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Pilotprojekt: Sirenenton soll Rehkitze vor Mähdreschern retten

Mit Sirenentönen wollen Landwirte in der Eifel Rehkitze warnen, damit die Tiere ihnen nicht ins Mähwerk geraten. Foto: Patrick Pleul/dpa
Mit Sirenentönen wollen Landwirte in der Eifel Rehkitze warnen, damit die Tiere ihnen nicht ins Mähwerk geraten. Foto: Patrick Pleul/dpa FOTO: Patrick Pleul/dpa
Bitburg/Gensingen. Bald werden wieder viele große Wiesen gemäht. Eine gefährliche Zeit für junge Wildtiere, die sich im hohen Gras verstecken. Um sie vor dem Tod zu bewahren, setzen Bauern und Jäger in der Eifel nun auf „akustische Wildretter“ – mit Sirenenton. Agentur

Jedes Jahr werden viele Rehkitze beim Mähen von Wiesen getötet. Um dies künftig zu verhindern, starten Jäger und Bauern in der Eifel jetzt ein Pilotprojekt: Sie bringen bei der Wiesenmahd "akustische Wildretter" an den Maschinen an, die mit einem lauten Sirenenton Wildtiere aufschrecken und zur Flucht bewegen sollen, wie der Landesjagdverband (LJV) Rheinland-Pfalz und der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau mitteilten. Bei der "Allianz für mehr Tierschutz" machten 20 landwirtschaftliche Betriebe im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit. Bei den "akustischen Wildrettern" handelt es sich um kleine Kästchen, in denen ein Signaltongeber enthalten ist. Am Mähwerk oder Schlepper angebracht, erschallt daraus ein 120 Dezibel lauter Sirenenton in verschiedenen Tonlagen.

Es sei ein landesweit einmaliges Projekt, sagte der Sprecher des LJV in Gensingen im Kreis Mainz-Bingen. Bisher hätten zwar einzelne Bauern schon hier und da jene Geräte eingesetzt, aber noch nicht in dieser Größenordnung wie jetzt.

Verlaufe der Praxistest positiv, sollten möglichst alle Betriebe im Eifelkreis damit ausgestattet werden, hieß es. Neben den Kreisgruppen der Verbände ist auch der Maschinenring Bitburg-Prüm mit im Boot.



Im hohen Gras versteckten sich neben Rehkitzen auch junge Feldhasen, Kiebitze, Igel und andere Wildtiere - und könnten beim bevorstehenden Mähen ebenfalls verletzt oder getötet werden. Nach Schätzungen sterben 20 bis 25 Prozent der geborenen Rehkitze den Tod beim Mähen. Die toten Wildtiere bergen laut Bauern- und Winzerverband auch eine Gefahr für die Rinderhaltung. Ist Heu oder Silage, das als Futtermittel für Nutztiere eingesetzt wird, durch Tierkadaver kontaminiert, könnten Rinder an der zum Teil tödlich verlaufenden Krankheit Botulismus erkranken. Neben den akustischen Wildrettern sollten die Bauern weiterhin andere Tricks zur Vergrämung anwenden: Zum Beispiel am Abend vor dem Mähen schon mal Anmähen, Flattertüten aufstellen oder die Fläche vorher ablaufen. Zudem werde empfohlen, immer von innen nach außen zu mähen, damit die Wildtiere flüchten könnten.