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Trend bei Automobilen
Mehr Oldtimer in Rheinland-Pfalz

Die Zahl von Oldtimern wie diesem BMW Dixi steigt in Rheinland-Pfalz. Das hat auch etwas mit der wachsenden Kaufkraft der Bevölkerung zu tun, wissen Experten.
Die Zahl von Oldtimern wie diesem BMW Dixi steigt in Rheinland-Pfalz. Das hat auch etwas mit der wachsenden Kaufkraft der Bevölkerung zu tun, wissen Experten. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
Mainz/Flensburg. Ob alter Benz, Porsche oder VW, ob NSU, DKW oder Borgward – die Liste der Marken formschöner Oldtimer ist lang. Nostalgische Fahrzeuge erfreuen sich wachsender Beliebtheit – auch in Rheinland-Pfalz. Ein Fan spricht etwa von einer faszinierenden „Opulenz an Formen“.

Charakteristische Formen, meist reichlich Chrom und viel Nostalgie – das alles macht Oldtimer aus. Sie werden in Rheinland-Pfalz immer beliebter. Zwischen Westerwald und Pfalz registrierte das Kraftfahrtbundesamt zum 1. Januar 24 632 Fahrzeuge mit sogenannten Historien-Kennzeichen. Das sind über elf Prozent mehr als zu Beginn des Jahres 2017.

Das Gros der Oldtimer in Rheinland-Pfalz machten Anfang dieses Jahres mit rund 22 000 Fahrzeugen Pkw aus, darunter rund 7000 Cabrios. Die zweitgrößte Gruppe bildeten Lkw mit etwas mehr als 900 Exemplaren. Immerhin 1655 Fahrzeuge mit solchen Nummernschildern waren hierzulande 60 Jahre und älter, mehr als 5300 Exemplare waren zwischen 30 und 34 Jahren alt.

Das „H“ am Ende des Kfz-Kennzeichens dürfen nur Fahrzeuge führen, die als „historisches Kulturgut“ gelten und älter als 30 Jahre sind. Für den Halter kann dies Vorteile bei der Versicherung und dem Kfz-Steuersatz haben. Der Gesetzgeber will damit zur Erhaltung des technischen Kulturguts beitragen



Laut ADAC hat die Zulassung als Oldtimer unter anderem den Vorteil eines pauschalen Steuersatzes von 192 Euro (Pkw/Lkw) beziehungsweise 46 Euro im Jahr für ein Motorrad. Bei besonders kleinem Hubraum zahlt sich das H-Kennzeichen steuerlich indes nicht wirklich aus.

Deutschlandweit waren zum 1.1.2018 der Behörde zufolge 477 386 Fahrzeuge mit H-Kennzeichen (+10,9 Prozent) unterwegs. Allerdings hat nicht jeder Oldtimer ein solches Kennzeichen. Am Gesamtbestand von 63,7 Millionen zugelassenen Kraftfahrzeugen machten 30 oder mehr Jahre alte Fahrzeuge mit rund 600 000 ein Prozent aus.

Die Liste der beliebtesten Oldtimer führen – auch wohl mangels Masse – keine Modelle von NSU, DKW oder Borgward an. Seit Jahren sei die Reihenfolge der Hersteller auf den Spitzenplätzen unverändert: Daimler führt vor Volkswagen und Porsche, so der Verband der Deutschen Automobilindustrie.

Doch was macht die Faszination Oldtimer ganz grundsätzlich aus? „Da ist eine Opulenz an Formen, viel Chrom“, sagte Alexander Ziob, Vorsitzender des Ahr-Automobil-Clubs 1924 aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Die Autos haben noch ein Gesicht.“ Heutzutage seien die Wagen austauschbar. Dank der Einfachheit und Robustheit der Technik könne man an Oldtimern noch viel selbst machen. „Die Autos von heute sind nur noch rollende Computer“, findet Ziob. „Ich brauche keine Schildererkennung, das Schild sehe ich schon selbst.“ Er habe zwar keinen eigenen Oldie, dafür fehle ihm das Kleingeld. Aber ab und an leihe er sich einen und fahre damit langsam über Landstraßen – für ihn die perfekte Entschleunigung. Im Ahr-Automobil-Club seien die Besitzer von Oldtimern bestrebt, dass ihre Schätze auf vier Rädern auch fahrbereit seien. „Standuhren gehören ins Museum, aber Autos müssen rollen“, sagte Ziob. „Und die meisten Besitzer wollen das auch.“

Alte Autos sind indes längst nicht nur die Sache älterer Semester. Auch Jüngere legten sich mittlerweile einen Oldtimer zu, sagte Wilfried Vögele. Er ist der erste Vorsitzende des „Oldtimer Clubs Rhein Man 1970“ in Bodenheim bei Mainz. Dabei spiele Nostalgie eine Rolle, etwa Kindheitserinnerungen an Urlaubsfahrten. Oldtimer dienten aber auch – gut gepflegt – als Wertanlage. Für den Alltag sind die Wagen, gerade auch wegen ihres hohen Spritverbrauchs, eher nichts. Für Vögele ist klar: „Das ist ein Hobby.“

(dpa)