meinte am Ende die Zweibrückerin Uta Brocke, stellvertretend für viele andere Zuschauer.