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„Nicht nur an die Schulen denken“

Zweibrücken. Das Landesbibliothekszentrum (LBZ) wird zehn Jahre alt. Aus diesem Anlass erinnert die viel ältere Bibliotheca Bipontina im Rahmen einer Werkschau an Ausstellungen, die seit 2004 in Zweibrücken gezeigt wurden. Von Merkur-Mitarbeiter Norbert Rech

Die Bibliotheken befinden sich im Wandel. Dieses Fazit zog gestern Abend Annette Gerlach bei der Eröffnung der Ausstellung "Forschen und Zeigen" in der Bibliotheca Bipontina anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Verbunds "Landesbibliothekszentrum" (LBZ). Es würden aber nicht Originale gegen das Digitale ausgetauscht. "Wir müssen in beide Richtungen denken", so die LBZ-Leiterin, die nach der Erfindung des Buchdrucks nun eine zweite Medienrevolution ausmacht: "Das Tempo der Veränderungen auf jeden Einzelnen ist enorm gewachsen."

Manche Politiker sähen Bibliotheken bereits als Auslaufmodell. Dazu komme, dass die staatliche Finanznot auch Auswirkungen auf kulturelle Einrichtungen hätten. "Bei Bildung darf man aber nicht nur an die Schulen denken", mahnte die LBZ-Chefin. Die Menschen müssten heute vor allem lernen, wie sie mit der Vielzahl von Informationen umgehen. Sonst bestünde die Gefahr, dass sie nur Stammtischparolen nachplappern. Das Internet zeige bei Weitem nicht alles: Google suche nach Zeichen. Die Bedeutung von Informationen bleibe auf der Strecke.

Für Gerlach sind Bibliotheken sowohl ein Ort zum Lernen, Arbeiten, für Kommunikation und Veranstaltungen - aber auch virtuelle Einrichtungen im Internet. Sie dienten der Forschung und Lehre ebenso wie der allgemeinen Information und Unterhaltung. Seit acht Jahren biete das LBZ mit seinen fünf Standorten in Rheinland-Pfalz einen gemeinsamen Katalog mit 1,8 Millionen Medien, die kostenlos ausgeliehen werden könnten. Die Nutzer hätten außerdem Zugang zu elektronischen Fachinformationen und Datenbanken.

Ein Höhepunkt der Ausstellungseröffnung war die Lesung von Michael Dillinger, der in seiner Novelle "Kreuzweg" auch über Bibliothekserfahrungen erzählt. In dem Werk veranschaulicht er, welche Wirkung auf Betroffene das geschrieben Wort haben kann.

Die Werkschau, die bis zum 24. April in der Bipontina zu sehen ist, erinnert mit Plakaten an eine Vielzahl von Ausstellungen, die in Zweibrücken seit der LBZ-Gründung 2004 gezeigt wurden. Zu sehen sind unter anderem Informationen zu den "Rebellischen Jahren" mit denen 2007 an den späteren amerikanischen Eisenbahnkönigs Heinrich Villard im Zusammenhang mit dem Hambacher Fest gedacht wurde. "Zehn Ausstellungen werden durch eine Auswahl ihrer besonders spektakulären oder bezeichnenden Exponate hervorgehoben", so Bipontina-Leiterin Sigrid Hubert-Reichling.

lbz-rlp.de