| 20:13 Uhr

Neujahrsempfang in Oberwürzbach
„Eine der schönsten Regionen der Welt“

 Eine flammende Rede hielt im Dorfgemeinschaftshaus Oberwürzbach Saar-Umweltminister Reinhold Jost.
Eine flammende Rede hielt im Dorfgemeinschaftshaus Oberwürzbach Saar-Umweltminister Reinhold Jost. FOTO: Peter Gaschott
Oberwürzbach/Blieskastel. Beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Biosphäre Bliesgau und Stadt St. Ingbert begeistert Umweltminister Jost mit seiner Rede. Von Michèle Hartmann

Getobt wie der gern zitierte „Mann im Kalkofen“? Na, so wild war es dann auch wieder nicht. Gleichwohl hielt Umweltminister Reinhold Jost in Oberwürzbach am Sonntag eine glühende Rede beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Akteure der Biosphäre Bliesgau und der Mittelstadt St. Ingbert. Das Ganze garnierte er mit einer gewaltigen Portion Enthusiasmus und Leidenschaft. In seine Ausführungen steigerte sich der Umweltminister so richtig hinein. Und auch wieder hinaus mit den Worten: „Das hier ist eine der schönsten Regionen der Welt.“ Hinter ihm ein paar herrliche Großaufnahmen von unserer Natur und Umwelt und den Menschen, die darin leben und liebend gerne aufblühen – wenn sie um sich blicken und sich daran erfreuen. Biosphäre eben – in ihrer schönsten Form. Und mit all ihren Produkten. Einige von ihnen konnte man als Gast am Sonntag genießen, als Häppchen oder in verflüssigter Form, entweder als Saft aus Äpfeln von artenreichen Streuobstwiesen oder Apfelsecco beispielsweise.

„Sie dürfen da wohnen, wo andere Urlaub machen möchten. Großes Kompliment an aller hier“, rief der Minister in einem vollen Dorfgemeinschaftshaus. Dort standen sie, die vielen Entscheider und Mitentscheider besagter Region, als da sind: der Biosphärenverein Bliesgau mit seinem 1. Vorsitzenden Torsten Czech und dessen Mitstreitern, der Verein Bliesgau Obst mit Wolfgang Hegmann, der Verein Bliesgau Genuss mit Doris Kratkey, LAG Biosphärenreservat Bliesgau mit Doris Gaa , Axel Kammerer, Vorsitzender des Biosphärenbeirats, sowie Theophil Gallo, Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes mit Sitz in Blieskastel. Und Ortsvorsteherin Lydia Schaar, als Gastgeberin in einem hellen und freundlichen Haus, wie es sich bestimmt manch anderer Ortschef wünscht.

Lydia Schaar hob beispielhaft die Gestaltung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Oberwürzbacher „Dorfmitte am Bach“ gleich nebenan hervor. Dies sei ein Vorzeigeprojekt in unserer Region: „Ein tolles Erlebnis und ein Ort, den mittlerweile schon nach kürzester Zeit viele Oberwürzbacher bei ihren Spaziergängen ansteuern.“ Die Ortsvorsteherin sprach auch von einem „absolut vorbildlichen Engagement und einem tollen Gemeinschaftserlebnis“ in jüngster Vergangenheit beim Anlegen der Streuobstwiese auf dem Farrenberg durch den neugegründeten Obst- und Gartenbauverein.



Torsten Czech wiederum sprach rückblickend von einem „Jahr mit vielen Aufs und Abs“. Aber auch sinngemäß davon, dass man, mit Tatkraft und Elan, im neuen Jahrzehnt weitere Projekte in Angriff nehmen werde. Der Chef des Biosphärenvereins Bliesgau teilte dem staunenden Auditorium des Weiteren mit, dass Ende März sogar der Bischof zu Besuch sei, um sich das anzuschauen, was alle Akteure hier leisten. Eine Arbeitsgruppe „Kirche und Biosphäre“ habe bereits die Arbeit aufgenommen.

Und dann kam am Ende des offiziellen Teils der Umweltminister mit seiner Rede. Der ländliche Raum, sagte er, habe selbstredend auch etwas mit der landwirtschaftlichen Nutzung zu tun. Wobei man Ökolandbau und konventionelle Landwirtschaft mitnichten gegeneinander ausspielen dürfe. „Ich bin es leid, dieses klischeehafte Denken und immer nur einer Seite die Schuld zuzuschieben“, rief er laut in den Saal: „Jeder trägt ein Stück Verantwortung. Und in der Biosphäre wird gezeigt, wie das geht.“ Nachfolgend zog er mächtig her über „knirschende, knarzende Steingärten“ anstatt dem „Summen und Brummen in blühenden Vorgärten“. Und er geißelte verbal die Dorfidylle suchenden Städter, sich auf dem Land ein Haus kaufen und dann gegen den Bauer in der Nachbarschaft vorgehen, wenn dessen Hahn sich zu krähen wagt. Kurzum: Josts Ausführungen waren an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Dass ihn der Landrat in seiner Rede als „Schweinstreiber“ titulierte, der wie ein Motor das Thema Biosphäre und deren Weiterentwicklung vorantreibe, das nahm ihm Jost dann auch nicht etwa krumm. Schon gar nicht in seiner Rolle als Landwirtschaftsminister, meinte er mit einem Schmunzeln.