| 21:01 Uhr

Vier Linien im Stundentakt
Mehr Busse in alle Kreisgemeinden geplant

Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplan sollen werktags täglich mindestens sechs Busse in allen Ortsgemeinden fahren.
Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplan sollen werktags täglich mindestens sechs Busse in allen Ortsgemeinden fahren. FOTO: Pfälzischer Merkur
Landkreis. Nahverkehrsplan: Auf vier großen Linien ist sogar ein Stundentakt geplant. Guido Glöckner

Der Wunsch nach mehr Bussen und Zügen ist groß, die Kosten aber setzen enge Grenzen. Das ist das Ergebnis einer ausführlichen Diskussion im Kreisausschuss über den Nahverkehrsplan des Landkreises, der fortgeschrieben werden soll. Die Grundversorgung der 84 Ortsgemeinden mit mindestens sechs Busverbindungen werktags und ein regelmäßiger Linienverkehr aus vier stärker frequentierten Strecken für rund 600 000 Euro jährlich sollen kommen. Darüber hinausgehende Forderungen der Verbandsgemeinden Rodalben und Hauenstein wurde eine Absage erteilt.

Den Nahverkehrsplan samt den eingegangenen Änderungswünschen und Anregungen präsentierte Diplom-Ingenieur Stephan Krug von der Ingenieurgruppe IVV Gmbh & Co KG, der das Verfahren gemeinsam mit der Kreisverwaltung betreut. Der Experte stellte sich mit seinen Grundsatzäußerungen deutlich gegen die politische Wunschvorstellung, den öffentlichen Personennahverkehr grundsätzlich als Dienstleistung für die Bürger auszubauen. Denn den politischen Träumen stehe die Realität im Landkreis entgegen, machte er deutlich. Bei einem prognostizierten Bevölkerungsrückgang von 20 Prozent werde es noch weniger Fahrgäste geben, weshalb in der Konsequenz auch das Bus- und Bahnangebot schwerer zu finanzieren ist.

Grundsätzlich würde ein Ausbau des Nahverkehrsangebots im Landkreis nur auf den Bahnlinien Sinn machen, erklärte der Diplom-Ingenieur, denn dort gebe es schon regelmäßige Fahrten mit besserer Auslastung. Allerdings ist dafür, wie später deutlich wurde, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) zuständig. Der zweite Kreisbeigeordnete Christof Reichert (CDU) und seine Parteikollegin, Kreistagsfraktionssprecherin Dr. Susanne Ganster, hatten sich nämlich für Linienverkehr in den Abend- und Nachtstunden auf der Queichtalstrecke stark gemacht. Sie forderten, auch wenn der Landkreis nicht zuständig ist, diese Forderung dennoch in den Plan aufzunehmen und politisch am Ball zu bleiben. Optimistisch ist Thomas Keller, Abteilungsleiter für den Nahverkehr bei der Kreisverwaltung, für die Wieslauter-Strecke. Die Vorbereitungen laufen, 2018 könne mit dem Beginn der Sanierung gerechnet werden.

Aber zurück zum Busverkehr, der originären Nahverkehrsaufgabe des Landkreises. Nur für vier Buslinien im Landkreis sieht Krug überhaupt eine Chance, eine regelmäßige Bedienung im Stundentakt mit vertretbaren Kosten zu verwirklichen, weil sie schon jetzt relativ häufig genutzt werden: Die Linien 240 (Pirmasens – Petersberg – Nünschweiler – Dellfeld), 249 (Pirmasens – Rodalben), 250 (Pirmasens – Lemberg – Dahn) und 255 (Pirmasens – Vinningen – Kröppen – Trulben – Eppenbrunn).

Darüber hinaus sei an einen regelmäßigen Linienverkehr mit Stundentakt überhaupt nicht zu denken, sagt Krug und verweist auf die Kosten. Er hält es schon für eine enorme Leistung, wenn der Landkreis die grundsätzliche Bedienung aller Ortsgemeinden verbessert. Künftig sollen Orte unter 3000 Einwohner sechsmal täglich angefahren werden (bislang viermal), Orte zwischen 3000 und 5000 Einwohner werden weiterhin sechsmal bedient, und in Ortschaften mit mehr als 5000 Einwohnern soll es mehr als zwölf Fahrten geben (bislang maximal zwölf) – an Werktagen wohlgemerkt. Aber auch am Wochenende soll sich etwas tun: Samstags sollen statt vier künftig sechs Busse alle 84 Kreisgemeinden anfahren, sonntags sind ebenfalls sechs statt bislang drei Fahrten geplant.



Eine Absage erteilte der Fachmann den Forderungen der beiden Verbandsgemeinden Rodalben und Hauenstein, die in ihrem Gebiet eine deutliche Ausweitung des Busangebotes gefordert haben. Sie waren zwei der 23 Organisationen, Behörden und Kommunen, die sich im Anhörungsverfahren zu Wort gemeldet haben – von 73 angeschriebenen. Rodalben wollte auf den Linien 248 und 256 mehr Fahrten als die Mindestbedienung, und  Hauenstein machte sich stark für eine stündliche Busverbindung aus dem Luger Tal an den Bahnhof Annweiler und eine bessere Anbindung der Ortsgemeinden an den Verbandsgemeindesitz in Hauenstein.

Kontrovers verlief die Diskussion über die Zukunft des Nahverkehrs im Landkreis. Da war auf der einen Seite Grünen-Fraktionssprecher Bernd Schumacher, der schon jetzt Defizite bei der Grundversorgung sieht, weil es zu wenige Direktverbindungen gibt, sodass Fahrgäste aus Leimen schon einmal eine Stunde und 23 Minuten nach Rodalben zum Verbandsgemeindesitz brauchen. Er forderte daher mehr Geld für einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr.

Dagegen warnte FDP-Ausschussmitglied Reinhold Hohn vor den finanziellen Folgen, denn dafür müssten die 84 Ortsgemeinden am Ende über ihre Umlagenzahlungen aufkommen, denn daraus finanziere sich der Kreishaushalt. Auch Heinrich Hoffmeisters Äußerung ging in diese Richtung, er machte sich für bezahlbare Kompromisse stark. Auf Augenmaß bei Angebot und Finanzierung setzt auch Dr. Susanne Ganster, die CDU-Fraktion wolle einen Mobilitätsmix aus Personennahverkehr und Straßensanierung für die Autofahrer: „Wir müssen die Bevölkerung mobil halten.“

Schließlich waren auch die Anruf-Sammel-Taxen im Landkreis ein Thema. Übereinstimmend herrschte die Meinung, dass sie den Bürgern als kostengünstige Alternative stärker ins Bewusstsein gerufen werden müssten .