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Peymann schnupft, Tabori döst

Gert Voss parodiert Zadek und Kollegen, Harald Schmidt lauscht und genießt. Foto: AbsolutMedien
Gert Voss parodiert Zadek und Kollegen, Harald Schmidt lauscht und genießt. Foto: AbsolutMedien
Berlin. Ein Tisch, eine Karaffe, zwei Wassergläser, zwei Männer - das genügt. Schließlich sitzen hier Gert Voss, der nahezu legendäre Bühnenschauspieler, und Harald Schmidt zusammen, der das Theater ebenso liebt, neulich aber wieder einmal kund tat, für eine Bühnenkarriere fehle ihm das Talent

Berlin. Ein Tisch, eine Karaffe, zwei Wassergläser, zwei Männer - das genügt. Schließlich sitzen hier Gert Voss, der nahezu legendäre Bühnenschauspieler, und Harald Schmidt zusammen, der das Theater ebenso liebt, neulich aber wieder einmal kund tat, für eine Bühnenkarriere fehle ihm das Talent. André Heller brachte die beiden im August 2010 zusammen und drehte mit ihnen "Scheitern, scheitern, besser scheitern!" (Anbieter: AbsolutMedien) - ein knapp 80-minütiges Gespräch über das Theater, mit einem begnadeten Erzähler (Voss) und einem neugierigen, offensichtlichen Fan (Schmidt), das jetzt auf DVD herauskam. Schmidt kann hier dankenswerterweise auf manche Manierismen seiner Fernsehshow verzichten - etwa das künstliche Kichern bei wenig witzigen Gästen. Denn Voss einfach zuzuhören, ihm ab und zu ein Stichwort zu geben oder nachzufragen - das reicht Schmidt vollkommen.Kein Wunder, ist Voss hier kein Mann prätentiöser Schauspielerrhetorik und der großen Künstlergeste, sondern ein charmanter Erzähler, der sich zwar nicht im Anekdotischen verliert, aber immer wieder kleine bezeichnende Geschichten aus seinem Arbeitsleben zum Besten gibt: von seiner Schauspielprüfung etwa, in der er das 'R' so dramatisch rollen ließ (dazu animiert von Will-Quadflieg-Bühnenaufnahmen), dass man ihn fragte, ob er aus Osteuropa angereist sei. Als Held und Liebhaber sei er anschließend eine Katastrophe gewesen, erzählt Voss, habe dann aber das Glück gehabt, mit großen Regisseuren zu arbeiten (die er herrlich parodiert): Claus Peymann, dessen Schnupftabakreste am Ende eines Probentages wie ein Hitler-Bärtchen aussahen; George Tabori, der ungern genaue Regieanweisungen gab und im Alter bei langweiligen Passagen schon mal eindöste; Peter Zadek, der sein Ensemble mit manchen Psychospielchen zu Höchstleistungen brachte. Man erfährt viel über ein reiches Künstlerleben - und auch am Rande einiges über Schmidt: Im Bonus-Material erklärt er Voss, wie er die Kunstfigur "Harald Schmidt" erfand und warum er eher im Fernsehen und beim Kabarett denn im Theater sein Metier sieht. "Ich wollte", sagt Schmidt, "die Lacher haben." tok