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Müllverbrennung in Pirmasens angeblich besonders teuer

 Die Müllverbrennungsanlage Pirmasens ist eine der teuersten in ganz Deutschland, haben ZDF-Reporter herausgefunden. Foto: Hehner/pm
Die Müllverbrennungsanlage Pirmasens ist eine der teuersten in ganz Deutschland, haben ZDF-Reporter herausgefunden. Foto: Hehner/pm
Pirmasens. Die ZDF-Journalisten Joe Sperling und Hans Koberstein haben die Jahresbilanzen 2010 von neun Müllverbrennungsanlagen in ganz Deutschland durchforstet, die einen transparenten Abschluss vorgelegt haben

Pirmasens. Die ZDF-Journalisten Joe Sperling und Hans Koberstein haben die Jahresbilanzen 2010 von neun Müllverbrennungsanlagen in ganz Deutschland durchforstet, die einen transparenten Abschluss vorgelegt haben. Das Müllheizkraftwerk Pirmasens, das von "Eon Energy from Waste" betrieben wird, ist unter den neun verglichenen Anlagen die mit der geringsten Verbrennungsmenge (177 803 Tonnen im Jahr 2010).Die GMVA Niederrhein in Oberhausen zum Beispiel verfeuerte 2010 rund 687 000 Tonnen Müll, das MHKW Rothensee in Magdeburg 595 000 Tonnen. Müllverbrennungsanlagen machen mit über Gebühren finanziertem Müll Millionengewinne auf Kosten der Gebührenzahler. Dieses Fazit ziehen die Autoren des ZDF-Magazins "Frontal 21". Sie sprechen gar von illegalen Profiten, denn diese seien eigentlich verboten. Im Gegensatz zu Steuern müssten Gebühren kostendeckend sein. Die Journalisten sind auf Nettoumsatzrenditen zwischen 20 und 40 Prozent gestoßen, von denen vor allem private Betreiber wie Eon, Vattenfall oder Remondis profitierten. Wirtschaftsprüfer haben ihre Berechnungen bestätigt.

Für das Müllheizkraftwerk Pirmasens, in dem vor allem die Mitglieder des Zweckverbandes Abfallverwertung Südwestpfalz (ZAS) ihren Müll verbrennen lassen, hat "Frontal 21" eine Nettoumsatzrendite von 38,87 Prozent ermittelt. Die Verbrennung einer Tonne Müll hat danach 102,33 Euro netto gekostet, dem Gebührenzahler wurden 184,60 Euro in Rechnung gestellt. Bei der Rendite, die der Betreiber "Eon Energy from Waste" erzielte, lag Pirmasens im Vergleich mit den weiteren deutschen Müllverbrennungsanlagen auf Platz vier. Davor rangierten zwei Hamburger Anlagen und eine aus Stapelfeld in Schleswig-Holstein. Beim Verbrennungspreis landete das Müllheizkraftwerk auf dem zweiten Rang, knapp hinter der GMVA Niederrhein.

Für die unterschiedlichen Preise gibt es Gründe: Mittlerweile herrscht bundesweit eine Überkapazität an Verbrennungsanlagen, weil die Müllmengen drastisch sinken. Um ihre Anlagen einigermaßen auszulasten, müssen die Müllverbrennungsanlagen-Eigentümer, in Pirmasens der ZAS mit seinen Städten und Landkreisen in der Süd- und Südwestpfalz, billiger "zukaufen", etwa aus Kaiserslautern oder Karlsruhe. Von den 2010 in Pirmasens verbrannten 177 803 Tonnen stammten allein 53 743 aus Kaiserslautern. So subventionieren die Bürger im ZAS-Gebiet, zu dem auch Zweibrücken gehört, die Müllentsorgung aus Nicht-ZAS-Kommunen. Viele Gebietskörperschaften hätten häufig langjährige Verträge für die Verbrennung ihres Abfalls zu festgelegten Preisen. Sie seien selten an die Entwicklung der realen Verbrennungskosten gekoppelt, lautet das Fazit die Journalisten. Städte und Landkreise könnten per Beschwerde beim Bundeskartellamt versuchen, aus Langzeitverträgen auszusteigen, um über aktuelle Marktpreise neu zu verhandeln. Das aber ist nur sinnvoll, wenn man, anders als der ZAS, keine eigene Müllverbrennungsanlage besitzt. fjm