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Landgericht Bad Kreuznach
Mordattacke auf Schwangere: Angeklagter schweigt

 Der Angeklagte, ein afghanischer Asylbewerber aus Biblis, nimmt in Handschellen im Gerichtssaal seinen Platz ein.
Der Angeklagte, ein afghanischer Asylbewerber aus Biblis, nimmt in Handschellen im Gerichtssaal seinen Platz ein. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Bad Kreuznach. Ein ehemaliger afghanischer Asylbewerber soll auf die Frau im Krankenhaus eingestochen haben. Sie überlebte, das Kind starb.

  Nach einer Messerattacke auf eine Schwangere in einer Bad Kreuznacher Klinik hat sich der beschuldigte Mann am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem dortigen Landgericht nicht geäußert. Er werde sich schweigend verteidigen, sagte sein Anwalt Olaf Langhanki.

Die Staatsanwaltschaft sprach in der Anklageschrift von mindestens 26 Messerstichen. Der 25-Jährige, der zuletzt im südhessischen Biblis wohnte, habe die Absicht gehabt, sein gleichaltriges Opfer zu töten und die Schwangerschaft zu beenden, sagte Oberstaatsanwältin Nicole Frohn.Die Attacke hatte sich am Abend des 11. Januar dieses Jahres im Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach ereignet. Der ursprünglich als Asylbewerber nach Deutschland gekommene Angeklagte soll das aus Polen stammende Opfer im Krankenzimmer besucht und schließlich mit einem Klappmesser angegriffen haben.

Vorgeworfen wird ihm versuchter Mord in Tateinheit unter anderem mit Schwangerschaftsabbruch. Auch soll er die Frau im Juli 2018 in seiner Wohnung in Biblis vergewaltigt haben. Ob das Kind dabei gezeugt worden sei, sei nicht klar, sagte Oberstaatsanwältin Frohn.



Der Anklage zufolge trug das Opfer, das im Verlauf des Prozesses noch geladen werden soll, großflächige Narben davon, auch im Gesicht. Die 25-Jährige konnte mit einer Not-Operation gerettet werden, das Kind starb einen Tag später trotz eines Not-Kaiserschnitts.

Der 25-Jährige war kurz nach der Tat selbst zur Bundespolizei in Bad Kreuznach gegangen und hatte sich dort widerstandslos festnehmen lassen. Mehrere Polizisten berichten vor Gericht im Zeugenstand, dass er nach der Attacke ruhig und unaufgeregt gewesen sei. Die Richter, die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft stellen zahlreiche Fragen, es geht bisweilen sehr ins Detail. Ein Beamter sagt, der 25-Jährige habe ihm gegenüber von „Ärger mit Frau“ gesprochen. Eine Kriminalpolizistin berichtet unter anderem, dass der Angeklagte von psychischen Problemen und einem Selbstmordversuch erzählt habe. Er will in seinem Heimatland inhaftiert gewesen sein, zudem habe er von Problemen mit den Taliban gesprochen.

In welcher Beziehung der mutmaßliche Täter mit der Frau genau stand, ist nicht ganz klar. Nach Angaben des Landgerichts war das Opfer „mindestens eine Bekannte des Angeklagten“. Die beiden sollen nach der mutmaßlichen Vergewaltigung noch einvernehmlichen Sex miteinander gehabt haben. Kennengelernt haben sie sich vermutlich bei der Arbeit.

Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag. Der Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Folkmar Broszukat dürfte noch eine umfassende Beweisaufnahme bevorstehen. Vorgesehen sind zwölf weitere Verhandlungstage bis Ende September.